wortklauberei (6)

„mit dem wort links habe ich keine berührungsängste“

am samstag, den 13ten september war ein langes interview mit dem amtierenden außenminister steinmeier in der süddeutschen zeitung mit folgendem satz übertitelt: „mit dem wort links habe ich keine berührungsängste„. daraus ergeben sich einige fragen.

wie kann man mit einem wort in berührung kommen? eigentlich sollte man mit keinem wort berührungsängste haben, wenn man die sprache ungehemmt verwenden möchte. wichtiger als die berührung scheint doch der kontext, in dem das wort verwendet wird. der satz scheint als ausflucht davor, wirklich position zu beziehen und ergibt in der folge keinen sinn. denn ich kann sagen „links sein ist scheiße“ und ich kann sagen „links sein ist toll“. in beiden fällen fiel die berührung nicht schwer. selbst so fürchterliche wörter wie „kollateralschaden“ und „rechtsradikalismus“ müssen keine angst auslösen, wenn sie angemessen verwendet werden.

was wollte uns der außenminister also damit sagen? er sagt nicht, dass er seine eigene position als links definieren würde. er sagt auch nicht, dass er eine linke politik anstrebt. genausowenig teilt er in dem moment mit, dass er nur rechts abbiegt, weil er links nicht mag. wahrscheinlich lässt sich seiner auffassung nur durch den ausschluss von dem, was er nicht gesagt hat, annähern. so hätte er auch sagen können: „ich habe keine probleme damit, das wort links in den mund zu nehmen.“ hier ist sie wieder, sie seltsame berührung mit den worten. wie kann man ein wort in den mund nehmen? beide ausdrücke machen worte zu gegenständen. und zeigen nur an, dass man keine eindeutige aussage treffen möchte. es deutet an, dass man sich der vergegenständlichten haltung und position vielleicht annähert. denn sonst hätte herr steinmeier gesagt: „ich bin ein linker.“ so sagt er aber nur, er kann sich vorstellen über links zu reden. auch diese aussage ist doppeldeutig und muss im kontext des interviews gesehen werden. es handelt sich zum beispiel nicht um „internet-links“, die steinmeier meint. aber es ist ein perfekter ausdruck von „politsprech“, keine aussage zu treffen, noch nicht einmal eine haltung zu vermitteln. er hat nur keine angst das wort zu verwenden. wie er es in zukunft verwenden wird weiß kein mensch.

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