Tagesarchiv: 17. September 2008

wie romane entstehen – ein buchtipp

hanns-josef ortheil ist durch verschiedene romane bekannt geworden. aber gleichzeitig lehrt er schon seit jahren zu den möglichkeiten, das schreiben zu lernen. sein co-autor bei diesem buch ist klaus siblewski, der schon längere zeit der lektor von ortheil ist. beide zusammen haben sich des themas „wie romane entstehen“ gewidmet.

dabei ist das buch in zwei abschnitte aufgeteilt. den anfang macht der schriftsteller, der die entstehung von prosa größeren umfangs aus persönlicher sicht aber mit bezug auf andere literaten schildert. anschließend schildert diesen prozess der lektor aus seiner sicht, vor allen dingen auch unter den aspekten der strukturierung und überarbeitung. das buch ist in vorlesungen aufgeteilt, wie sie annähernd an verschiedenen hochschulen gehalten wurden und sicherlich auch noch gehalten werden können. das buch ist zwar relativ neu, aber die notierten möglichkeiten einen roman zu verfassen, werden sich so schnell nicht ändern. das buch ist eine schöne variante sich dem thema des schreibens und welterfassens anzunähern, und eine plauderei aus dem nähkästchen, die die leserInnen den berufsliteraten über die schulter sehen lässt.

einzig problematisch erscheint mir die position von ortheil, dass es eine art „voreinstellung“ oder „veranlagung“ gibt, die einen zum schriftsteller oder zur schriftstellerin, besser geschrieben zum romanautor oder zur romanautorin macht. hier würde ich sagen, auch ohne die vorerfahrungen, die zum beispiel ortheil im zusammenhang mit der beobachtung der welt gemacht hat, kann man den forschenden blick gegenüber dem alltag später noch lernen. da halte ich es lieber mit beuys, der jedem menschen zusprach, künstler zu sein. ich muss manchmal nur techniken und strategien lernen, um mich der eigenen kreativität anzunähern. und dazu ist dieses buch ein wunderbarer fundus. es ist im literaturverlag luchterhand 2008 in münchen erschienen. ISBN 978-3-630-62111-1

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schreibidee (53)

dieses mal soll die schreibidee sich um alltagsgeschichten drehen. sie begegnen einem jeden tag, doch man beachtet sie kaum. um dies zu ändern besteht die möglichkeit, die teilnehmerInnen der schreibgruppe aufzufordern, doch einmal eine woche lang jeden tag zwei begebenheiten zu notieren, die einem auffallen oder die man erlebt. ein beispiel:

gestern wunderte ich mich, dass gegen abend bei mir vor dem haus der autoverkehr plötzlich so zunahm, was sonst nicht der fall ist. als ich dann etwas später zur u-bahn ging fiel mir auf, dass die räume der schule in der nähe hell erleuchtet waren. drumherum waren alle straßen zugeparkt, sogar in zweiter reihe, was bedeutete, dass größere autos nicht mehr durchkamen. es war elternabend. gewundert hat es mich nicht. wenn mittags eltern ihre kinder mit dem auto von der schule abholen, dann parken sie generell so, dass fußgänger nicht mehr die straße überqueren können. soviel zum vorbild für die lieben kleinen. mein auto kommt vor allen anderen kindern und menschen, die zu fuß unterwegs sind. und auch vor allen anderen größeren fahrzeugen.

dies ist eine nebensächliche begebenheit, aus der aber eine geschichte werden könnte. der kampf der hockey-moms um ihre kiddies und ihren vorteil. die notierten begebenheiten sollten nicht länger als zehn zeilen sein. sie werden beim nächsten treffen der schreibgruppe vorgestellt und zusammengetragen. nun können sich die teilnehmerInnen die begebenheit aussuchen, die ihnen am meisten zusagt und daraus in einer stunde eine geschichte machen.

zum schluss kann noch allen empfohlen werden, dies regelmäßig zu machen. alltagsgeschichten in kurzen knappen schilderungen zu sammeln. daraus ergibt sich im laufe der zeit ein reichhaltiger pool, aus dem man auf der suche nach geschichten jederzeit schöpfen kann.