Tagesarchiv: 1. Oktober 2008

kreatives schreiben und experimente

manche schreibgruppen arbeiten schon lange zeit zusammen. manche menschen wenden über jahre die techniken des kreativen schreibens an. im laufe der zeit kann das material an schreibanregungen oder schreibübungen immer wieder in die gleichen bahnen geraten.

in solchen momenten ist zu überlegen, ob man neben änderungen an den schreibaufgaben nicht auch einmal änderungen an der sprache vornehmen könnte. manche schreibaufgabe beinhaltet diese idee, aber sie bietet nicht die freiheit des experiments. so kann es für jeden schreibenden zum ansporn werden, einer schreibanregung zwar zu folgen, aber nach der fertigstellung des ersten textes, ihn noch einmal mit ganz anderen worten zu verfassen.

dabei ist dann alles möglich. entweder werden bestimmte slangs oder dialekte verwendet um die farbe der sprache zu verändern. oder es werden nach bestimmten reihenfolgen sätze aus dem text gestrichen und hinzugefügt. es gibt aber auch die möglichkeit, sich mit einzelnen abschnitten des textes zu befassen und jeden abschnitt in einem anderen stil wiederzugeben.

noch spannender und experimenteller wird es, wenn nicht nur die sprache, der rhythmus oder die aussage verändert werden. die ganze geschichte kann in eine surreale form überführt werden. dabei können neue abschnitte hinzugefügt werden, die eigentlich inhaltlich aus einerm anderen text stammen. ob nun zitate aus eigenen anderen texten eingefügt werden oder zitate aus der zeitung, aus büchern den verlauf unterbrechen. es können wörter vertauscht werden, es können über die suchfunktion des schreibprogramms im computer bestimmte worte durch andere unpassende worte ersetzt werden. dem durch- und unterbrechen einer textstruktur sind keine kreativen grenzen gesetzt. einen stil im gegensatz zum inhalt anzuwenden, ist auch eine form von verstörung oder eben experiment. der versuch ist es wert, auch wenn mancher text erst einmal darunter leiden könnte. andere texte werden eventuell durch veränderungen aufgewertet. auch dies alles ein großes experiment mit einem text.

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schreibidee (57)

dem wetter angemessen soll es dieses mal um stürmische texte gehen. der einstieg kann in schreibgruppen zum beispiel über die darstellung der zeit des sturm und drangs erfolgen. man kann sich aber auch auf die wetterphänomene oder den klimawandel berufen. ja, es kann sogar auf die „stürmischen zeiten“ bezug genommen werden. als erstes sollten die teilnehmerInnen eine definition formulieren, was ein sturm überhaupt ist. diese beschreibung ist kurz zu halten und wird anschließend in der gruppe vorgestellt. dadurch entsteht ein schöner pool an verschiedenen definitionen eines „sturms“.

angelehnt an die beschreibungen können nun alle einen text verfassen, der davon handelt, was passieren würde, wenn ein sturm durch das eigene leben rasen würde. diesen text verfassen alle nur für sich selber und er wird nicht vorgestellt. es bleibt ein persönlicher text, der die anregung für die letzte geschichte darstellt. denn nun ist es an der zeit, einen stürmischen text zu verfassen. der text kann bezug auf einen selber nehmen, muss es aber nicht. doch er sollte sehr emotional, vorwärtsdrängend, „alles hinwegfegend“ und unaufhaltsam sein.

dadurch können in der schreibgruppe „starke texte“ entstehen, die möglichst den inneren zensor hinter sich lassen und zumindest in der geschichte auch eine zerstörerische kraft entfalten. es kann aber auch die zeit nach dem sturm betrachtet werden, wenn wieder aufgeräumt wird und doch die welt um einen herum ein wenig „ver-rückt“ wurde, sich also etwas geändert hat. die am schluss entstehenden texte werden einander vorgestellt und können im feedback nach windstärken beurteilt werden. welcher text ist in den augen der anderen der stürmischste?