biografisches schreiben und wiedervereinigung

 

der „tag der deutschen einheit“, eine staatlich verordnete wiedervereinigungs-feierlichkeit, ist ein guter anlass, um das thema „gesellschaftliche umbrüche“ im zusammenhang mit biografischem schreiben aufzugreifen. selten gibt es ereignisse, die ganze gesellschaften und staatliche gefüge durcheinanderwirbeln. es gibt in solchen momenten niemanden, der unberührt von den entwicklungen bleibt, selbst wenn man unbeteiligt ist. normalerweise ergeben sich solche prozesse nur bei kriegen und diese gehen mit vielen opfern einher.

menschen, die in deutschland vor ungefähr dreissig jahren und früher geboren wurden, konnten bewusst miterleben, wie sich die gesellschaftlichen strukturen vollständig veränderten. sicherlich im osten des landes noch verschärfter als im westen. schon die vorherige situation mit der teilung deutschlands war skurril. wer ein wenig älter ist, kann sich an die extremen widersprüchlichkeiten in beiden teilen des landes erinnern, die lang nicht aufzuheben waren.

beim verfassen der eigenen lebensgeschichte kann dies mehr oder weniger eine rolle spielen. spätestens die ausreisebewegung nach ungarn und in die tschechoslowakei machten bewusst, dass sich, in kombination mit den montagsdemonstrationen etwas verändern wird. in welche richtung wusste niemand. aber der alltag war von den beständigen veränderungen und ereignissen besetzt. nachrichten bekamen einen extrem hohen stellenwert. diskussionen zogen sich durch alle lebensbereiche, das eigene leben wurde stück für stück durch die ereignisse beeinflusst. als dann die mauer fiel, ereigneten sich tiefgreifende veränderungen im stundentakt. die gesellschaftlichen umwälzungen fanden in einer geschwindigkeit statt, die alle in atem hielt. jede(r) musste sich neu ausrichten. auch hier ergaben sich abstufungen von bedrohungen der gesamten eigenen existenz bis zu minimalen erschütterungen. dies sind aber die momente, die für die eigene biografie eine rolle spielen und beim verfassen der eigenen lebensgeschichte zwar ausgeblendet werden können, aber spuren hinterlassen. beinahe jeder mensch, der die öffnung der mauer bewusst miterlebt hat, kann sich genau daran erinnern, wo und wie er von der veränderung erfahren hat. das ist ein zeichen dafür, wie bestimmend die entwicklungen waren.

besonders intensiv dokumentieren die gesellschaftlichen umbrüche, die dokumentationen über „die kinder von golzow„. 1961 mit der einschulung von kindern in der ddr begonnen wurden bis 2007 filmisch die lebenswege einer schulklasse dokumentiert. hier können biografien nachvollzogen werden, die vor allen dingen die heftigen auswirkungen der wiedervereinigung auf das leben im osten deutschlands zeigen, sowohl im positiven als auch im negativen. mehr informationen dazu sind hier zu finden: http://www.kinder-von-golzow.de . übrigens kommen morgen abend im rbb zwei neue folgen der letzten dokumentationsreihe. siehe: http://www.rbb-online.de/_/fernsehen/programm_index_jsp/datum=04.10.2008.html .

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