schreibpädagogik und selbsterfahrung

 

es gibt eine schwierigkeit bei der anleitung von schreibgruppen, die erst einmal kaum verhindert werden kann. denn kreatives oder biografisches schreiben kann bei den einzelnen teilnehmerInnen dinge zu tage fördern, die ihnen lang nicht bewusst waren. natürlich entsteht dann oft das gefühl, sich mitteilen zu wollen. dagegen spricht bis zu einem gewissen punkt nichts. doch die form der selbsterfahrung birgt die gefahr in sich, dass sich eine schreibgruppe in eine selbsterfahrungsgruppe verwandelt und dadurch therapeutische züge annimmt.

Wenn eine schreibgruppe schon als selbsterfahrungsgruppe in einem therapeutischen setting angekündigt wird, dann ist der oben beschriebene effekt natürlich erwünscht. tritt die reaktion aber unerwünscht auf, kann dies schnell zu konflikten innerhalb der gruppe führen. denn nicht alle teilnehmerInnen sind in eine schreibgruppe gegangen, um sich mit den schwierigkeiten und problemen anderer auseinanderzusetzen. in diesen momenten sind die anleiterInnen der gruppe, also die schreibpädagogInnen gefragt. sie sollten eine ahnung davon haben, wann die stimmung der schreibgruppe ins wanken gerät, da sich viele über ihre texte zu ihren eigenen erfahrungen austauschen und dabei den kreativen oder biografischen blickwinkel aus den augen verlieren.

in diesen momenten gilt es einzuschreiten. das kann in verschiedenen formen geschehen. zum einen kann man seine schreibanregungen daraufhin überprüfen, ob sie eine form  der selbstentäusserung fördern. diese aufgaben können durch andere „unverfänglichere“ ersetzt werden. zum anderen kann man die teilnehmerInnen beiseite nehmen, die einen großen drang verspüren, ihre eigenen erfahrungen zur debatte zu stellen. dabei hilft es, ihnen zusätzliche möglichkeiten zum beispiel bei beratungseinrichtungen oder therapiegruppen aufzeigen zu können. so sollten leiterInnen von schreibgruppen immer eine ahnung davon haben, welche angebote im sozialen bereich in der näheren umgebung existent sind. denn es gibt nichts schlimmeres für menschen, die gerade tiefgreifendes über sich selber beim schreiben erfahren haben, wenn man sie ins leere laufen lässt.

eigentlich ist es ja ein schöner effekt, dass schreiben bei menschen so viel auslösen kann, nur leider schießt der effekt manchmal über das ziel hinaus. und eine schreibgruppe ist oft der falsche ort, um halt zu suchen.

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