Tagesarchiv: 9. Oktober 2008

schreibberatung oder schreibgruppen?

 

gehen wir einmal davon aus, sie haben eine schreibblockade und wissen nicht, wie sie diese wieder verlieren können. aus der schreibpädagogik bieten sich zwei möglichkeiten an.

erstens können sie eine schreibberatung aufsuchen. in dieser beratung wird der versuch unternommen, den gründen für ihre schreibblockade auf die spur zu kommen. das kann etliche zeit in anspruch nehmen, da es um eine art „gegenlernen“ geht. das soll heißen, die verinnerlichten inneren zensoren oder regeln sind meist nur dadurch zu überwinden, dass kleine erfolge beim schreiben und entwickeln eines textes auch wirklich als eigener erfolg verbucht werden sollten. hierbei kann es hilfreich sein von schreibberaterInnen ein ungeschminktes feedback oder eine schonungslose analyse zu erhalten. doch manchen menschen das setting einer schreibberatung zu zweit zu unangenehm und zu „psychologisch“.

in dieser situation kann es für sie zweitens angenehm sein, eine schreibgruppe aufzusuchen. Weiterlesen

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biografisches schreiben und sachzwänge

eines des erstaunlichsten phänomene, wenn menschen älter werden, ist es, dass eine gewisse form von narrenfreiheit entsteht. viele stellen fest, dass sie die von ihnen verlangte leistung für die gesellschaft erbracht haben und sie fühlen sich ab diesem moment den anforderungen nicht mehr so verpflichtet. oft geht diese entwicklung einher mit der pensionierung, muss aber nicht.

dieser moment kann zu zwei reaktionen führen. die einen fallen beinahe in eine depression, da an sie keine großen anforderungen von außen mehr gestellt werden. die anderen genießen diese form der narrenfreiheit und gestehen sich dinge zu, die sie ihr leben lang nicht verwirklicht haben. ab diesem moment lohnt sich beim verfassen der eigenen biografie oder lebensgeschichte ein blick in die vergangenheit. erst dann sind menschen oft bereit, sich einzugestehen, dass sie in vielen handlungszusammenhängen sachzwängen gefolgt sind, die sie nicht nachvollziehen konnten oder zu denen sie eigentlich eine gegenposition einnahmen. am häufigsten geschieht dies sicherlich im berufsleben. hier steht für viele menschen die angst im hintergrund, dass sie ihren job verlieren könnten, wenn sie sich nicht konform verhalten. diese angst ist meist nicht unbegründet. beim rückblick auf das geschehene stellt man häufig fest, dass die gefahr in der form gar nicht bestand, aber man konnte es damals nicht wissen.

aber es lohnt sich ein blick genau auf diese momente, da es einem zeigen kann, wie stark man die eigene entwicklung auch durch ein sachzwang-geprägtes verhalten beeinflusst hat. deshalb erscheinen manche depressionen nach der pensionierung auch nicht erstaunlich, wird etlichen in dieser zeit klar, dass sie immer bemüht waren, den anforderungen von außen genüge zu tun, dabei aber die eigenen bedürfnisse oft genug aus den augen verloren haben. man sollte sich dafür nicht schämen und auch nicht an allem nur die eigene verantwortung oder schuld suchen, sondern man sollte sich dadurch entlasten, indem man sich genau anschaut, welche alternativen für einen damals überhaupt vorstellbar waren. und dann vielleicht in seiner biografie oder lebensgeschichte, den leserInnen aufzeigen, was man eigentlich gern gelebt und wie man am liebsten gehandelt hätte.

schreibtechnik (21) – zehn-finger-schreibsystem

dieses mal ist die schreibtechnik wirklich ein technischer ablauf. ein tastendruck produziert buchstaben. entweder durch mechanische abläufe und ein farbband bei der klassischen schreibmaschine oder durch elektronische impulse auf dem bildschirm des computers. vorteil des ganzen schreibsystems, das durch einfache schreibabläufe antrainiert werden muss, dass der blick den bildschirm oder das blatt nicht verlassen muss, während der text sichtbar wird. so bietet das zehn-finger-schreibsystem die möglichkeit, texte im schnellen fluss entstehen zu lassen.

im gegensatz zum handschriftlichen schreiben, dass aus dem schwung der handbewegung gespeist wird und bestimmte kreative prozesse anregt, unterliegt das tippen auf der computertastatur oder auf der schreibmaschine, einem rhythmus, der auch die textproduktion beeinflussen kann. entweder regt der rhythmus zu bestimmten texten an oder musik kann zu einem tipprhythmus anregen. und so entsteht während des beständigen klackerns ein ganz eigenes schreib- und textgefühl, das sich von der handschrift unterscheidet. beim zehn-finger-schreibsystem kann zum einen in der selben zeit mehr geschrieben werden und es kann vor allen dingen der schrifttyp variiert werden, der schon von sich aus ein individuelles schreibbild entstehen lässt.

mag das antrainieren des schreibsystems im ersten moment lästig erscheinen, die vorteile im nachhinein sind nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören 😀

schreibidee (59)

kurze texte, lange texte, täglich einen text, wöchentlich einen text. beim kreativen schreiben kann man, wie hier beschrieben, rhythmen und längen variieren. doch ebenso kann man sie für eine schreibanregung kombinieren. so werden keine inhaltlichen vorgaben oder stilistischen anregungen gemacht. dieses mal sollen die maße der bedingungen vorgegeben werden.

es kann eine anregung zum regelmäßigen schreiben sein, in einer schreibgruppe bis zum nächsten treffen die hausaufgabe zu geben, einen „eine-seite-an-einem-tag“-text zu verfassen. und dies täglich. es werden keine vorgaben zu dem text gemacht, es werden keine inhaltlichen anregungen gegeben. es ist nur ein text pro tag zu verfassen. das projekt kann die form eines tagebuchs annehmen, es können aber auch ereignisse eines tages zur geschichte werden oder es entsteht im laufe der zeit eine sammlung von kurzgeschichten. es gibt viele möglichkeiten, eine seite zu füllen. hier kann freigestellt werden, dass auch bilder oder malerei in die seite integriert werden kann, also collagen-techniken die tagesseiten ausgestalten.

wichtig ist die vorgabe, festzulegen, wie lang das projekt läuft, damit sich alle teilnehmerInnen darauf einstellen können. sollten die eigenen schreibfortschritte als sehr positiv erlebt werden, dann kann die anregung gegeben werden, einfach weiter zu machen, so lang die zeit dafür zur verfügung steht. ein „eine-seite-an-einem-tag“-text ist eine möglichkeit, den eigenen schreibrhythmus zu verstärken und sich sanft unter druck zu setzen. übrigens kann auch pro tag eine seite freewriting einen pool an zukünftigen schreibideen produzieren.