Tagesarchiv: 11. Oktober 2008

worte und kunst – ein ausstellungstipp

die kunstkritik ist eigentliche der klassische moment, in dem die kunst mit worten und der sprache in berührung kommt. also tritt das wort oft erst in aktion, wenn die kunst als gemälde, skulptur oder fotografie schon geschaffen ist.

aber es gibt ausnahmen. dann, wenn die worte, die sprache und das spiel mit ihnen in die kunst einfliesst. am bekanntesten dafür ist sicherlich die plakatkunst, die das geschriebene durch das layout untermalt. die aber auch die worte so platziert, dass sie ihre eigene aussage verstärken. entweder durch den schrifttyp, die schriffarbe oder die anordnung der schrift.

plakate fangen bei der papiergröße A3 und erreichen größen bis zur abdeckung von ganzen hauswänden. doch der künstler lawrence weiner hat auf das plakat verzichtet und seine „wortspiele“ gleich an den dafür vorgesehenen orten angebracht. er macht die alltägliche umgebung zum plakat, ähnlich den sprayern, die über das setzen ihrer duftmarke hinausgehen. dieses zusammenspiel der sprache und wortspiele mit gebäuden und urbanen umgebungen kann zur zeit in düsseldorf anhand der ausstellung „AS FAR AS THE EYE CAN SEE“ betrachtet werden. die bis januar in der ausstellungshalle „k21“. mehr informationen zur ausstellung sind zu finden unter: http://www.kunsthalle.de/de/ausstellungen/2008/k21-lawrence-weiner.html . danach kann man sich überlegen, ob nicht die eigene hauswand mit einem guckloch versehen werden sollte, um das sich auf der fläche des hauses die worte „schauinswand“ breitmacht 😛

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schnickschnack (40)

dass der mensch macht, was machbar ist, ist keine neue erkenntnis nach der erfindung der atombombe oder den geklonten schafen. so verwundert es nicht, dass inzwischen das internet angebote bereithält und darüber der vertrieb organisiert wird, die sehr fragwürdig erscheinen. eines der abschreckenden beispiele einer fortschreitenden beliebigkeit, die der ethischen debatte einfach davoneilt ist auf der seite http://www.23andme.com zu finden. unter dem motto „genetics just got personal“ besteht hier die möglichkeit, sein genom testen zu lassen. die zahl „23“ spielt auf die zahl der chromosomen an, die jeder mensch doppelt in sich trägt. für 399 dollar kann man sich in die seite einloggen und eine probe einschicken, die auf genetische störungen untersucht werden kann. so werden bestimmte abschnitte auf den genen untersucht, die einen hinweis auf die disposition für bestimmte krankheiten anzeigen können. dass die erforschung dieser abschnitte bis heute noch nicht eindeutig ist und eine disposition nicht unbedingt bedeutet, dass die krankheit jemals auftreten muss fällt bei dem angebot  ein wenig hinunter. so finden sich die dispositionen für bestimmte krebsarten oder den herzinfarkt im angebot. wer sich einloggen darf in das angebot der homepage, der kann auch den blog mit den neuesten erkenntnissen über weitere genabschnitte und dispositionen aufrufen. und er wird persönlich benachrichtigt, welche zusätzliche krankheitsgefahr sein vormals untersuchtes genom noch aufweist. da wird die bedeutung einer mail eine ganz andere. die wöchentliche hiobsbotschaft als newsletter, was ich noch alles habe. interessant wäre die untersuchung, was die ergebnisse bei den menschen auslösen. ob sie ihre wohnung nicht mehr verlassen? zumindest ein tolles schnäppchen für alle hypochonder, die die bestätigung erhalten werden, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt. die zeit wird für 399 dollar nicht mehr langweilig. vielleicht das beste beispiel dafür, die diskussion über die weitere gentechnologie noch einmal von vorne zu beginnen. will ich es wissen? und sollte es jemand anderes wissen? 😈