wortklauberei (9)

 

„dienstleistungsgesellschaft“

oh wie klingt es in den ohren, wenn in den letzten jahren immer wieder betont wird, dass der wandel der arbeit aus unserer industriegesellschaft eine dienstleistungsgesellschaft macht. so trete der dienst am kunden stärker in den vordergrund. und dann begibt man sich auf die suche, wer wem welchen dienst erweist.

man muss nicht lang stöbern und stellt fest, die orte, an denen der gewöhnliche mensch eine dienstleistung benötigt, sind orte, wo der verbraucher dienste zu erbringen hat und nicht unbedingt die dienstleister. es gibt viele beispiele, die zur verwunderung führen. gehen wir einmal davon aus, wir erwarten ein paket und es kommt nicht an. so geht man zu seinem nächsten postamt und fragt nach. in diesem moment wird einem ein vordruck überreicht, der eine beschwerde ermöglicht. auf nachfrage, ob es nicht ansprechpartnerInnen bei den postverteilerzentren gebe, erhält man zu antwort, nein, beschwerden gehen an eine zentrale stelle. etliche zeit später kommt ein formbrief, in dem sich für die unannehmlichkeiten entschuldigt wird. das paket ist aber immer noch nicht eingetroffen. jetzt besteht noch die möglichkeit, ein beschwerdetelefon anzurufen, das aber den normalen ortstarif bei weitem überschreitet.

oder wir fahren s-bahn in berlin. im liniennetz der s-bahn gibt es ein paar sehr zentrale umsteigebahnhöfe. einer davon ist zum beispiel „schöneberg“. hier kreuzt die ring-s-bahn die nord-süd-bahn. wir fahren ein, wir wissen wir müssen die treppe zum anderen bahnsteig runterstürzen, da der anschlusszug dort steht. die zugabfertigerInnen haben mitbekommen, dass oben gerade ein zug eingefahren ist. und sie fertigen den anschlusszug noch schnell ab, ein wenig früher als im fahrplan steht. damit alle, die die treppe runterstürzen, rechtzeitig den bahnsteig erreichen um den zug ausfahren zu sehen. die nächsten mindestens 10 minuten stehen wir alle dann so rum. beförderung von personen scheint lästig, hauptsache der zug fährt. oder sie wohnen in der nähe einer einkaufsstrasse in berlin. und sie besitzen ein auto. ganz schlecht. hier wird gebühr fällig. niemand weiß wofür. also anscheinend dafür, dass sie zum einkaufen zu fuß gehen können und ihr auto nicht nutzen müssen, also die luft auch nicht verpesten. oder dafür, dass sie sowieso schon mehr miete bezahlen, da der mietspiegel in der nähe von beliebten einkaufsstraßen höher liegt. im gegenzug bietet ihnen ihr bezirk die dienstleistung, dass das ordnungsamt häufiger durch ihre straße geht und die bestraft, die der parkraumbewirtschaftung nicht folgen. übrigens auch ein schönes wort.

während ich dies hier schreib, wird mir bewusst, dass der begriff „dienstleistungsgesellschaft“ sehr wohl richtig gewählt wurde. ich diene und leiste (und zahle) in dieser gesellschaft, damit konzerne und öffentliche einrichtungen eine gebühr auf meine leistung erheben können. oohps, ein unlogischer gedanke, aber unsere welt (apropos „ups“, die liefern nur zu bestimmten vormittäglichen zeiten auf mancher route aus, wer dann nicht vor ort ist, kann sein paket nur noch am anderen ende der stadt abholen) 😮

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