Tagesarchiv: 14. Oktober 2008

biografisches schreiben und geräusche

der mensch hat manchmal ein gedächtnis, das ihn selber erstaunen kann. nichts ahnend geht man eine straße entlang und hört plötzlich ein geräusch, das einen an vergangene tage erinnert. oder die klassische situation, man führt ein gespräch und während des gesprächs hat man das gefühl, genau das gleiche gespräch, die gleiche situation schon einmal erlebt zu haben.

erinnern sie sich an ganz eindrückliche geräusche? erinnern sie sich an die musik, die sie mit ihrer einen großen liebe gehört haben? ein klassiker ist die entscheidung eines paares, ein musikstück zu „unserem lied“ zu machen. geräusche werden mit ereignissen oder gefühlen zusammen im gehirn abgespeichert. man denkt lang nicht mehr dran. dann begegnet einem nach langer zeit unerwartet das geräusch wieder und plötzlich sind die alten gefühle oder ist die alte erinnerung wieder da.

wenn sie nun dabei sind ihre eigene lebensgeschichte zu verfassen, überlegen sie doch einmal, welche geräusche sie beständig erinnert haben. zum beispiel die große standuhr ihrer großmutter, die läutete wieder big ben in london. oder die früher übliche fabriksirene, die über den ganzen wohnort erschallte, wenn schichtwechsel war. auf der suche nach geräuschen des eigenen lebens kann man erstaunliche entdeckungen machen und sich über den umweg der töne an begebenheiten erinnern. es kann sich dabei sowohl um positive als auch negative ereignisse handeln. um sie zu erinnern, müssen sie nur oft etwas in ihnen berührt haben. man erinnert sich anscheinend weniger an geräusche, die beständig zum alltag gehörten und keine weiteren ereignisse begleiteten. oder wissen sie noch, wie die straßengeräusche neben ihrer wohnung den alltag begleiteten?

noch spannender könnte es sein, sich einmal eine geräuschbibliothek anzuhören, wenn es so etwas irgendwo frei zugänglich überhaupt gibt und sich durch diverse alltagsgeräusche zu hören. welche geräusche erinnern einen an vergangene erlebnisse? heutzutage sind mit dem computer zumindest manche geräusche auf cd oder dvd zu kaufen. man kann sich ja mal auf gut glück durchklicken. um vom ohr zur vergangenheit zu gelangen.

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schreibpädagogik und schreibgeschwindigkeit

 

wer schreibgruppen anleitet, kennt die situation, dass eine schreibanregung gegeben wurden, die von den teilnehmerInnen in verschiedener geschwindigkeit bearbeitet wurde. das führt dazu, dass manche ihren text schon beendet haben und andere noch am schreiben sind. in solchen momenten fangen die unbeschäftigten teilnehmerInnen manchmal an miteinander zu reden. das wiederum wird von den schreibenden als störend empfunden.

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kult des künstlers – ein multi-ausstellungstipp

berlin hat immer mal wieder große ausstellungen, die es lohnt zu besuchen. doch diesen herbst, und das wurde bei dem vielen eigenen potential an museen auch zeit, gibt es den versuch ein feuerwerk an interessanten ausstellungen abzubrennen. unter dem motto „kult des künstlers“.

einbezogen in des projekt sind die alten nationalgalerie, die neue nationalgalerie, der hamburger bahnhof – museum für gegenwart, das alte museum und das kulturforum potsdamer platz. im laufe dieses monats und des nächsten monats werden zeitversetzt diverse ausstellungen eröffnet. schon geöffnet sind die ausstellungen zu „hans von marées„, zu „künstlermythen. das 19. jahrhundert„, zu „karl friedrich schinkel und clemens brentano“ (alles alte nationalgalerie). außerdem können werke von „andy warhol“ und „joseph beuys“ und zum thema „ich kann mir nicht jeden tag ein ohr abschneiden – dekonstruktionen des künstlermythos“ im hamburger bahnhof angesehen werden. dazu kommen noch ausstellungen mit werken von „jeff koons“ und „paul klee“ (neue nationalgalerie) und eine zum verhältnis von „alberto giacometti“ zur altägyptischen kunst. und die alles zusammenfassende ausstellung zum „kult des künstlers“ wird im kulturforum gezeigt.

schön an dem ganzen vorhaben scheint mir, dass berlin das meiste gezeigte entweder in den eigenen archiven hat oder über sammlungen zur verfügung gestellt bekommt. die stadt zeigt endlich einmal, was sie hat. und dann noch zu dem spannenden thema, welche rolle der künstler in gesellschaften hat und hatte. leider fehlen die künstlerinnen. ist zu wünschen, dass sie nächstes jahr bedacht werden. auch die homepage kann sich sehen lassen, schon das intro macht viel freude. es können podcast zu verschiedenen themengebieten des ausstellungsmarathons kostenlos abonniert werden. und das design der homepage ist ein frisches. zu finden ist die seite unter http://www.kultdeskuenstlers.de .

 

p.s.: wem das bei einem kulturbesuch in der stadt noch nicht genügt, der kann immer noch in die „tropen„-ausstellung im martin-gropius-bau mitnehmen (darauf wurde hier schon hingewiesen) und im gleichen bau eine ausstellung des fotografen „richard avedon“ (ab 19.10). ende des monats und im november gibt es die nächsten knüller, dazu ein andermal mehr.

 

p.p.s.: und wenn dann alle ausstellungen besucht sind, weiß niemand mehr, welche schreibanregung aus der bildenden kunst denn nun als erstes für einen text verwendet werden soll. aber dafür gibt es dann kataloge 😀