die intellektuellen sind schuld – eine fernsehkritik

 

gut inszeniert hat sich marcel reich-ranicki der überreichung des „deutschen fernsehpreises“ entzogen. und er formulierte eine schelte am aktuellen fernsehprogramm. eine schelte, die inzwischen laut viele teilen, die aber mit großer wahrscheinlichkeit zu keiner veränderung führt. warum dies nicht geschehen wird, hat das in der folge geführte gespräche zwischen thomas gottschalk und marcel reich-ranicki gezeigt. (es kann in der mediathek des zdf, zu finden unter http://www.zdf.de , angesehen werden.)

denn herr gottschalk rechtfertigte sich immer wieder sowohl für sein verhalten als auch das der fernsehschaffenden. er formulierte beständig, dass derjenige ein verlierer sei, der keine anständige quote liefere und quote bringe eher das flache programm. denn die anspruchsvollen sachen, die seien immer so intellektuell, dass der rest der bevölkerung diese gar nicht verstehe, ähnlich wie die kritik in den feuilletons.

an diesen aussagen lässt sich ablesen, wie sehr herr gottschalk ein kind der kohl-ära ist. in dieser zeit war es üblich auf die kritischen intellektuellen einzudreschen und sie als zu vergeistigt und umständlich abzuqualifizieren. erstaunlich bleibt es dabei, dass aus dem land der seichten unterhaltung, den usa, serien zu uns kommen, die witzig, ja ideenreich sind und den alltag mit all der kritik daran abbilden. auch mancher unterhaltungsroman, der eine hohe auflage hat, muss sich was seine wissensgrundlage angeht, nicht vor anderen umständlichen machwerken verstecken. und so forderte herr reich-ranicki berechtigterweise, dass man gehaltvollen stoff auch spannend und spritzig präsentieren kann. und wenn man dies tut, sogar die quote stimmen könnte.

ein blick in das fernsehangebot gibt ihm recht, denn im deutschen fernsehen haben die bürgerInnen keine auswahl aus einem bunten strauß vielfältiger angebote. im deutschen fernsehen läuft meist um 20.15 der größte blödsinn und nur wer länger wach bleibt, der kann die filme und serien finden, die schon längst quote gemacht haben oder sie, früher gesendet, machen würden. aber die rechnung der fernsehsender ist eine andere. wenn die meisten menschen schauen, dann wird auch werbung von den meisten angeschaut, was geld bringt. und diese werbung ist zu kombinieren mit den niedrigsten produktionskosten, um satten profit zu machen. und wenn ich auf beinahe allen kanälen schwachsinn anbiete, mache ich mit schwachsinn quote, da um diese uhrzeit die meisten menschen schauen und kann die höchsten werbeetats einstreichen. dagegen werden die nächtlichen angebote nie ankommen.

in der argumentation von gottschalk, leider auch teilweise in der von reich-ranicki, steckt die arroganz, dass ein großteil der bevölkerung doof ist, so dass er nur den doofen sachen quoten verschafft. seltsam, dass zum beispiel in den letzten jahren dokumentationen enorm boomen. abgesehen von der frage, ob öffentlich-rechtliche sender sich ausschließlich an der quote zu orientieren haben. etwas weniger teure fussballspiele einkaufen und dafür unterhaltendes, anspruchsvolles fernsehen produzieren, ich bin sicher, das angebot könnte bestand haben.

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