Tagesarchiv: 28. Oktober 2008

web 2.0 und wissenspool

anhand von archiven und bibliotheken habe ich in diesem blog schon häufiger darauf hingewiesen, welche möglichkeiten sich durch das web 2.0 ergeben. was dabei nicht so klar zu tage trat, ist der punkt, dass dies eine herausragende neue qualität gegenüber früher darstellt. man betrachte nur einmal die möglichkeit des zugangs zu wissen in ländlichen regionen. es gab dort zwar auch kleinere bibliotheken, doch deren ausstattung war erwartungsgemäß eingeschränkt. in manchen zusammenhängen war vielleicht fernleihe möglich, aber auch hierzu war der zugang sehr beschränkt.

nun hätte man sicherlich viele bücher und fachzeitschriften per post bekommen können, doch auch dies gestaltete sich schwieriger, da der zugang zu den katalogen und verlagsmitteilungen nicht leicht war. denn nicht nur bibliotheken waren schwer zu erreichen, sondern ebenso buchläden oder gut sortierte kioske. das internet bietet für all dies eine lösung, die inzwischen selbst das angebot in metropolen bei weitem überschreitet. das heisst, wenn ein anschluss ins internet vorhanden ist, was sicherlich in manchen ländlichen regionen weiterhin schwierig ist, dann lässt sich die gesamte bandbreite des wissens im netz nutzen. abgesehen von den möglichkeiten der unkomplizierten bestellung der bücher und zeitschriften.

dazu kommt, dass der wissenspool inzwischen dimensionen erreicht hat, dass die üblichen suchformen nicht mehr ausreichen. zuerst ist es für jeden einzelnen hilfreich, sich auf bereiche zu beschränken. denn die recherche könnte im netz ausufernd werden. und dann sind die suchbegriffe wohlüberlegt einzugeben. denn gibt man einen zu übergreifenden begriff ein, hat man mal locker mehrere millionen treffer. wie sollte man diese bewältigen? also besteht die gefahr eines riesigen wissenspools sicherlich darin, dass in suchmaschinen schlechter platzierte ergebnisse übersehen werden. deshalb ist eine schrittweise eingrenzung der suche sehr hilfreich um sich den eigenen interessen anzunähern.  wenn das geschafft ist, dann bietet das web 2.0 allerdings informationen in einer bandbreite, die kein anderer ort leisten kann. und dies beinahe unbegrenzt an jedem standort. das ist eine chance für die jeweils eigenen interessen, die früheren generationen nicht zur verfügung standen.

schreibpädagogik und anregende diskurse

schreibgruppen schreiben, aber sie lesen sich auch gegenseitig die entstandenen texte vor und geben sich feedback. aus diesem verbalen austausch können diskurse entstehen, die sehr anregend sind. oder es wird eine kleine diskussion einer schreibanregung vorangestellt, die teilnehmerInnen der schreibgruppe werden aufgefordert, sich zu fragen zu positionieren. auch diese diskussionen können sehr interessant werden, so dass es von den teilnehmerInnen als störend empfunden werden kann, wenn die leitung diese diskurse unterbricht.

die gespräch haben sicherlich auch die funktion, sich in der gruppe näher kennenzulernen, sie haben also eine soziale funktion. doch sie verlieren ihre funktion eine schreibanregung zu sein, wenn sie sich verselbstständigen. so interessant solch ein diskurs sein kann, die schreibgruppenleitung ist ab einem bestimmten moment aufgefordert, ihn zu unterbrechen und zum schreiben aufzufordern. denn sonst wird zwar erst der diskurs geschätzt, doch später werden die teilnehmerInnen feststellen, dass sie in der schreibgruppe wenig zum schreiben gekommen sind.

eine zusätzliche alternative bietet inzwischen das internet. es kann die schreibgruppe dazu angeregt werden, sich doch in einem blog oder in einem chatroom weiter auszutauschen. so kann der anregende diskurs an einen anderen ort verlagert werden. dabei kann sich herausstellen, dass er doch nicht weitergeführt wird, das tut aber dem grundgefühl, nicht vollständig gestoppt zu werden während der schreibgruppe keinen abbruch. denn als leitung einer schreibgruppe hat man nicht nur die rolle, die entscheidungen zu treffen, sondern auch auf die bedürfnisse der teilnehmerInnen einzugehen. die verlagerung des diskurses in das internet bietet dazu eine gute möglichkeit. einzig zu beachten ist dabei, dass alle sicherheitsstandards erfüllt und der diskurs nicht öffentlich wird, sondern an einem ort, der nur mit passwort zu erreichen ist, geführt werden kann.

biografisches schreiben und kinderbücher

harry potter war ein viel beschriebenes phänomen, das eigentlich der zeit widersprach, in der kinder sich nicht unbedingt dem buch, sondern anderen unterhaltungen zuwenden. wer kann sagen, wie dies in wenigen jahren aussehen wird. doch bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte erinnern sich beinahe alle menschen noch an die bücher, die sie als kinder berührt haben. ob das der „räuber hotzenplotz“, die bücher von „hanni und nanni“ oder die werke von astrid lindgren und michael ende waren, beinahe alle haben ihre geschichten, die auch später noch präsent sind.

so ist es für das betrachten der eigenen biografie unterstützend, neben dem blick auf die kinderspiele, die gespielt wurden, einen weiteren blick auf das gelesene oder vorgelesene zu werfen. was hat einen damals bewegt? mit welchen protagonisten fieberte man mit? eine interessante frage, da dies die eigene entwicklung sicherlich mit beeinflusste. so wie manche pädagogen damals vor der anarchischen „pippi langstrumpf“ warnten, so sehr schlossen sie kinder in ihr herz und versuchten eigene fantasievolle wege zu beschreiten. denn pippi langstrumpf besaß fähigkeiten, die sie unabhängiger von der erwachsenenwelt machten.

ähnlich war es mit harry potter, der sich durch seine fähigkeiten bei der zauberei, der welt der erwachsenen entziehen konnte. und auch die „unendliche geschichte“ von michael ende, verwob die fantasie des kindes mit der fantasiegeschichte eines buches, abseits der welt der erwachsenen. wahrscheinlich sind die bücher deshalb so erfolgreich gewesen.

beim biografischen schreiben besteht nun die möglichkeit einen blick darauf zu werfen, welche formen man selber entwickelte, sich der welt zu entziehen, welche fantasien in spiele eingingen. in diesem zusammenhang scheint der blick lohnenswert welche anregung einen beeinflusst haben. womit ich wieder bei den kinderbüchern wäre, denn auch karl may oder die tiergeschichten und romane über pferdeställe hatten keine andere bedeutung.

kreatives schreiben und visuelle medien

was regt die kreativität an? das können verbale oder schriftliche schreibanregungen sein. es können aber ebenso visuelle reize wie fotografien und gemälde sein. doch heute ist eine änderung im ausdruck zu verzeichnen. manche sprechen schon von einer schreibenden und redenden vergangenheit zu einer visuellen zukunft. lesen ist auch visuell, doch die audiovisuellen medien sind auf dem vormarsch.

das fernsehen existiert schon länger, doch es wird inzwischen noch ergänzt von den angeboten im internet. ob das der zuwachs bei youtube oder flickr ist, die verlagerung des fernsehens ins internet oder die ganzen flash-animationen sind, bewegte bilder mit ton sind weiter auf dem vormarsch.

eine folge ist die abnahme der werbung in den printmedien und eine verlagerung ins internet. es wird stärker mit bewegten bildern und lettern gearbeitet. das kann vom versuch, einen kreativen ausdruck zu finden nicht ganz getrennt werden. das kreative schreiben wird dadurch langsam zum gegenpol, zur gegenbewegung. es stellt die ruhige, ungeschnittene kreative alternative dar. so wie es eine bewegung zum low living, zur entschleunigung gibt, die sich nicht mehr der beständigen beschleunigung von kommunikation und information unterwerfen will, so lebt das kreative schreiben von zeiträumen, die einer einzigen tätigkeit gewidmet sind.

kreatives schreiben kann eine erholungsphase in einer welt des multitasking darstellen, die verstärkt geschätzt wird. sowohl das schreiben als auch das vortragen der texte kann nicht verbunden werden mit telefonieren am handy oder dem zwischenzeitlichen blick auf den fernseher. man ist „gezwungen“ sich auf eines zu konzentrieren. einzig musik kann noch den schreibprozess untermalen.

und doch können visuelle medien eine anregung für das kreative schreiben darstellen. was hier schon anhand von fotografien aufgezeigt wurde, lässt sich erweitern auf kleine spots, videofilme oder kurzfilme. all dies kann auch in einer schreibgruppe anregung sein, wie ein gemälde oder der alltag. die moderne literatur versucht sich teilweise auch in der kurzen sprache, ähnlich dem hiphop oder der kurz-kurz-geschichte, aber das bleiben einzelne versuche, da der intensive ausdruck doch meist den aufbau der spannung benötigt, also mehr text. vielleicht sollte sich das kreative schreiben dieser stärke vermehrt bewusst werden, einen keil in die hektik zu treiben.