Monatsarchiv: November 2008

schreibpädagogik und planung

 

hat man die möglichkeit, eine schreibgruppe für längere zeit zu leiten, dann ist es hilfreich, nicht alles im detail bis zum letzten termin durchzuplanen. sowohl für die leitung als auch für die teilnehmerInnen kann es interessant sein, mindestens einen termin für eine aktuelle themenwahl offen zu lassen.

hier wäre es im vorfeld sinnvoll, zwei termine früher zettel in die schreibgruppe zu geben, auf die alle teilnehmerInnen jeweils drei thematische vorschläge für ein schreibgruppentreffen notieren sollten. die zettel werden eingesammelt und alle vorschläge notiert. dann wird abgestimmt, pro person gibt es drei stimmen, welches thema zum übernächsten termin der schreibgruppe grundlage für schreibanregungen sein soll.

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schreibidee (74)

sinnsprüche erfreuen sich weiterhin großer beliebtheit. besonders ansprechend kommen sie daher, wenn sie in verbindung mit einer mahlzeit gereicht werden. dies zeigt sich bei den glückskeksen, die gern einmal mit einem asiatischen essen ausgegeben werden. nicht identisch, aber vom klang her sehr ähnlich deutet die schreibidee in richtung der asiatischen gastronomie. dieses mal wird vorgeschlagen „glückstexte“ in der schreibgruppe zu verfassen.

zuerst wäre zu klären, was glück überhaupt ist. ein wissenschaftszweig der psychologie und anderer wissenschaften versucht dies schon seit jahren, doch sie scheitern daran, dass jeder mensch unter glück etwas anderes versteht. so ist es an den teilnehmerInnen der schreibgruppe, zu notieren, was für sie glück bedeutet. interessant wird es dadurch, dass gleichzeitig eine zeitliche staffelung vorgenommen wird. es ist zu notieren, was in diesem moment glück bedeutet, an diesem tag, in dieser woche, in diesem monat, jahr und im ganzen leben. unter den verschiedenen glücksvorstellungen ist eines auszuwählen (außer denen für das ganze leben) und ein cluster zu bilden. dann wird von allen teilnehmerInnen ein glückstext verfasst. die texte werden gegenseitig vorgelesen und ein feedback gegeben. anschließend nehmen sich alle ihre glücksvorstellungen für das ganze leben vor. sie notieren in fünf minuten assoziationen, die ihnen dazu einfallen und verfassen einen glückstext für das ganze leben. die texte werden nicht vorgelesen, sondern der glückstext verdichtet zu einem sinnspruch für einen glückskeks. diese sinnsprüche werden gesammelt. und falls die möglichkeit besteht, können nun kekse gebacken werden, in die jeweils ein sinnspruch eingebacken wird. die teilnehmerInnen erhalten jeweils einen keks, die sie mit nach hause nehmen können. wer weiß, ob der sinnspruch nicht im laufe der zeit wirkung zeigt.

kreatives schreiben und kritik

 

kreatives schreiben ist nicht unumstritten. das würde auch verwundern, beinhaltet der gedanke doch, dass jedermann, jedefrau schreiben kann. so finden sich auch in den bereichen der literatur- und schreibwerkstätten kritikerInnen, die der meinung sind, dass kreatives schreiben in volkhochschulkurse gehöre oder in schulklassen, aber keine grundlage guter literatur sein könne. diese diskussion scheint eine sehr deutsche zu sein, denn es gibt in vielen bereichen immer noch die auffassung, dass zu unterscheiden sei zwischen „hochkultur“ und „pop“.

doch dabei wird übersehen, dass in vielen anderen kulturellen bereichen der „pop“ oder die populär-kultur längst anerkannt ist. ebenso wird in anderen ländern nicht in dieser vehemenz der versuch unternommen, kreatives schreiben von literatur zu unterscheiden. Weiterlesen

schnickschnack (48)

der streit zwischen elke heidenreich und dem zdf war nicht mehr zu schlichten. also wurde elke heidenreich entlassen, die sendung „lesen!“ aus dem programm genommen und eine ersatzsendung als „aspekte-extra“ deklariert. kritik am arbeitgeber führt gern zu entlassungen.

doch das internet bietet inzwischen eine alternative. elke heidenreich stellt die sendung „weiterlesen!“ ins web 2.0. zu erreichen ist die sendung 24 stunden am tag und über die neue literatur-plattform aus köln. die plattform heisst „litcolony„, ist zu finden unter http://litcolony.de, bietet diverse kolumnen, veranstaltungskalender, vor allen dingen auch zum literaturfestival in köln und eben in regelmäßigen abständen die sendung von elke heidenreich. die sendung ist zu finden unter: http://litcolony.de/littv .

ein weiteres zeichen dafür, dass sowohl die öffentlich-rechtlichen, als auch die privaten sender alles daran setzen, dass das internet die qualitativ hochwertigere alternative zu ihren eigenen programmen wird. dann könnte man in zukunft aus der ard zumindest einen ausschließlichen sportkanal machen, wenn sowieso schon extrem viele gez-gebühren für die bundesliga und olympia verbraten werden. und die, die es nicht schauen, müssen auch keine gebühren mehr zahlen.

web 2.24 – leben mit borderline

das internet bietet vielen interessen und gedanken raum. aber es bietet vor allen dingen auch menschen raum, die probleme und schwierigkeiten haben. so bilden sich zu den verschiedensten krankheiten selbsthilfe-foren und informationsseiten. diese foren können hilfreich sein bei der bewältigung der eigenen situation.

weiterhin schwer tun sich die deutschen bürger, ärzte und krankenkassen mit psychischen schwierigkeiten und erkrankungen. in der vorstellung vieler sind psychische krankheiten gekoppelt an ein selbstverschulden und bedürfen zur behandlung eines gewissen maßes an selbstverantwortung. soll heißen, die betroffenen müssen sich nur ein wenig zusammreißen und sich anstrengen, dann wird es ihnen auch besser gehen. selbst in den foren vieler betroffener wird dies von betroffenen eingefordert oder es wird eine tabuzone um bestimmte krankheitsverläufe gebaut. das ist nicht immer so, aber kommt ab und zu vor und konterkariert die selbsthilfe.

eine heute oft gestellte diagnose psychischer erkrankung ist die „borderline“-störung. gleichzeitig ist diese störung schwer nachvollziehbar für andere menschen. seit anfang dieses monats bloggt ein betroffener mensch über seine verfassung als „borderliner“. so zwiespältig es sich anfühlt, einen so tiefen einblick in die verfassung eines menschen mit einer psychischen störung zu bekommen, so aufklärend kann der besuch dieser seiten sein. denn hier wird schonungslos berichtet, teilweise logbuch-artig, was in einem menschen vorgeht, der diese diagnose erhalten hat. wer dann immer noch der meinung ist, dass es sich bei „borderline“ um keine krankheit und schwer behandelbare störung handelt, sondern mensch sich nur zusammenreißen muss und dann ist die schwierigkeit zu lösen, hat nicht richtig gelesen. zu finden ist der blog unter: http://lebenmitborderline.wordpress.com/

web 2.0 und gafferei

 

man kennt das: ein unfall ist auf der autobahn passiert und auf der gegenseite staut es, da die vorbeifahrenden autos langsamer fahren, um einen blick auf das unglück anderer zu erhaschen. ebenso kam es oft genug vor, dass menschen etwas passierte und kein mensch kümmerte sich darum. leider verstärkt die halbanonymität des internet diese menschlichen reaktionen.

vor etlichen tagen brachte sich in den usa ein junger mensch mit bipolarer störung (auch als „manisch-depressiv“ bekannt) vor seiner webcam um und die internet-community, in diesem zusammenhang eher schülerInnen, schauten zu, feuerten ihn sogar an, da sie ihm nicht glaubten. sicherlich spielte dabei eine rolle, dass er seinen suizid schon häufiger angekündigt hatte und viele ihm nicht mehr glaubten.

und doch vereinfacht die virtualität, soll heißen, der nicht vollständig reale charakter einer übertragung auf einen bildschirm, eine innere distanz zum geschehen herzustellen. wären die gleichen schülerInnen neben ihm gestanden, während er seine tabletten nahm und sich aufs bett legte, hätten sie ihm sicherlich nicht gesagt, er solle das jetzt endlich zu ende bringen. Weiterlesen

schreibwerkstatt mit tanja kinkel

manches im internet läuft einem ein wenig zu spät über den weg, um es rechtzeitig ankündigen zu können. die schriftstellerin historischer romane, tanja kinkel, bietet eine schreibwerkstatt an, in der sie in zwei-wochen-abständen schreibaufgaben stellt. die aufgaben orientieren sich teilweise an ihrem neuen roman „säulen der ewigkeit„. unter den beteiligten werden zwei preise ausgelobt. diese werden zum ende des projekts an die schreiberInnen mit den besten bewertungen für ihre texte vergeben.

zum einen kann man in die schreibwerkstatt noch einsteigen, sollte den inhalt des buches aber ein wenig kennen. zum anderen lohnt sich generell ein blick in die texte der beteiligten. aber es lohnt sich ein blick auf die seite auch unter ganz anderen gesichtspunkten.

dieser blog hier stellt ja vor allen dingen auch überlegungen an, wieweit das web 2.0 für kreatives schreiben genutzt werden kann. die seite von tanja kinkel zeigt die schwierigkeiten der durchführung von offenen schreibwerkstätten im internet. inzwischen drehen sich viele diskussionen in den foren, um den richtigen tonfall und die angemessene bewertung anderer texte. diese diskussion scheint kaum kontrolliert werden zu können. klassische gruppendynamische prozesse laufen hier teils anonym und im internet ab. das erschwert die reaktion der betreiberInnen der seite und zieht alle anderen, die nur schreiben wollen, in mitleidenschaft.

vor allen dingen auch beim feedback geben, gehen anscheinend die meinungen auseinander. vielen schreibenden fällt es schwer, auf ein feedback nicht noch einmal zu reagieren und ihren text zu rechtfertigen. ebenso schwer fällt es manchen, beim feedback nicht in deutungen der anderen person zu verfallen. diese schwierigkeiten online zu klären erscheint beim betrachten der seite komplizierter als bei realen schreibwerkstätten.

die idee der schreibwerkstatt zu einem aktuellen buch ist eine tolle. jetzt stellt sich nur die frage, ob der dazu stattfindende wettbewerb die auseinandersetzungen nicht befördert. zu finden ist die werkstatt hier: http://www.schreibwerkstatt-tanja-kinkel.de/

schreibpädagogik und abgrenzung

die anleitung von schreibgruppen bringt die leiterInnen in eine zwickmühle, die schwer zu überbrücken ist. denn man verlässt während der anleitung kurz die rolle der leiterin, des leiters, wenn man bei den schreibaufgaben mitswchreibt. nicht mitzuschreiben erscheint aber nicht als alternative, da eine beteiligung signalisiert, dass man an etwas gemeinsam arbeitet.
in dem moment, in dem man sich genauso, wie alle teilnehmerInnen einer schreibgruppe durch eigene texte preis gibt, deren ziel es ebenso, wie bei allen schreibprozessen, sein sollte, dem inneren zensor nicht zu viel raum einzuräumen, verlässt man die leitende position. und doch ist es danach wieder die aufgabe, die veranstaltung zu strukturieren, teilweise texte zu bewerten oder auseinandersetzungen zu schlichten. diese wechselnden prozesse werden immer eine gratwanderung sein. Weiterlesen

schreibidee (73)

wie hier schon häufiger erwähnt ist es draußen kälter geworden. wahrscheinlich erwähne ich dies deshalb so häufig, da ich dieses jahr die erfindung der jahreszeiten doof finde. nun denn, bei der kälte jedenfalls lässt es sich schwer mit schreibgruppen draußen schreiben, die finger werden schnell klamm. also ist zu überlegen, welche orte aufgesucht werden können, um außergewöhnliche schreibanregungen zu erhalten.

eine möglichkeit besteht darin, gemeinsam „wellness-texte“ zu verfassen. dazu müsste die schreibgruppe bereit sein, in eine wellness-einrichtung zu gehen. so könnte man gemeinsam eine sauna besuchen, anschließend eine massage bekommen und vielleicht noch in ein thermalbad oder einen whirlpool gehen. während dieser diversen anwendungen wird oft nicht so viel gesprochen, sondern der einwirkungen der äußeren umstände auf den körper raum gegeben. sinnvoll kann es sein, die in diesem zeitraum aufkommenden gedanken zu notieren. um dann gemeinsam im ruheraum texte zu den gedanken und assoziationen zu verfassen. denn es wird schwierig, während man schwitzt oder massiert wird, texte zu notieren.

die teilnehmerInnen der schreibgruppe können sich zum beispiel zum schluss in einem whirlpool treffen und sich gegenseitig ihre texte vorstellen und ein feedback geben. da wellness-anwendungen auch immer einen meditativen aspekt haben, ist es wahrscheinlich, dass persönliche texte, die sich teilweise mit dem körperempfinden auseinandersetzen, entstehen. und neben dem schreiben tut man sich auch noch etwas gutes. 😮

biografisches schreiben und essen

der zusammenhang zwischen der eigenen lebensgeschichte und der ernährung erscheint erst einmal seltsam. was haben die eigenen speise-vorlieben in einer biografie zu suchen?

sie bilden zum einen die eigenen möglichkeiten der versorgung ab. beinahe alle menschen, die kriegszeiten miterlebt haben, erzählen im nachhinein geschichten, welche anstrengungen zur eigenen versorgung, vor allen dingen nach dem krieg, unternommen werden mussten, um sich ernähren zu können. plötzlich tritt ein vitales bedürfnis in den vordergrund, das in unseren gesellschaften als gesichert gilt. ebenso geht es menschen, die von hartz vier oder anderen staatlichen unterstützungen leben müssen. am ende des monats fehlt das geld für eine angemessene ernährung. der mangel wird bestimmend für das eigene leben.

ebenso kann der überfluss eine immer größere rolle spielen, wenn sich in bestimmten gesellschaftlichen kreisen, die freizeit nur noch um die gestaltung der angemessenen einladung mit auf hohem niveau selbstgekochtem dreht und die abendunterhaltung sich vor allen dingen um die bezugsquellen bestimmter zutaten dreht. aber auch von bekannten persönlichkeiten interessieren die gerichte, die sie gern gegessen haben. so wissen wir von helmut kohls saumagen von gerhard schröders currywurst und in berlin wird im brechtkeller gekocht, was helene weigel auf den tisch brachte.

das essen ist meist ein abbild unserer lebenssituation und nicht zu unterschätzen beim blick auf unsere eigene lebensgeschichte. meist stellt es nur eine zierde des verfassten dar, rundet aber das bild der lebensumstände ab. außerdem spielt es eine wesentliche rolle beim aufbau sozialer kontakte, die sich im laufe des eigenen lebens ergeben. da kann es hilfreich sein, zu notieren, welches gericht das liebste war, wozu gäste eingeladen wurden oder wie traditionell weihnachten in der familie verbracht wurde. oder man notiert abseits der biografie noch in ein büchlein die rezepte, die in der familie weitergegeben wurden. denn etliches der überlieferten zubereitungen findet sich in keinem kochbuch.

kreatives schreiben und geschenke

wie jedes jahr kommt die zeit des schenkens ganz unerwartet und so schnell auf uns zu. und wenn man dann neben all den weihnachtsessen und jahresabschlusssitzungen endlich zum einkaufen kommt, dann kommen alle gerade zum einkaufen und quälen sich durch die geschäfte. der stressfaktor bis zu den jahresendzeitfeierlichkeiten steigert so sehr, dass die feierlichkeiten selbst gern zur nervenprobe werden.

hier bietet das kreative schreiben eine wunderbare alternative. wer in regelmäßigen abständen kreativ schreibt, erhält im laufe der zeit eine wunderbare sammlung an texten, die einzig den jeweiligen schreibgruppen, an denen man teilgenommen hat, bekannt sind. aus diesem pool kürzerer und längerer texte lässt sich wunderbar schöpfen.

eine weitere hilfe beim geschenk zusammenstellen ist der computer. dieser ermöglicht es uns, je nach person, einen individuellen strauss an texten zu schnüren. gesteigert wird dies noch durch die möglichkeiten des umfassenden layouts, das auch individuell gestaltet werden kann. wer keinen guten drucker sein eigen nennen kann, kann seine prächtigen kleinen büchlein oder hefte in jedem copyshop ausdrucken und anschließend binden lassen. so erfolgen zur weihnachtszeit die ersten veröffentlichungen im selbstverlag.

noch einfacher mit dem schenken gestaltet es sich, wenn man schon sein erstes buch veröffentlicht hat. geschenkpapier drumherum und allen unter den weihnachtsbaum gelegt. vielen erscheint  so ein geschenk von kreativ selbgeschriebenen texten unangenehm, doch wie früher schon mutti sagte, freuen sich gute freundInnen oft mehr über etwas persönliche gestaltetes und selbstproduziertes, denn über gekauftes. es fehlt nur die traute, dies umzusetzen. und sollten noch ein paar texte fehlen, kann man die dunklen tage nutzen, noch so manches zu verfassen.

buchgeburt.de – ein blogtipp

im web tummeln sich eine menge hobbyschriftstellerInnen. das internet ist eine der wunderbaren möglichkeiten, erste leserInnen für die eigenen texte zu finden. aber es ist auch eine gute möglichkeit, den eigenen prozess zum eigenen buch offenzulegen. einer dieser autoren bloggt aus schweden auf http://buchgeburt.de und trägt zusammen, was alles notwendig und hinderlich sein kann, ein buch zu veröffentlichen.

allen, die vor der gleichen frage stehen, kann dieser blog eine kleine hilfe sein oder zumindest ein trost, dass sie nicht allein mit ihren schwierigkeiten der veröffentlichung sind. daneben gibt es noch bilder aus dem verschneiten stockholm 😉 . und zum beispiel einen interessanten link zu infos auf ard.de, wie ein drehbuch zu verfassen ist. der beitrag ist zu finden unter: http://buchgeburt.de/2008/11/20/rettet-die-katze/ .

die ard wiederum verweist auf eine seite des bayerischen rundfunks, die auch noch einmal einen überblick über das schreiben eines drehbuchs gibt. zu finden hier: http://www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/kino-kino/drehbuch-DID1222363283215/index.xml .

und wenn dann alle hürden genommen wurden, der blog von martin wird es berichten, kann man eventuell demnächst das ergebnis im bücherregal finden.

web 2.0 und europa

groß angekündigt wurde sie, die neue kulturdatenbank der eu. sie sollte kunstschätze, literatur, biobliotheken, fotografien, zeitdokumente, archive und vieles mehr aus den eu-ländern bündeln und im laufe der zeit ein riesiges archiv der europäischen kultur werden. letzte woche war es dann soweit, die datenbank ging und online. und verschwand auch gleich wieder. der server war überlastet und schaffte die anfragen nicht (anscheinend 10 millionen in einer stunde).

nun, da hat jemand mal wieder die bürger unterschätzt. aber eigentlich hätte das klar sein müssen, wenn man sich anschaut, was an kulturellem inzwischen alles im netz präsentiert wird, wieviele blogs sich mit kulturellen themen beschäftigen und wie groß der kunstausstellungstourismus in europa ist. dazu kommen dann noch journalisten und neugierige ebenso wie menschen, die recherchieren wollen. nun, der andrang brachte das ding zum abstürzen.

jetzt bekommt man, wenn man http://www.europeana.eu aufruft den hinweis, dass sich die veröffentlichung der datenbank in den dezember verzögert und daran gearbeitet wird, ein stabileres system aufzubauen. wie machen das nur andere? wir schaffen zwar einen teilchenbeschleuniger, der den urknall mit hilfe eines rechnerverbundes über die ganze welt verstreut simulieren soll. aber wir schaffen es nicht eine kulturdatenbank angemessen auf die beine zu stellen. wenn man sich anschaut, wie wenig geld für diese datenbank zur verfügung gestellt wird, wird einem die geringe wertschätzung der kultur in politischen kreisen wieder bewusst.

und die europagegner ruft dieser absturz sofort auf den plan, da sie das dilemma auf diversen kommentarseiten an der eu-bürokratie festmachen. wie wäre es damit, wenn man schon nationalistisch denkt, sich an die eigene nase zu fassen. deutschland steuert bis jetzt extrem wenig zu dieser datenbank bei und schafft es bis heute auch nicht, bundesweit eine übergreifende bibliothekendatenbank auf die beine zu stellen. peinlich, peinlich, vielleicht hilft ein bisschen weniger geschrei und viel mehr geld. dann kann auch wissen von allen genutzt werden und das große interesse gefeiert werden ❗

schreibaufgabe (17) – ergebnis

anstalt

 

soll´s geordnet sein, geregelt

widrigkeiten ausgepegelt,

lassen wir´s verwalten

mit hilfe von anstalten.

 

so wundert es den bürger nicht,

dass dieser tage,

der börsenkurs wurd´ grad zur plage,

´ne neue anstalt kommt ans licht.

 

das geld und die finanz,

sie gaben einen totentanz

und schien´ von tag zu tag labiler

gefolgt vom ruf: macht es stabiler!

 

die banken riefen: uns geht´s gut,

auch wenn der kurs nach unten stürzte,

die gewinnmargen erheblich kürzte,

nur den immobilien fehlt der mut.

 

jedoch, es fehlte das vertrauen,

in die worte dieser grauen

herren mit den großen boni

und schreibtischen aus mahagoni.

 

inzwischen war´n miliarden verzockt,

manches haus stand vor der pleite,

kunden suchten schon das weite,

aber es wurde jeder weitere kredit geblockt.

 

denn es ging um psychologie.

auch wenn sie alle riefen: nie!!

futsch war das vertrauen,

alle über´s ohr gehauen.

 

wer nun glaubte, es wird besser,

denn die vollständige deutsche staatgewalt

schuf die finanzmarktstabilisierungsanstalt,

glaubt auch an menschenfresser.

 

´ne halbe billion geschenkt,

kfz-steuern gesenkt,

die renten vergeigt,

keiner wurde angezeigt.

 

das system, das rattert weiter,

konsum, meint ein siemens-boss, sei „normal“,

co zwei und klimawandel erscheinen egal,

wo bleibt hier nur der anstaltsleiter?

 

(christof)

schreibidee (72)

je früher es dunkel wird, und zur zeit wird es schon wieder sehr früh dunkel, desto leichter lässt sich ein zustand simulieren, der eine andere interessante welt zu tage fördert. die nacht. die idee besteht darin, dass eine schreibgruppe die eingefahrenen zeitschemata verlässt und sich spät am tage zum schreiben von „nachttexten“ trifft. gerade großstädte, wie zum beispiel berlin bieten sich an, ein leben zu erkunden, dass tagsüber nicht existiert. zum beispiel eine fahrt mit einem nachtbus bietet in einer halben stunde so viele schreibanregungen zu den fahrgästen, wie sonst nicht. allein die mischung und unterschiedlichkeit der personen wird meist tagsüber nicht erreicht.

besonders interessant erscheinen auch die unterschiedlichen stimmungen, die bei menschen in der nacht hervorgerufen werden. es hat sicherlich etwas damit zu tun, dass man „privater“ sein darf und viele nicht den regeln des arbeitslebens unterworfen sind. so bietet sich als erstes eine exkursion mit der schreibgruppe an, um dann an den üblichen schreibort zurückzukehren und die gesammelten eindrücke zu papier zu bringen. findet eine schreibgruppe nicht in einer größeren stadt statt, kann alternativ ein nachtspaziergang in der natur unternommen werden. auch die landschaften zeigen in der dunkelheit ein sehr verändertes gesicht mit ungewohnten geräuschen.

sind die nachtgeschichten verfasst und wurden sie gegenseitig vorgetragen, ein feedback gegeben, werden viele teilnehmerInnen inzwischen eine gehörige bettschwere erreicht haben. zum abschluss können in der schreibgruppe von den teilnehmerInnen in einer halben stunde noch „gute-nacht-geschichten“ verfasst werden. diese werden zum abschluss noch vorgelesen, bevor die schreibgruppe auseinandergeht, um endlich zu schlafen 😐

wieviele neue posts sind angenehm?

geneigte leserinnen, geneigte leser dieses blogs,

da mir mehrfach berichtet wurde, dieser blog wachse zu schnell und es gebe zu viele neue posts, frage ich jetzt zurück: wo liegt die angenehme mitte? wieviele posts sollten es sein, um dem blog regelmäßig folgen zu können? ihr dürft abstimmen und ich werde dann versuchen, mich daran zu halten. also, keine scheu und einfach geklickt. keine sorge, ob des klicks, es wird anschließend keine waschmaschine zugesandt 😮

danke für die teilnahme,

christof

schreibaufgabe (17)

nun, auf zur nächsten aufgabe. dieses mal ist moderne lyrik zu aktuellen ereignissen gewünscht. basis des von euch zu verfassenden gedichts soll abermals die „finanzmarktstabilisierungsanstalt“ sein. ist sie doch zur zeit teil eines noch nicht beendeten kapitels. und das wortungetüm bietet sich für das reimen und dichten geradezu an. ob ihr reimt oder nicht, ist natürlich euch überlassen.

warum es hier so „viele“ posts gibt

des öfteren wurde mir geschrieben oder gesagt, das sei einfach zu viel, was ich hier veröffentliche, das könne man gar nicht alles lesen. zu beginn des bloggens hatte ich mir ein limit gesetzt, um im rahmen meines studienabschlusses möglichst genug erfahrungen zu sammeln und ein fazit zum bloggen ziehen zu können. das ist nun seit einiger zeit erledigt und ich wollte die zahl der posts reduzieren. ein wenig ist dies geglückt.

doch gleichzeitig machte ich die erfahrung, dass, einmal angefangen sich in bestimmte thematiken zu vertiefen, einem ständig neue, interessante informationen über den weg laufen. sie reizen mich, sie öffentlich zu machen. eigentlich gibt es noch viel mehr. erst versuchte ich sie zu notieren und zu einem späteren zeitpunkt zu veröffentlichen. doch es bildete sich eine halde, die abzutragen, dann auch keinen sinn mehr macht.

inzwischen vertraue ich auf das selektive lesen. soll heißen, nicht jeder mensch findet alles gleich interessant, so kann man etliches auch auslassen. außerdem bietet das taggen und mit kategorien versehen wie auch die suchfunktion eine umfassende möglichkeit der auswahl. und es zeigt sich, dass dies zum beispiel über die suchmaschinen wahrgenommen wird. da der blog dort ganz gut platziert ist, geschieht es immer wieder, dass ältere posts wieder hervorgeholt und gelesen werden. meiner ansicht nach ist dies eine der großen chancen des web 2.0. es kann erst einmal etwas in der versenkung der unübersichtlichkeit verschwinden, aber spezifische interessen sorgen für eine beständige neuauflage. oder anders geschrieben, nichts geht verloren.

ab und zu lassen sich dann die posts unter bestimmten aspekten noch einmal in gesonderten posts zusammenfassen und im laufe der zeit vielleicht auch einmal in eine pdf-datei. ich finde es schmeichelnd, dass menschen ein großes interesse an möglichst vielem in diesem blog haben, hoffe aber, dass das übersehen bestimmter posts nicht zu unangenehm ist. und ich werde mich bemühen, ab und zu etwas weniger zu schreiben. doch das internet ist so schnelllebig, dass schwer zu sagen ist, wann welcher tipp noch weiter verfolgt werden kann. also nichts für ungut und danke für die konstruktive kritik ❗

web 2.23 – „LIFE“-fotografie

so umstritten google ist, manchmal gibt es kooperationen, die einfach toll sind. so hat die „time-verlagsgruppe„, die archive der ehemaligen zeitschrift „life“ geöffnet und die vorhandenen fotografien zur verfügung gestellt.

„life“ wurde vor allen dingen bekannt für seinen reportage-fotografie und band viele berühmte fotografInnen seit anfang des letzten jahrhunderts an sich. jetzt steht all dies mit einer gesonderten suchfunktion zur verfügung.

an viele bilder mag man sich erinnern, da sie in anderen zusammenhängen auch in deutschland abgedruckt wurden und im gedächtnis hängen blieben. dazu kommt aber auch eine großzahl bis jetzt unveröffentlichter fotos. doch gerade im zusammenhang mit biografischem schreiben kann dieses archiv manche erinnerungen wachrufen. ansonsten lässt sich in hervorragender fotografie schwelgen. ein angebot, das einfach spaß macht und zeitgeschichte abbildet.

zu finden ist dies alles unter: http://images.google.com/hosted/life . achtung! die suchbegriffe müssen in englischer sprache eingegeben werden und zwar in das suchfenster auf der rechten seite der homepage.

wortklauberei (15)

„rauschtrinken“

wenn bürokratInnen sich dem alltag zuwenden, dann wird die sprache verändert. im zusammenhang mit dem letzten bericht der drogenbeauftragten der bundesrepublik deutschland kam der begriff des „exzessiven rauschtrinkens“ auf. im alltag würde jeder mensch dazu „saufen“ sagen, doch dies ist manchen anscheinend zu vulgär, obwohl die deutsche sprache damit genau das meinte, was hier umschrieben wird. skurril an dem begriff rauschtrinken ist die vorwegnahme des ergebnisses. so, wie man dann auch von „dickessen“, „intravenöses rauschspritzen“ oder „unfallfahren“ für rasen auf der autobahn  sprechen könnte.

oder anders betrachtet, einen rausch kann man nicht trinken. man kann ihn sich höchstens ertrinken oder durch getränke hervorrufen. das wäre sonst, wie einen orgasmus sexen oder eine sattheit essen. generell stellt sich die frage, weshalb sprachlich eine seltsame distanz zu den ereignissen hergestellt wird. mit großer wahrscheinlichkeit, damit es leichter verurteilt werden kann.

abseits der sprache ergibt sich dann jedoch eine weitere schwierigkeit. die betonung, dass das rauschtrinken bei jugendlichen zunimmt und dies zu verhindern sei, steht im widerspruch zu dem regelmäßigen rauschtrinken erwachsener, zum beispiel in den zelten des oktoberfestes. hier überträgt aber das fernsehen den start der festlichkeiten live. es ist schwer zu verstehen, weshalb erwachsene den rausch leben dürfen, jugendliche aber nicht. gesundheitsschädlich ist beides. doch die betrachtungsweise zeigt, wie unbeholfen bei uns immer noch der umgang mit drogen behandelt wird. vollständig abschaffen wird man sie nicht können, wie die prohibition zeigte, also wäre es sinnvoll einen genußvollen umgang abseits des komasaufens zu propagieren. doch dann steht das wort „rauschtrinken“ im weg.