Tagesarchiv: 6. November 2008

web 2.0 und us-wahl

die präsidentenwahl in den usa wurde zu großen teilen von den jüngeren generationen entschieden und führte zu einem wechsel, den wenig für möglich hielten. großen einfluss auf die entscheidung hatte die tatsache, dass es viele jüngere menschen für notwendig befanden, zum wählen zu gehen, sich also registrieren zu lassen.

in diesem zusammenhang ist nicht zu unterschätzen, wieweit sich heutzutage junge menschen im internet informieren. und so schalteten bekannte künstlerInnen aus den usa einen werbespot für das wählen auf youtube, der sehr oft abgerufen wurde. aber es fanden auch ausführliche diskussionen über die jeweiligen politischen positionen der beiden präsidentschaftskandidaten statt. das web 2.0 übernahm eine rolle, die sonst dem persönlichen gespräch zur wahl gehört. und es ist damit zu rechnen, dass dieser aspekt eine immer größere rolle spielen wird.

das hat vor- und nachteile. der vorteil besteht darin viele ansichten zu politischen positionen kennenlernen zu können, schriftliche diskurse in aller ausführlichkeit führen zu können. außerdem konnte das sammeln von wahlkampfspenden sehr viel einfacher durchgeführt werden. hier zeigte sich der große vorteil des web 2.0, nämlich die tatsache, dass kleinvieh auch mist macht. barack obama schaffte es durch kleine beträge alle wahlkampfspenden-rekorde zu brechen. ein effekt des internet, der unter dem begriff „long tail“ schon länger bekannt ist.

nachteil bleibt am internet weiterhin die im hintergrund weiterhin existierende virtualität, soll heißen, es ist teilweise schwer zu kontrollieren, wer eigentlich welche nachricht im netz platziert. die verbreitung von gerüchten ist sehr viel schneller möglich. doch es muss eingeschränkt werden, dass der widerspruch zu gerüchten ebenso schnell verbreitet werden kann. ob es nun ein verdienst des web 2.0 ist, die demokratisierung in den usa zu verstärken, lässt sich wahrscheinlich nicht klären, denn ein enormer anziehungspunkt kann auch einfach das auftreten von obama und seinen politischen positionen sein. doch einen wahlkampf ohne internet zu führen kann sich in absehbarer zeit kein politiker mehr leisten.

auf meinen spuren – ein buchtipp

im rahmen des biografischen schreibens werden verschiedene techniken angewendet, um sich seiner eigenen lebensgeschichte anzunähern. das ist aber nichts neues, sondern ein in der psychotherapie oder im rahmen vieler zeitzeugen-projekte schon länger übliche vorgehensweise.

die persönliche lebensgeschichte aufzuschlüsseln kann einem einen überblick über die eigene entwicklung geben und dem entwickeln neuer handlungsmöglichkeiten für zukünftige entscheidungen zuarbeiten. dieses interesse an sich selber ermöglicht es dem einzelnen menschen, sich ein bild von sich zu machen.

das buch „auf meinen spuren – das entdecken der eigenen lebensgeschichte – vorschläge und übungen für pädagogische arbeit und selbsterfahrung“ von herbert gudjons, marianne pieper und birgit wagener bietet eine fülle an praktischen techniken, die allein durchgeführt werden können, um sich seiner lebensgeschichte und seiner selbst bewusst zu werden. leserInnen können für sich entscheiden, welche technik sie für sich sinnvoll und angenehm finden und diese durchführen. aber auch menschen, die in der biografiearbeit tätig sind, bietet das buch viele anregungen. ob reflexionen zur familie, zur eigenen kindheit, zum zeitgeschichtlichen kontext, zum selbstbild oder zum körperbewusstsein, es bietet eine fülle an vorschlägen. auch wenn das mir vorliegende buch nicht ganz frisch ist, die techniken verlieren nicht an wert. schön wenn man so etwas geschenkt bekommt, ansonsten vielleicht im antiquariat nachschauen, es ist erschienen bei rororo im taschenbuch-verlag im november 1986 und hat die ISBN 3-499-18304-8.