biografisches schreiben und auslassungen

 

was ich hier bisher zum biografischen schreiben veröffentlicht habe, erweckt den eindruck, dass das ziel die eigene biografie zu betrachten darin besteht, alles bis in den letzten winkel auszuleuchten und zumindest vor sich selbst offen zu legen. da trügt der schein. mensch würde die welt gar nicht aushalten, wenn er nicht verdrängen könnte und dürfte.

so habe ich als autor meiner lebensgeschichte immer das recht zu entscheiden, welchen fragen und vergangenheiten ich mich annähern möchte und welchen nicht. dies wiederum ist natürlich beeinflusst von meiner tagesform. es ergeben sich ständig neue und andere interessen an der eigenen vergangenheit. und ich treffe die entscheidungen. so sind auch die posts in diesem blog, einzig als möglichkeiten und anregungen zu verstehen, seine eigene lebensgeschichte zu betrachten. was betrachtet und was weggelassen wird, liegt im auge der betrachterInnen und ist nicht von außen zu beeinflussen.

hier unterscheidet sich das biografische schreiben kaum von der psychotherapie, die es immer den klientInnen überlässt zu thematisieren, was sie beschäftigt. das interesse besteht nicht darin, verdeckte felder offen zu legen und menschen zu entäußern. was nicht bedeutet, dass man bei einer problematik an einen punkt gelangen kann, bei dem es einem schwer fällt, ihn genauer zu betrachten. doch der punkt harrt einer betrachtung, da er ursache des problems sein kann.

ähnlich ist es beim biografischen schreiben. einer der auslöser, weshalb sich das schreiben der eigenen lebensgeschichte in den letzten jahren so verbreitet hat, hat damit zu tun, dass es generationen von menschen gab und gibt, die im alter bemerkten, dass sie traumatisierungen aus den kriegen mit sich rumtragen, die ihnen inzwischen zu schaffen machen. könnten sie weiter gut verdrängt werden, wäre es nicht notwendig sich seiner biografie intensiver zu zu wenden. doch viele stellten fest, dass es erinnerungen gibt, die ihnen zum beispiel den schlaf rauben. es ist kein unbekanntes phänomen, dass eben diese „schlechten“ erinnerungen genau in den momenten zu tage treten, in denen man ein wenig zur ruhe kommt. so verwundert es nicht, dass viele anfangen ihre biografie aufzuarbeiten, wenn sie nicht mehr arbeiten und sich in rente befinden.

aber auch in diesem moment haben sie jederzeit das bestimmungsrecht über die eigenen erinnerungen. es muss nicht alles betrachtet werden, es darf auch eine ganze menge ausgelassen werden. in diesen momenten sollte man sich nie das heft aus der hand nehmen lassen. gerade im ruhestand habe ich das recht, dinge hinter mir zu lassen, die ich nicht allein zu verantworten habe, auch wenn von jüngeren ein großes interesse daran besteht.

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