wortklauberei (15)

„rauschtrinken“

wenn bürokratInnen sich dem alltag zuwenden, dann wird die sprache verändert. im zusammenhang mit dem letzten bericht der drogenbeauftragten der bundesrepublik deutschland kam der begriff des „exzessiven rauschtrinkens“ auf. im alltag würde jeder mensch dazu „saufen“ sagen, doch dies ist manchen anscheinend zu vulgär, obwohl die deutsche sprache damit genau das meinte, was hier umschrieben wird. skurril an dem begriff rauschtrinken ist die vorwegnahme des ergebnisses. so, wie man dann auch von „dickessen“, „intravenöses rauschspritzen“ oder „unfallfahren“ für rasen auf der autobahn  sprechen könnte.

oder anders betrachtet, einen rausch kann man nicht trinken. man kann ihn sich höchstens ertrinken oder durch getränke hervorrufen. das wäre sonst, wie einen orgasmus sexen oder eine sattheit essen. generell stellt sich die frage, weshalb sprachlich eine seltsame distanz zu den ereignissen hergestellt wird. mit großer wahrscheinlichkeit, damit es leichter verurteilt werden kann.

abseits der sprache ergibt sich dann jedoch eine weitere schwierigkeit. die betonung, dass das rauschtrinken bei jugendlichen zunimmt und dies zu verhindern sei, steht im widerspruch zu dem regelmäßigen rauschtrinken erwachsener, zum beispiel in den zelten des oktoberfestes. hier überträgt aber das fernsehen den start der festlichkeiten live. es ist schwer zu verstehen, weshalb erwachsene den rausch leben dürfen, jugendliche aber nicht. gesundheitsschädlich ist beides. doch die betrachtungsweise zeigt, wie unbeholfen bei uns immer noch der umgang mit drogen behandelt wird. vollständig abschaffen wird man sie nicht können, wie die prohibition zeigte, also wäre es sinnvoll einen genußvollen umgang abseits des komasaufens zu propagieren. doch dann steht das wort „rauschtrinken“ im weg.

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