Tagesarchiv: 28. November 2008

web 2.24 – leben mit borderline

das internet bietet vielen interessen und gedanken raum. aber es bietet vor allen dingen auch menschen raum, die probleme und schwierigkeiten haben. so bilden sich zu den verschiedensten krankheiten selbsthilfe-foren und informationsseiten. diese foren können hilfreich sein bei der bewältigung der eigenen situation.

weiterhin schwer tun sich die deutschen bürger, ärzte und krankenkassen mit psychischen schwierigkeiten und erkrankungen. in der vorstellung vieler sind psychische krankheiten gekoppelt an ein selbstverschulden und bedürfen zur behandlung eines gewissen maßes an selbstverantwortung. soll heißen, die betroffenen müssen sich nur ein wenig zusammreißen und sich anstrengen, dann wird es ihnen auch besser gehen. selbst in den foren vieler betroffener wird dies von betroffenen eingefordert oder es wird eine tabuzone um bestimmte krankheitsverläufe gebaut. das ist nicht immer so, aber kommt ab und zu vor und konterkariert die selbsthilfe.

eine heute oft gestellte diagnose psychischer erkrankung ist die „borderline“-störung. gleichzeitig ist diese störung schwer nachvollziehbar für andere menschen. seit anfang dieses monats bloggt ein betroffener mensch über seine verfassung als „borderliner“. so zwiespältig es sich anfühlt, einen so tiefen einblick in die verfassung eines menschen mit einer psychischen störung zu bekommen, so aufklärend kann der besuch dieser seiten sein. denn hier wird schonungslos berichtet, teilweise logbuch-artig, was in einem menschen vorgeht, der diese diagnose erhalten hat. wer dann immer noch der meinung ist, dass es sich bei „borderline“ um keine krankheit und schwer behandelbare störung handelt, sondern mensch sich nur zusammenreißen muss und dann ist die schwierigkeit zu lösen, hat nicht richtig gelesen. zu finden ist der blog unter: http://lebenmitborderline.wordpress.com/

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web 2.0 und gafferei

 

man kennt das: ein unfall ist auf der autobahn passiert und auf der gegenseite staut es, da die vorbeifahrenden autos langsamer fahren, um einen blick auf das unglück anderer zu erhaschen. ebenso kam es oft genug vor, dass menschen etwas passierte und kein mensch kümmerte sich darum. leider verstärkt die halbanonymität des internet diese menschlichen reaktionen.

vor etlichen tagen brachte sich in den usa ein junger mensch mit bipolarer störung (auch als „manisch-depressiv“ bekannt) vor seiner webcam um und die internet-community, in diesem zusammenhang eher schülerInnen, schauten zu, feuerten ihn sogar an, da sie ihm nicht glaubten. sicherlich spielte dabei eine rolle, dass er seinen suizid schon häufiger angekündigt hatte und viele ihm nicht mehr glaubten.

und doch vereinfacht die virtualität, soll heißen, der nicht vollständig reale charakter einer übertragung auf einen bildschirm, eine innere distanz zum geschehen herzustellen. wären die gleichen schülerInnen neben ihm gestanden, während er seine tabletten nahm und sich aufs bett legte, hätten sie ihm sicherlich nicht gesagt, er solle das jetzt endlich zu ende bringen. Weiterlesen