web 2.0 und gafferei

 

man kennt das: ein unfall ist auf der autobahn passiert und auf der gegenseite staut es, da die vorbeifahrenden autos langsamer fahren, um einen blick auf das unglück anderer zu erhaschen. ebenso kam es oft genug vor, dass menschen etwas passierte und kein mensch kümmerte sich darum. leider verstärkt die halbanonymität des internet diese menschlichen reaktionen.

vor etlichen tagen brachte sich in den usa ein junger mensch mit bipolarer störung (auch als „manisch-depressiv“ bekannt) vor seiner webcam um und die internet-community, in diesem zusammenhang eher schülerInnen, schauten zu, feuerten ihn sogar an, da sie ihm nicht glaubten. sicherlich spielte dabei eine rolle, dass er seinen suizid schon häufiger angekündigt hatte und viele ihm nicht mehr glaubten.

und doch vereinfacht die virtualität, soll heißen, der nicht vollständig reale charakter einer übertragung auf einen bildschirm, eine innere distanz zum geschehen herzustellen. wären die gleichen schülerInnen neben ihm gestanden, während er seine tabletten nahm und sich aufs bett legte, hätten sie ihm sicherlich nicht gesagt, er solle das jetzt endlich zu ende bringen. das internet erleichtert eine verächtliche kommunikation hinter einer firewall und einer ip-adresse. dieses problem ist erst einmal schwer aufzulösen. es gibt gegenbewegungen, die zu mehr moral im internet auffordern. doch diese werden meiner ansicht nach nicht dem medium gerecht, da sie eher pädagogisch argumentieren, also die menschen verändern wollen.

wie das autobahn-beispiel aber zeigt, haben sich menschen, aus einer distanz heraus schon immer am elend anderer delektiert. was hilfreicher wäre, wäre genrell die vermittlung eines humanistischem weltbildes. dies bedeutet, dass menschen als menschen einen wert haben. diese vermittlung kann sowohl über das internet stattfinden als auch über die erziehung von kindesbeinen an. es geht in diesem zusammenhang nicht um die vermittlung eines helfersyndroms, sondern um die tatsache, aufzuzeigen, dass jeder mensch in krisen geraten kann, aus denen er allein nicht mehr herausfindet. und wenn er das nach außen signalisiert, dann ist das immer ernst zu nehmen. gleichzeitig kann man ihm aber auch nur die verantwortung für sein eigenes leben zurückgeben und sie nicht für ihn übernehmen, da dies einer entmündigung gleichkäme. aber ich kann hilfsangebote machen und an professionelle stellen vermitteln. aber ich muss wissen wohin und an wen. und darüber kann ich im vorfeld informieren, ob in der schule, im elternhaus oder im internet.

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