Tagesarchiv: 9. Dezember 2008

biografisches schreiben und altern

in unserer gesellschaft ist altern sehr zwiespältig besetzt. zum einen wird die altersweisheit weiterhin geschätzt, wenn auch nicht mehr so hoch, wie früher. auf der anderen seite sorgt die gesellschaft mit ihrem jugendwahn dafür, dass viele erwachsene nicht mehr altern wollen und so lang als irgend möglich, jung zu bleiben.


eine biografie oder lebensgeschichte wird verfasst, wenn meist schon ein paar jahre des eigenen lebens vergangen sind. interessant für die leserInnen kann es sein, wenn menschen aus eigener erfahrung berichten, wie sie mit dem prozess des alterns, der eigentlich ein ganz alltäglicher ist, umgegangen sind und weiterhin umgehen. niemand wird zum beispiel leugnen, dass die erfahrung, dass bestimmte körperliche fähigkeiten nachlassen, für jeden menschen einen umbruch bedeuten. doch welchen umgang hat man damit gefunden?


außerdem stellt sich für manchen oft die frage, ob sie noch einmal gern jung wären. da kann es hilfreich sein, sich zu erinnern, wie anstrengend es sein kann, jugendlicher zu sein. das gefühl von erwachsenen nicht ernst genommen zu werden, die eigene sexualität entdecken und die erschreckenden körperlichen veränderungen. dinge, die im nachhinein gern idealisiert werden.


so kann man in einer biografie neben den erlebten ereignissen eine blick auf die eigene entwicklung werfen, die sich mit dem thema des alterns beschäftigt. natürlich geht dies einher mit anderen entwicklungen zum beispiel in der ausbildung oder im beruf. aber auch der gesonderte blick, die beobachtung des eigenen körpers und der eigenen verhaltensweisen geben einen zusätzlichen aufschluss zur lebensgeschichte. das altern ist immer verbunden mit neuen erkenntnissen und erfahrungen, die wiederum auf die haltung zum eigenen altern wirken, als auch die körperlichen veränderungen rückwirkungen auf die eigenen verhaltensweisen haben. und wie erlebe ich meine umwelt, wenn ich älter werden? wie geht sie mit mir um? es gibt die aussage, dass alte menschen wieder wie kinder werden, obwohl sie ein ganzes leben erfahrungen mit sich herumtragen. vielleicht kann das biografische schreiben eine hilfe sein, sich gegen diese degradierung zu behaupten und darauf zu bestehen als erwachsener behandelt zu werden.

kreatives schreiben und fantasiefiguren

wie schwer es ist figuren für geschichten zu entwickeln, die jenseits der eigenen erfahrungen liegen, kennen alle, die einmal versucht haben, sich in jemanden zu versetzen, der seine abgründe erlebt, die man selber nicht kennt. eine berufsgruppe, die beständig mit dieser frage konfrontiert ist, sind die psychologInnen. sie werden immer wieder mit berichten konfrontiert, die nicht ihrem eigenen erleben entsprechen und sollten doch kontakt zum gegenüber aufbauen.
habe ich also eine vorstellung davon, welche eigenschaften meine fantasiefigur haben soll, dann bleibt mir nur übrig, entweder anleihen in meinem eigenen umfeld oder meinem eigenen erleben zu machen oder in form von recherche zu jemandem kontakt aufzubauen, der dieses erleben kennt. oder ich ziehe literatur zur hilfe, die bestimmte subjektive hintergründe schildert.

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60 jahre „allgemeine erklärung der menschenrechte“

der mensch hat den vorteil gegenüber den tieren, dass er über seine handlungen reflektieren kann. er kann unter berücksichtigung aller umstände eine entscheidung treffen. so trafen am 10ten dezember 1948 die vereinten nationen den entschluss, die „allgemeine erklärung der menschenrechte“ anzunehmen. darin sind ziele formuliert, die für alle bewohner der welt zu gelten haben und von den offiziellen stellen zu kontrollieren sind.

leider wurde dieses ziel bis heute nicht erreicht. und leider ist nicht zu verstehen, weshalb der mensch dies nicht erreicht, kann er doch reflektieren, wie eben erwähnt, was er macht. doch die sachzwänge und nationalen konstrukte dienen immer wieder als argument (oder sollte ich „ausreden“ schreiben), die erklärung nicht zu beachten.

gern berichtet die westliche welt, dass in anderen ländern die menschenrechte mit den füssen getreten würden, leider haben auch viele westlichen nationen das maß der dinge verloren. sicherlich am bekanntesten in den letzten jahren ist der betrieb des gefangenenlagers guantanamo. aber auch die asylgesetzgebung europas und die abschiebungspraxen gegenüber asylbewerberInnen in deutschland stehen im widerspruch zur „allgemeinen erklärung der menschenrechte“.

es grenzt an ein wunder, dass die weltengemeinschaft überhaupt einmal gemeinsam solch eine erklärung verfassen konnte. doch jetzt, immerhin 60 jahre danach, wäre es an der zeit, diese erklärung ernsthaft umzusetzen und sich gebundener an die vorgaben zu fühlen. damit nicht vergessen wird, welche humanen ziele gedacht und benannt werden können, findet sich die erklärung bei wikipedia hier: http://de.wikisource.org/wiki/Allgemeine_Erklärung_der_Menschenrechte .