Tagesarchiv: 15. Dezember 2008

wortklauberei (18)

„kinderleicht-regionen“

es ist schwer, im wahrsten sinne des wortes, sich vorzustellen, was „kinderleicht-regionen“ sein könnten. als erstes kommt man auf die idee, dass es in schulbüchern abschnitte gibt, die als kinderleicht-regionen bezeichnet werden. dann fragt man sich, ob es sich um regionen in deutschland handelt, die in der pisa-studie am besten abgeschlossen haben. nichts dergleichen ist der fall.

also schaut man sich seinen computer an und fragt sich, ob es kleine programme sind, die keine großen computerkenntnisse voraussetzen. oder es könnten die angebote des web 2.0 mit ihrer blog- und bild-verwaltungssoftware sein. doch auch der binäre code hat nichts mit kinderleicht-regionen zu tun.

also einen blick ins impressum der broschüre, die der tv-zeitung eingeheftet war, werfen. herausgeber ist das bundesministerium für ernährung, landwirtschaft und verbraucherschutz. da kommt man auf dumme gedanken, wenn man von den regionen hört. wie wäre es mit gebieten, in denen die meisten essstörungen auftreten, also magersüchtige überdurchschnittlich oft vertreten sind. oder vielleicht die möglichkeit, dass es sich um regionen handelt, in denen es kinderleicht ist, die zutaten von lebensmitteln zu entziffern, die auf den packungen stehen.

naja, und irgendwann kommt man natürlich auf die idee, dass es sich wohl um gegenden handelt, die sich bemühen, übergewichtige kinder zu verhindern (was nicht unbedingt vor essstörungen schützt). hier macht ein ministerium etwas, das eigentlich aufgabe, des gesundheitsministeriums ist. doch das nur am rande, wer diesen titel verbrochen hat, steigerte das ganze nur noch mit dem titel der homepage http://www.besseressenmehrbewegen.de . und diese wortverbrechen nur um dicke und fette kinder regional zu verhindern, ist doch „kinderleicht“ 😳

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schreibidee (78)

das bonsai-bäumchen lebt davon, dass frische triebe immer wieder zurückgeschnitten werden und das übrig bleibende bäumchen gehegt und gepflegt wird. in anlehnung an diese vorgehensweise dient diese schreibidee dem entstehen von „bonsai-texten„.

in der schreibgruppe wird keine schreibanregung gegeben, sondern es wird nur vorgegeben, dass eine geschichte geschrieben werden sollte, die nicht länger als 2 Seiten ist. und es sollte leserlich geschrieben werden. wenn die texte fertig sind, werden sie sich nicht gegenseitig vorgelesen, sondern an nachbarInnen weitergereicht. alle teilnehmerInnen sind nun aufgerufen dem ihnen vorliegenden text drei sätze zu entfernen und einen eigenen hinzuzufügen. der eigene satz muss nicht am ende platziert sein. dann wird der text wieder eins weitergereicht.

je nach zeitlichen möglichkeiten geht es nach dem gleichen prinzip noch drei- bis fünfmal weiter. da dies sonst schnell zur verwirrung führen kann, sollte der text irgendwann zwischendurch noch einmal abgeschrieben werden. nun haben zum einen den text schon eine ganze menge teilnehmerInnen der schreibgruppe in der hand gehabt, soll heißen, die zwischenstufen müssen nicht mehr vorgestellt werden. aber der gestutzte und gepäppelte text am schluss der schreibidee wird vorgestellt und es werden die erfahrungen ausgetauscht, wie es sich anfühlte in fremden texten ganze sätze zu kürzen. diese übung bietet sich regelrecht für das internet an, da es viel leichter ist am computer einen text zu kürzen und sätze hinzuzufügen. hier lassen sich natürlich auch mehr gänge einen bonsai-text zu schreiben, durchführen.