schreibpädagogik und selbstreflexion

 

gerd bräuer, einer der vertreter der schreibpädagogik in deutschland, befürwortet eine ausführliche sowohl schriftliche als auch mündliche selbstreflexion über den eigentlichen schreibprozess. dies erscheint auf den ersten blick zeitaufwendig und anstrengend. das ist es in der anfangsphase bestimmt auch, doch im laufe der zeit zeitigt solch eine vorgehensweise auch erfolge, dadurch, dass die mechanismen des eigenen schreibens und der eigenen blockaden bewusster werden.

so kann im laufe der zeit eine ersparnis an zeit eintreten, da man sich gar nicht mehr in situationen begibt, die zu einer schreibblockade führen. das herangehen an einen text fällt leichter und man hat für sich ein eigenes konzept entwickelt. und doch kann die beständige selbstreflexion enervierend werden. vor allen dingen in den momenten, in denen die lust besteht, einfach „draufloszuschreiben“, wirft einen die reflexion immer wieder auf den eigenen schreibprozess zurück.

auch hier ist, wie in so vielen momenten des kreativen und biografischen schreibens, wahrscheinlich der mittelweg zu wählen. es kann für eine gewisse zeit eine unterstützung sein, sich dazu zu zwingen, das eigene schreiben zu beobachten, zu notieren und zur diskussion zu stellen. gleichzeitig kann es jedoch gut tun, die eigenen regeln kurz beiseite zu legen und der eigenen ungehemmten schreiblust nachzugeben, ohne sie gleich darauf wieder zu reflektieren. pädagogisch gesprochen, kann auch ein solches positives und eventuell erfolgreich absolviertes erlebnis eine motivierende wirkung auf zukünftige schreibprozesse haben. aber auch hier führt einseitigkeit nicht unbedingt zum erfolg. denn immer auf den moment zu warten, dass die schreiblust so groß ist, dass man einfach nur loslegt, kann auch einen blockierenden effekt haben. in diesen momenten macht man das eigene schreiben sehr abhängig von tagesstimmungen, deren maßstab unklar ist. ab wann habe ich „wirklich“ lust, zu schreiben? eine schwer festzustellende situation. der vorteil des reflektierens besteht auch darin, für sich wege zu finden, in jedem moment „schreiben zu können“.

und beide formen des herangehens an den schreibprozess sagen nichts über die qualität der ergebnisse aus. die steht auf einem ganz anderen blatt.

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