Tagesarchiv: 28. Dezember 2008

schreibidee (82)

das schreiben eines persönlichen briefes ist inzwischen in den zeiten der mails für viele menschen etwas besonderes geworden. der mail wird weniger bedeutung geschenkt, da sie technisch daher kommt und meist von viel spam begleitet wird. also bieten schreibgruppen die chance, zurück zu den wurzeln zu kehren, und sich noch einmal dem brief zu widmen.

besonders klärend sind „briefe, die nie abgesendet werden“ und deren inhalt sich dem motto „was ich dir schon immer einmal schreiben wollte aber nie abzusenden wagte“ widmet. hier kommt es zu einer verquickung des biografischen und des kreativen schreibens. so soll als erstes ein sehr persönlicher brief verfasst werden, der wahrscheinlich nie abgesandt wird. die teilnehmerInnen sollten sich dazu ganz in ihre eigene geschichte vertiefen, altem groll oder unerwiderter liebe nachspüren. die briefe werden in der schreibgruppe nicht vorgelesen, sie verbleiben bei den verfasserInnen. die schreibgruppenleitung kann aber umschläge und briefmarken parat halten, falls doch jemand seinen brief in einem anfall von mut absenden möchte.

nach diesen kleinen befreiungsschlägen kann sich dem kreativen part der nie abgesendeten briefe zugewandt werden. die teilnehmerInnen wählen sich eine berühmte persönlichkeit aus, aus deren sich sie einen brief schreibt. das kann zum beispiel der abschiedsbrief von marilyn monroe sein oder ein entschuldigungsbrief von georg w. bush an seine nation. es kann sich dabei um liebesgeständnisse oder das beseitigen von streits handeln. diese briefe werden anschließend in kleingruppen vorgetragen. dabei soll sich das feedback darauf konzentrieren, an welchen stellen den persönlichen anliegen durch stilistische mittel noch mehr nachdruck verliehen werden kann und welche statements weggelassen werden können. anschließend werden die briefe noch einmal in großer runde als wiederentdeckte zeitzeugnisse verlesen. und es ist zu hoffen, dass der gewichtige brief, auch wenn er als elektronische mail daherkommt, nie aussterben wird. doch warum sollte er auch?

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wortklauberei (19)

 

„… dass niemals wieder ein vorstandsvorsitzender der deutschen bank ein renditeziel von 25 prozent vorgibt“

tjaja, das übel der welt liegt in der rendite. und die kirchen prangern die vertreter der banken an, die angeblich das übel in die welt bringen. so wie in obigem zitat der evangelische bischof huber den vorstandschef ackermann der deutschen bank angriff. es werden verbindungen hergestellt zu „götzendiensten“ und „tänzen ums goldene kalb“. und es wird personalisiert.

das ist ja soooo naiv. hätte das mit den 25 prozent geklappt, wäre herr ackermann nicht angegriffen worden. und wer greift die schnäppchenjäger an, die produkte kaufen, die unter wert veräussert werden und auf kosten anderer regionen der welt produziert werden? personalisierung hilft auf keinen fall weiter. alle menschen haben das ding in den sand gesetzt und solange weiter einzelne herausgegriffen werden als verursacher wird sich nichts ändern. es finden einzig auseinandersetzungen auf ersatzschauplätzen statt, doch niemand wagt das eigentliche system der mehrwertschöpfung in frage zu stellen. Weiterlesen