Tagesarchiv: 5. Januar 2009

web 2.26 – fiftyeight

einfach mal wieder was fürs auge, ohne größere bedeutung, nur so zur unterhaltung. gut, wer beruflich damit zu tun hat, für den kann diese seite eher arbeit bedeuten, da er sieht, was die konkurrenz so alles produziert. aber für alle anderen ist es die vorstufe zu dem, was eventuell später im fernsehen oder im kino zu sehen ist.

die rede ist von 3D-animationen, die immer perfekter werden und anscheinend auch im internet immer leichter zu präsentieren sind. die grafikedesignerInnen von „fiftyeight“ haben ganze arbeit geleistet und eine tolle homepage produziert. am anfang erscheint manches ein wenig schwach im schriftzug, doch wenn man mit dem mauszeiger über die seite fährt, lässt sich etliches entdecken. am schönsten aber ist das männlein, das rechts unten so sein unwesen treibt, und zwar im laufe der zeit in den verschiedensten variationen. also, einfach nur anschauen, durchklicken und eine gewisse freude am technischen fortschritt haben.

zu finden ist die seite unter: http://www.fiftyeight.com/ .

Werbeanzeigen

schreibaufgabe (20) – ein weiteres ergebnis

Die Oper

 

Ach nöööh, können wir nicht einmal über das eigentliche reden? Es gäbe so viel zu sagen, aber wir, wir sitzen hier und unterhalten uns über Musikrichtungen. Dabei rutschen wir auf unseren Stühlen hin und her, wie wenn jemand unter uns Herdplatten angeschaltet hätte.

Junge, schau mich an! Wieso schaut er immer weg? Hält er meinen Blick nicht aus oder macht er das generell so? Hör doch auf mit deinen Selbstzweifeln. Du beziehst mal wieder viel zu viel auf Dich. Das hat alles nichts zu bedeuten. Musik ist sein Steckenpferd, also führt ihr nur eine nette Unterhaltung. Der Rest ist Spekulation.

Mal versuchen, das Thema zu wechseln. „Was liest Du denn gern?“

Ach so, nichts. Ach doch, Musikerbiografien. Na, was für eine Überraschung. Klassik ist ja ganz schön, aber ich würde jetzt nicht von Opernaufführung zu Opernaufführung fahren, nur weil Frau XY die Arie in der Oper Z singt. So wird das nichts mit uns. Bin ich wieder zu kritisch? Wahrscheinlich sind meine Ansprüche an einen Kerl viel zu hoch. Ist aber auch nichts neues. Da sollte dann gleich alles stimmen. Huch, er schaut. Es ist ruhig geworden. Hat wohl gemerkt, dass ich in Gedanken versunken bin. Oh, die Frage mag ich nicht. Schnell, schnell, eine Ausrede. Ich kann doch jetzt nicht alles auf den Tisch legen. „Ich denke gerade darüber nach, wann ich die letzte Oper live gesehen habe.“

Jetzt lädt der mich auch noch ein, am Mittwoch mitzukommen. Das halt ich nicht aus. Zwei Stunden neben ihm sitzen und ihn nicht berühren zu dürfen. Aber stell Dir mal vor, ihr kommt zusammen. Am nächsten Morgen zum Frühstück als erstes eine Arie. Das am frühen Morgen, das geht gar nicht. Wieso habe ich es eigentlich schon wieder nicht geschafft, was ich eigentlich denke? Das ist aber auch immer ein Blödsinn. Wird mir schon wieder viel zu anstrengend. Muss das immer so kompliziert sein. Mensch Junge, komm doch mal aus der Hüfte. Ach so, ist er ja schon. Der will mich mit in die Oper nehmen. Und ich, was mach ich wieder daraus? Ein Problem. Also gut, ich geh mit.

Das macht mir Angst, wie der sich freut. Was will er denn? Vielleicht doch das gleiche wie ich. Hilfe, ich bin ein Idiot, holt mich hier raus!!! Was mach ich da nur? Ich gehe in die Oper! Das kann ich keinem erzählen, die erklären mich für verrückt. Ich und in die Oper. Über was sollen wir uns da bloß unterhalten, wenn das jetzt schon so schwierig ist. Doch lieber wieder absagen. Und dann nach der Oper, wie soll es weitergehen, wenn er nicht endlich mal etwas sagt. Hoppla, er sagt noch einmal, dass er sich freut, wenn ich mitkomme. Hab ich da was verpasst? Oh mein Gott, der Blick! Da hör ich doch jede Musik. Ja, gut, ich freu mich auch. Jetzt könnt ich etwas sagen. Aber wieso ich. Immer soll ich den Anfang machen. Moment, wir haben ja schon längst angefangen. Schau mich nicht so an!

 

 

Hilfe, starrt der in meine Richtung. Ich erzähl doch nur was von der Oper. Da kenn ich mich aus. Dann merkt der nicht so, dass ich eigentlich nichts kann, außer über Opern reden. Also erzähl noch ein bisschen. Die Musik ist aber auch schön. Ich merk, ich komm langsam in Fahrt. Anscheinend interessiert er sich wirklich dafür. Toll. Achtung, Du freust Dich zu sehr. Jetzt bemerkt er bestimmt, dass Du gerade rot im Gesicht wirst. Schnell wegschauen. Da hinten, immer das Plakat an der Wand anschauen. Kannst ja trotzdem weiterreden.

Achtung, Fangfrage! Ja, ich bin ein durch und durch langweiliger Mensch. Nein, ich lese fast nichts. Ach, doch vor ein paar Wochen hab ich die neue Biografie über Mozart gelesen. Erzähl es schnell, sonst hält er Dich für total unterbelichtet. So richtig begeistert schaut er nicht. Vorher war der Blick interessierter. Irgendwie komm ich mir hier vor, wie bei Frau Plischke, meiner Deutschlehrerin von damals. Die hatte auch immer so einen durchdringenden Blick. Was gäbe ich darum, zu wissen, was er denkt. Der hält mich jetzt bestimmt für total bekloppt. Jetzt frag ich ihn einfach. Ach so, ich dachte schon, er denkt über mich nach. Aber die Oper interessiert ihn wohl doch. Zumindest war er schon einmal in einer Aufführung. Das kommt ja in unserem Alter nicht so häufig vor. Toll. Ach Mensch, am Mittwoch läuft doch die tolle Aufführung. Vielleicht hat er ja Lust mitzukommen? Ich frag mal. Wow, tatsächlich, er geht mit. Wie lange hab ich nach jemandem gesucht, der sich für das Gleiche, wie ich interessiert. Mensch toll. Ich hab mich nicht getäuscht, als ich ihn das erste Mal sah. Ich hab gleich gespürt, dass da was ist, was mir gefällt.

Hab ich ihn jetzt mit meiner Freude erschreckt? Aber ich freu mich wirklich. Werd gleich morgen versuchen die besten Plätze zu bekommen. Hätte nie gedacht, dass der heutige Abend noch so schön wird. Jetzt guckt er aber ganz schön ängstlich. Ich muss mich ein wenig zurückhalten. Die erschrecken immer so, wenn ich mich wirklich freue. Anscheinend darf man das nicht. Vielleicht interessiert ihn die Oper ja gar nicht? Woher soll ich wissen, ob er es nicht nur mir zuliebe macht. Das will ich aber nicht. Also, sag ich ihm noch einmal, dass ich mich freue. Mal sehen, wie er dann reagiert. Ach doch, irgendwie freut er sich auch. Er wird rot im Gesicht. Süß. Das geht wohl nicht nur mir so. Skurril, dass wir uns die ganze Zeit über Opern unterhalten und dabei über was ganz anderes reden. Davon hab ich immer geträumt. Ein Mann, der bei mir übernachtet und dem ich kurz nach dem Aufwachen volle Pulle meine Lieblingsouvertüre vorspielen kann. Kneif mich doch mal einer. Träum ich oder funkt es da gerade gewaltig zwischen uns. Ein bisschen mehr könnte er schon von sich erzählen, aber das kommt sicher noch. Eigentlich hab ich den ganzen Abend über das geredet, was mich interessiert. Ich weiß gar nicht, was ihn interessiert. Ich würd so gern wissen, was er jetzt denkt.

(Christof, Januar 2009)