schreibpädagogik und freude am schreiben

beinahe alle teilnehmerInnen von schreibgruppen, so sie denn das erste mal an einer solchen teilnehmen, haben irgendwann ein aha-erlebnis. sie entdecken eine bis dahin nicht gekannt freude am schreiben. das hat oft damit zu tun, dass sie in einer schreibgruppe überhaupt ein umfeld gefunden haben, das ähnliche interessen hat. aber auch damit, dass sie erleben, mit welcher leichtigkeit schreiben stattfinden kann. förderlich für dieses erleben ist auch das gemeinsame schreiben, bei dem sich oft eine sehr kreative atmosphäre einstellt.

schwierig wird es für viele, diese außergewöhnliche erfahrung mit nach hause zu nehmen und dort weiter umzusetzen. denn schlagartig ist das umfeld einer schreibgruppe nicht mehr vorhanden. bei manchen teilnehmerInnen stellen sich in diesen momenten schreibblockaden ein. so bleibt ihnen erst einmal nichts anderes übrig, als immer wieder schreibgruppen aufzusuchen, wenn sie das bedürfnis zu schreiben verspüren. das ist natürlich schade und nicht immer möglich.


so sollte die leitung einer schreibgruppe versuchen, neben dem freudigen gemeinsamen schreiben, noch andere möglichkeiten des schreibens für und mit sich selber zu vermitteln. dazu ist es unerlässlich, motivierende techniken des schreibens, also diverse assoziationsübungen und schreibanregungen bekannt zu machen. wichtiger erscheint mir aber, die bedeutung des schreibens für jeden einzelnen zu thematisieren. es ist hilfreich, wenn die teilnehmerInnen sich gedanken darüber machen, was sie denn benötigen, wenn sie zuhause, allein schreiben möchten. oder anders formuliert, wenn es jemand aus der gruppe so thematisieren sollte, was hindert sie daran, zuhause allein für sich zu schreiben?
nicht selten hat dies mit alten, gelernten bewertungen des schreibens zu tun. schreiben wird bei uns oft noch als luxus oder aus der schule bekannte quälerei angesehen. es fällt vielen schwer, diese bewertungen abzulegen und sich als zusätzliche möglichkeit der freizeitgestaltung einfach das schreiben zu wählen. da ist es oft einfacher, den garten umzugraben, laub zu rechen oder das auto zu waschen, als die halbe stunde oder stunde zu finden, einen text, eine geschichte zu verfassen. viele teilnehmerInnen von schreibgruppen klagen, dass sie die zeit nicht finden, sich zum schreiben hinzusetzen. auf nachfrage, für was sie die zeit verwenden, stellt sich heraus, dass von der wertigkeit her, die anderen tätigkeiten maximal gleichberechtigt sind.
bei einer „idealen“ schreibgruppe wird also nicht nur die freude am schreiben entdeckt, sondern es besteht auch die möglichkeit einen weg zu finden, die freude mit nach hause zu nehmen und nicht unterwegs zu verlieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s