Tagesarchiv: 24. Januar 2009

„wer bin ich?“ von rolf dobelli – ein buchtipp

welche prinzipien würden sie für den zehnfachen monatslohn über bord werfen? was ist für sie anstrengender – zum beispiel in einer beziehung: a.) die erzeugung von gefühlen? b.) die unterdrückung von gefühlen?

so und ähnlich sind die fragen, die rolf dobelli in seinem buch „wer bin ich? – 777 indiskrete fragen“ zur verfügung stellt. zugeordnet sind sie kategorien wie „denken“, „fühlen“, „handeln“, „glück“, „liebe“, „sex“ oder „management“ und noch vielen anderen. das buch besteht einzig aus der auflistung der fragen. es gibt ein kurzes vorwort, das darauf verweist, dass der autor sich an den fragebögen, die einst max frisch formulierte orientiert und diese wiederum sich in der tradition des fragebogens von marcel proust und der salons des 19ten jahrhunderts in england befinden.

das buch erhebt keinen weiteren anspruch und der autor hat seine fragen immer in ein büchlein notiert, wenn sie ihm einfielen. beim versuch die fragen für sich zu beantworten, können sich weitere, eigene fragen ergeben, die man sich ebenso notieren kann. vielleicht erfreuen sie einmal freunde und beziehungspartnerInnen bei der selbstbefragung. letztendlich sind es fragen ans leben und an die eigene moral, die nach der beantwortung vielleicht gar nicht mehr so edel daher kommt, wie es nach außen immer scheinen mag. oder was würden sie über bord werfen, wenn das gehalt nur stimmt? wir alle wahrscheinlich eine ganze menge.

einziges manko des büchleins ist es, dass es ausschließlich fragen an heterosexuelle männer enthält. wer nicht in dieses raster passt, und das sind immerhin mindestens fünfzig prozent der bevölkerung, muss für sich manche frage umformulieren. doch was soll´s, man kann sich ja die frage stellen, was notwendig wäre, die eigene geschlechterrolle zu verlassen. nur was ist daran indiskret?

das buch ist bei diogenes taschenbuch 2009 in zürich erschienen. ISBN 978-3-257-23776-4

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biografisches schreiben und selbstbefragung

hier im blog gab es einmal einen buchtipp, der sich mit einem katalog von 300 fragen zur eigenen biografie befasste. (siehe: https://schreibschrift.wordpress.com/2008/06/17/schreibtechnik-13/ ) diese fragen erleichtern es einem eventuell einen zugang zur eigenen lebensgeschichte zu finden. fragen, die selten im alltag gestellt werden, können einen wunderbare hilfe sein, sich seiner bewusst zu werden. doch wo diese fragen finden?

selbst formulieren und selbst beantworten. doch wie die freundInnen von psychotests in manchen zeitschriften wissen, besteht der kitzel darin, dass jemand anderes einem die fragen stellt und diese unerwartet erscheinen. und am schluss gibt es eine auswertung, die einem sagt, ob man ein guter oder ein schlechter mensch ist. dadurch, dass man auf eine auswertung bauen kann und die tests meist sehr durchschaubar sind, kann man sich in einem positiveren licht erscheinen lassen, als dies tatsächlich der fall ist.

für die eigene biografie kann es hilfreich sein, sich zu fragen, wie denn nun die eigene lebenseinstellung ist. nur woher die fragen nehmen? einfach fragen: „wie ist meine lebenseinstellung?“, erscheint zu profan. eine große hilfe könnte in diesem zusammenhang max frisch sein, der in seinen tagebüchern ausgereifte fragebögen zu verschiedenen aspekten des lebens formulierte. in seiner folge formulierte rolf dobelli „777 indiskrete fragen“. im folgenden post werde ich das buch vorstellen. solche fragebögen, die von anderen formuliert wurden, bieten eine wunderbare möglichkeit für sich im eigenen kämmerlein der eigenen haltung näher zu kommen. 

ist man mit allen fragen anderer durch, hat sich im eigenen leben wahrscheinlich schon wieder so viel verändert, dass man wieder von vorn anfangen kann. und doch bietet eine selbstbefragung die chance, schonungslos zu antworten ohne den inneren zensor, der sich bei gesprächen gern einmischt. zwischen blogs werden auch gern fragebögen (hier „stöckchen“ genannt) hin und her geschickt und öffentlich beantwortet. aber wer ist dann schon ehrlich, wenn die ganze welt mitlesen kann? und möchte (sollte) man unbekannten alles von sich preisgeben?