Tagesarchiv: 25. Januar 2009

schreibaufgabe (21) – ein ergebnis

tullern: (verb), ein synonym für „weinen“, zusammengesetzt aus „tränen“ und „kullern“. wird vor allen dingen umgangssprachlich verwendet. so bedeutet „tuller dich nur aus“ eher „kotz dich nur aus“, als „wein dich aus“. das adjektiv „tullerig“ bezeichnet vor allen dingen männer, die der männerrolle widersprechen. früher wurde der begriff „heulsuse“ dafür häufig verwendet, der, da er einen weiblichen namen verwendet, inzwischen verworfen wurde. unter einer „tullergruppe“ versteht die umgangssprache selbsthilfegruppen.

 

leise

tullert er

vor sich hin

da sie ihn verließ

neunzehnhundertfünfundachtzig

 

uschelig: (adj.), uschelig bezeichnet das gegenteil von „wuschelig“. lange gab es nur bezeichnungen wie „glattes haar“, „ordentlich gekämmt“ oder „gescheitelt“. da wildes, krauses, ungekämmtes haar heute wieder als zeichen für jemanden steht, der sein leben nicht im griff hat und sich den gesellschaftlichen anforderungen verweigert, stellt uschelig eine sehr positive bezeichnung für konformes verhalten dar. wogegen „wuschelig“ gleichzusetzen ist mit dem alten adjektiv „schlampig“. deshalb sind „uscheler“ die vertreterInnen des jungen managements im rahmen der gesellschaftlichen ökonomie.

 

da!

eine locke

die unbezähmbar scheint

die schere kappt widerständiges

uschelig

 

(christof, januar 2009)

10 fragen zur selbstbefragung (01)

  1. welches problem würden sie vordringlich als berater/in von obama in angriff nehmen?
  2. nachdem sie eine hühnerfarm besucht haben, essen sie dann noch hähnchenfleisch?
  3. wie wird ihre haltung zur sterbehilfe wohl sein, wenn sie ein schwerer pflegefall auf einer pflegestation sind?
  4. was ärgert sie zur zeit am meisten?
  5. geben sie ihrem ärger ausdruck oder behalten sie ihre stimmung für sich?
  6. mit wem streiten sie am ehesten: partner/in, arbeitskollege/kollegin, menschen auf der strasse oder verwandtsschaft?
  7. welchen traum wollen sie in diesem leben auf alle fälle noch verwirklichen?
  8. was finden sie schöner: ein kunstwerk oder einen hübschen menschen?
  9. würden sie für eine angemessene summe bei „ich bin ein star, holt mich hier raus!“ mitmachen?
  10. wer stand/steht ihnen näher, ihre mutter oder ihr vater? warum?

schreibidee (90)

schreibanregungen können sehr komplex sein oder ein schlichter satz. dieser satz ist die überschrift, zu der eine geschichte oder ein text verfasst werden soll. nun könnten die leiterInnen von schreibgruppen einfach eine überschrift vorgeben und die teilnehmerInnen dazu schreiben lassen. doch um eine beteiligung aller zu ermöglichen und es etwas komplexer zu gestalten, bietet sich „überschriften-lotto“ an.

alle teilnehmerInnen erhalten vier kleine zettel. auf diesen ist jeweils ein nomen, ein verb, ein adjektiv und ein pronomen zu notieren. die zettel werden wieder eingesammelt und je nach worttyp in ein gefäß gegeben. anschließend findet die ziehung des titels statt. die fehlenden artikel werden ergänzt und die schreibanregung steht. nun wird eine zeit vorgegeben, die zum schreiben zur verfügung steht. anschließend werden die texte vorgestellt und ein feedback gegeben.

dieses lotto kann in der folge variiert werden. so werden zum beispiel vier adjektive gezogen, zu denen ein text verfasst werden soll (oder vier nomen). es kann auch keine überschrift, sondern eine frage aus den vier wörtern formuliert werden, die dann mit einer geschichte zu beantworten ist. diese lotterie kann in jede erdenkliche richtung variiert werden.

web 2.28 – zeitzeugenberichte von zwangsarbeiterInnen

deutschland tut sich sehr schwer mit der aufarbeitung seiner vergangenheit. dazu gehörte auch die unsägliche debatte über die entschädigung von zwangsarbeiterInnen. diese diskussion schien nur möglich, da vielen nicht bewusst war, wie mit zwangsarbeiterInnen im dritten reich umgegangen wurde. gut, es gibt auch immer noch menschen, die das verhalten der deutschen angemessen fand, doch darüber brauch man nicht diskutieren.

über 60 jahre später werden endlich berichte von zwangsarbeiterInnen ins netz gestellt. sie sind von arbeitsbereichen der freien universität digitalisiert und erstellt worden, in zusammenarbeit mit dem deutschen historischen museum. so können mehrere hundert berichte betrachtet oder gehört werden. zu finden ist die seite unter: http://www.zwangsarbeit-archiv.de/ .

ärgerlich dabei ist, dass schon in den nutzungsbedingungen der homepage steht, dass die berichte vor allen dingen menschen mit einem forschungs- oder pädagogischen interesse vorbehalten sind. man muss sich vorher einloggen, um die zeitzeugenberichte vollständig zu sehen. das ist nicht nachzuvollziehen. sollte man sich doch heute wünschen, dass die chancen den internet ergriffen werden, um solche zeugnisse der vergangenheit allen zugänglich zu machen. je länger die grausamkeiten vorüber sind, um so dringlicher scheint es, ewiggestrigen etwas entgegenzusetzen. weshalb man in solchen momenten künstliche hürden des zugangs errichtet, ist nicht zu verstehen. welche unrechtmäßigkeit sollte jemand damit begehen? das internet bietet nun einmal die einmalige chance, archive alle zugänglich zu machen. dagegen gibt es eine andere webseite mit zeitzeugenberichten von jungen menschen gemacht, die allen zugänglich ist. siehe älteres post: https://schreibschrift.wordpress.com/2008/06/14/zeitzeugengeschichte-homepage-und-lebensgeschichten/ .