„warum denken traurig macht.“ von george steiner – ein buchtipp

manchmal läuft man am regal der philosophischen und soziologischen bücher vorbei und ein titel macht einen neugierig. dann schaut man sich den klappentext an und stellt fest, es klingt wirklich interessant. irgendwann nimmt man sich die zeit, das buch zu lesen und bemerkt sofort, das ist wahnsinnig spannend und berührt beinahe alle lebensaspekte, die man sich vorstellen kann.

dabei kommt das buch so klein und unscheinbar daher. der autor george steiner bezeichnet seine niedergeschriebenen gedanken auch gleich als „provisorischen versuch“. ein provisorium, das beständig zum denken anregt und somit laut autor traurig macht. der grundgedanke des buchs „warum denken traurig macht. zehn (mögliche) gründe“ ist, dass der mensch sich über sein denken nicht hinausdenken kann und deshalb keine gewissheit haben wird, ob das, was er denkt, nicht schon längst gedacht wurde oder überhaupt das abbildet, was existent ist. einzig eine sache ist sicher, dass beständig gedacht wird und dass man mit dem denken nicht aufhören kann. steiner vergleicht das mit dem atmen. er behauptet, dass man länger die luft anhalten kann als nicht zu denken.

auf ca. 110 seiten werden themen angesprochen wie glaube, gott, realität, phänomenologie, liebe, wissenschaft, kreativität, sprache, kommunikation, subjektivität und noch vieles mehr. man kann das buch nur als dicht bezeichnen. wer sich also in seinem denken verstören und verunsichern lassen will, wer den gedanken erträgt, dass das einzig sichere der tod ist, dem sei dieses buch empfohlen. es kann erfrischend sein, sich verstören zu lassen. mir hat das buch viel spaß gemacht und manche hinweise geliefert. es ist 2008 bei suhrkamp taschenbuch erschienen in frankfurt am main. ISBN 978-3-518-45981-2

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2 Antworten zu “„warum denken traurig macht.“ von george steiner – ein buchtipp

  1. „Den drohenden Tod ständig vor Augen haben.“ aus der Regel des Benedikt.
    „Lebe Dein Sterben“
    „Heute ist der erste Tag vom Rest Deines Lebens“ alles Sprüche die mich lange begleitet haben.
    Aber wichtiger noch ist:
    „Der Tod hat nicht das letzte Wort.“
    Nach dem Tod kommt die Auferstehung und das schon in diesem Leben.

  2. das schöne an dem buch ist, dass es auch die verheissungen, die allem glauben zugrunde liegen, in frage stellt. oder zumindest zeigt es auf, dass auch diese vorstellungen sich nie über die menschlichen denkmuster hinausbewegen können. dadurch werden sie sehr viel irdischer als oft formuliert wird. es geht also nicht darum, den tod als hilfsmittel für „außergewöhnliches“ zu nutzen, sondern, die realität anzuerkennen, dass viele gedanken und jeglicher glaube subjektiv sind, was nicht bedeutet, dass sie nicht gesellschaftlich und historisch beeinflusst seien. so verschwindet die berechtigung vieler verallgemeinerungen, die die menschen formulieren. und es hebelt das machtpotential von verheissungen aus. der schwerpunkt verlagert sich zum intersubjektiven austausch, der die basis sozialer kontakte darstellt.

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