biografisches schreiben und jahrzehnte

 

der mensch klammert zeiträume gern in feste kategorien ein, um dem erlebten eine struktur zu geben. eine beliebte form ist die betrachtung der jahrzehnte. so gab es die 50er, die 60er und 70er Jahre. diese künstliche und konstruierte klammer bietet beim biografischen schreiben auch die möglichkeit einer struktur.

so kann man im rückblick auf sein bisher verbrachtes leben und beim notieren seiner lebensgeschichte, die kategorie der jahrzehnte aufgreifen und eigene erinnerungen drumherum gruppieren. man kann sich dokumentationen oder bücher vornehmen, die einem das leben in der damaligen zeit noch einmal vermitteln, um dann das historische gerüst mit eigenen stimmungen und erlebnissen zu füllen.

bei einem kneipenbesuch vor einiger zeit wurden zum beispiel ausschließlich hits aus den 80ern gespielt. und sofort kam die erinnerung auf, wie fürchterlich dieses jahrzehnt war mit all seinen metallisch klingenden musiken, mit kohl und nachrüstung, mit waldsterben und der verteufelung des intellektuellen. vor kurzem habe ich einen artikel gelesen, der diese erinnerung unterstrich und einen abgesang auf die 80er formulierte. sehr wohl gibt es aber auch menschen, die dieses jahrzehnt sehr schätzten und die sich vor allen dingen an das ende des jahrzehnts mit dem fall der mauer erinnern.

es geht nicht darum, einigkeit in der einschätzung eines zeitabschnitts zu erlangen, sondern für sich selbst eine brücke durch die zehnjahres-klammer zu bauen, um die eigenen erinnerungen in ein raster zu stellen. dieses kann später ohne probleme wieder aufgelöst werden, wenn man mehr ins detail des erlebten geht. oder man orientiert sich nicht an der gesellschaftlichen zeitrechnung, sondern betrachtet sein leben unter dem aspekt der ersten zehn jahre, dann der teenie-zeit und anschließend, wie es als twen war. weshalb gern in 10er-kategorien gezählt wird scheint mir unklar. es könnten ja auch siebenjahresschritte sein, doch jubiläen werden in fünfer- oder zehner-kategorien gezählt. so kann sich die eigene biografie an diesen mustern entlanghangeln und vielleicht einen oberbegriff oder einige beschreibende adjektive für jeden zeitabschnitt finden. daraus entstehen klammern, die das (be)schreiben erleichtern können.

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