kreatives schreiben und melancholische stimmung

 

kreatives schreiben gibt es nie stimmungsfrei. und doch ergibt sich in schreibgruppen das phänomen, dass sich die teilnehmerInnen oft mit heiteren beiträgen übertreffen wollen. selten wird raum für nicht so schöne stimmungen gegeben. sind sie doch in der werteskala eher negativ besetzt und unterhalten die zuhörerInnen nicht so gut.

seltsamerweise sorgen aber genau die melancholischen stimmungen in filmen und in theaterstücken oft für die intensivsten (be)rührungen. Ist ihnen schon einmal aufgefallen, dass tom cruise in beinahe jedem film, den er in den letzten jahren gedreht hat, weint. im gegensatz zu vielen anderen männlichen schauspielern setzt er diese gefühlsregung sehr bewusst ein. abgesehen davon, dass es viele immer noch stärker berührt, wenn ein mann weint, da man dies so selten sieht, werden in diesen szenen die traurigen gefühle der zuschauerInnen angesprochen.

auch in der literatur bieten drama und tragödie sehr gefühlsintensive stimmungen und ausbrüche. beim kreativen schreiben fällt dies schwerer, da viele schreibanregungen eher dem skurrilen und absurden raum geben aber nicht unbedingt den sehr emotionalen momenten. melancholische stimmungen sind in texten auch schwerer herzustellen. die gratwanderung zwischen starken stimmungen und gefühlsduseligkeit ist eine komplizierte. was im biografischen schreiben häufig überhaupt keine schwierigkeiten bereitet, die traurigen momente des lebens aufzugreifen, scheint beim kreativen schreiben schwerer zu sein.

es scheint, wie wenn das schreiben in gruppen, einer der gründe dafür ist. sicherlich kennen viele, den zustand, wenn man für sich allein schreibt, dass es kaum probleme macht, sich in einen melancholischen zustand zu versetzen oder das schreiben genau in den momenten in angriff zu nehmen, wenn man melancholisch ist. doch in der gruppe möchte niemand den anderen die stimmung verhageln, eventuell dafür sorgen, dass eine betretene ruhe eintritt. auch gemeinsam geschriebene texte driften eher ins absurde und komische, denn ins traurige. hier greift anscheinend verstärkt der innere zensor zu. wenn man schon in sozialen zusammenhängen agiert, dann möchte man lieber eine „schöne“, denn eine bedrückte zeit verbringen. hier könnte es ein experiment sein, eine anregend aufwühlende stimmung zu schaffen und den melancholischen ideen raum zu geben. besonders spannend stelle ich mir vor, im nachhinein zu reflektieren, wie diese form des kreativen schreibens auf alle wirkte.

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