Tagesarchiv: 29. Januar 2009

wortklauberei (22)

„always ultra mit secure guard schutzkonturen“

anglizismen sind aus der deutschen sprache nicht mehr wegzudenken. eine tatsache, die mir unproblematisch erscheint. schwieriger wird es, wenn die werbung den menschen nicht zutraut, zu verstehen, was sie da formuliert hat. da werden dann turbo-extra-ultra-infos doppelmoppelig.

doch bevor ich mich der super-super-sicherheit widme, muss ein weiteres phänomen erwähnung finden. die „monatsbinde“ für frauen ist anscheinend in der werbung das feld für innovationen. so war die binde eines der ersten produkte, das über eine nachgestellte szene mit der „blauen ersatzflüssigkeit“, seine funktion unter beweis stellen konnte. anschließend wurde neben den spülmaschinentabs und der farbe „violett“ bei der binde die steigerung „ultra“ gesellschaftlich hoffähig gemacht. warum sich diese gesellschaftlichen entwicklungen vor allen dingen an der monatsbinde abbilden ist ein unerklärliches phänomen.

und nun noch die „secure guards“. secure lässt sich mit „sicher“ übersetzen, guard wiederum mit „schutz“ oder auch „spritzschutz“. der schutz wird für die einsprachigen käuferinnen dann gleich noch einmal wiederholt. so bekommen frauen von always den ultra sicheren schutz-schutz mithilfe von konturen. was um himmels willen ist das. als mann könnte man meinen, es handle sich nicht um eine binde, sondern um eine technische innovation aus der autoproduktion. da männer meist ihren frauen die binden beim einkauf nicht mitbringen, scheint die gefahr relativ gering. ich meinerseits warte darauf, dass demnächst noch die airbag-funktion und ein antiblockiersystem dem hygieneartikel zugefügt werden. „ultra“ ist ab diesem moment auch nicht mehr aufrechtzuerhalten, es ist mit „always mega mit airbag secure guard luftkammer-schutzkonturen“ zu rechnen. wie schlicht kam da noch die „ersatzflüssigkeit“ daher.

web 2.30 – transmediale

berlin ist einmal im jahr treffpunkt der menschen, die sich mit den folgen und möglichkeiten der existierenden medien auseinandersetzen. dabei liegt der schwerpunkt auf diskussionsforen und der künstlerischen umsetzung gesellschaftlicher auseinandersetzungen.

am anfang jeden jahres findet die „transmediale“ statt, die regelmäßig den versuch unternimmt, alle medien zu nutzen und zu bespielen. da wäre es natürlich verwunderlich, wenn es keine eigene homepage gibt. die findet sich unter: http://www.transmediale.de/ . und wie es sich für einen medienkongress gehört, werden beinahe alle register gezogen, die das web 2.0 inzwischen bietet. so können diskussionsforen und veranstaltungen im livestream verfolgt werden, reichhaltige informationen zum programm eingeholt werden und über links weitere details über die teilnehmerInnen erfahren werden. daneben gibt es filme, texte und hinweise auf ausstellungen und performances.

man sollte an der zukunft,sowohl im positiven, wie auch im negativen sinne interessiert  und des englischen mächtig sein, um dem angebot folgen zu können. dann eröffnet sich einem eine vielfältige spielwiese, die sich dieses jahr schwerpunktmäßig dem klimawandel widmet. die „transmediale“ findet noch bis zum wochenende statt.

datenschutz und großbetriebe – ein kommentar

 

gestern machte die meldung die runde, dass die bahn ihre mitarbeiter „flächendeckend“ überprüft und überwacht hat. direkt im anschluss zeigten sich die politischen reflexe der empörung und der verurteilung. es war die rede von generalverdacht, der mit dem datenschutz nicht zu vereinbaren sei. der verkehrsausschuss war entsetzt und will die sachlage weiter prüfen.

es kann sein, dass ich da etwas nicht verstanden habe oder zu dumm bin, um die zusammenhänge richtig zu sehen. es echauffieren sich über das verhalten der bahn oder auch der telekom die politiker der parteien, die vor kurzem ihre bürger unter generalverdacht stellten und die größte datenerfassung aller zeiten angeleiert haben, indem verbindungsdaten „flächendeckend“ zwischenspeichern. sie haben jedem bürger eine umfassende steuernummer gegeben, sie haben den datenschutz jahrelang stiefmütterlich behandelt und sie sitzen in den halbstaatlichen betrieben mit im aufsichtsrat, ja üben sogar eine kontrollfunktion aus.

die eine vorgehensweise soll unserer sicherheit dienen, die andere sei der falsche weg im kampf gegen die korruption. nicht dass ich das verhalten der bahn und der von ihr beauftragten firma irgendwie gutheiße, aber hier ist abermals der maßstab verrutscht. vielleicht sollte sich die politik einmal an die eigene nase fassen, und sich fragen, ob sie nicht mit den eigenen entscheidungen der dreistigkeit der großkonzerne vorschub leistet. man kann diese betrachtung auch noch ausweiten. fällt jemandem eigentlich auf, dass es sich bei den skandalen um finanzen, daten und grundrechte meist um betriebe handelte, die von der politik gehätschelt und umworben wurden.

abgesehen davon zeigt das vorgehen der bahn, aber auch die skandale um kreditkarten- und kundenkartendaten, wie leicht an persönliche informationen heranzukommen ist, wie gut diese miteinander abgeglichen werden können und dass die rasterfahndung inzwischen gesellschaftlicher standard ist. Weiterlesen