Tagesarchiv: 30. Januar 2009

nabelschau (01)

wenn mensch an sich herunterschaut, dann kann er meist (noch) seinen nabel erblicken. einen hauch leichter ist der nabel beim blick in den spiegel zu sehen, aber nur, wenn der spiegel weit genug herunterreicht. so scheint die „nabelschau“ eine selbstbetrachtung zu sein, die sich auf einen punkt am körper konzentriert. sie wird gern mit einem negativen unterton verwendet, der darauf verweisen soll, dass es noch mehr als das eigene gebe.

die „nabelschau“ wird eine neue rubrik in diesem blog werden, der ja ständig den blick nach außen wirft und nun doch auch ein wenig selbstreflexion raum geben möchte. gestartet wurde der blog als selbstversuch, wie bloggen an sich so ist und wie sich die themen schreibpädagogik und kreatives schreiben in einem blog umsetzen lassen. aber je länger man bloggt, umso spannendere aspekte begegnen einem im hintergrund. so blickt die „nabelschau“ in zukunft ein wenig hinter die kulissen, sowohl des blogs als auch der menschen. wo sich das ansiedelt, kann ich noch nicht sagen, irgendwo zwischen psychologie, selbstreflexion und kommentaren, anmerkungen. das wird sich schon entwickeln, wie vieles hier. warum nicht ein bisschen dabei zuschauen. und wenn diese eingeengte weltsicht weniger interessiert, der mag einfach zum nächsten post übergehen. eines kann aber versprochen werden, es wird keine homestorys geben.

und eine frage lässt sich in der „nabelschau“ in absehbarer zeit sicherlich auch nicht klären, wo der nabel der welt liegt, aber vielleicht ist eine annäherung möglich. berlin als ausgangspunkt ist da schon nicht schlecht, wenn auch noch die kleinpöseldorfeligkeit überwiegt. wahrscheinlicher aber ist es, dass die welt ihren nabel gar nicht mehr sieht, bei dem bierbauch und der geschwindigkeit mit der sie sich dreht. also, bremse ziehen und auf den eigenen nabel konzentrieren, eben hier in zukunft. und schon erscheint alles so klein 🙄

„fragebogen“ von max frisch – ein buchtipp

ein kleines büchlein, das schnell gelesen ist, aber weniger schnell beantwortet. ich hatte es schon beim buchtipp zu rolf dobellis buch erwähnt. der suhrkamp verlag hat die elf fragebögen den tagebüchern von max frisch aus den jahren 1966 bis 1971 entnommen und in einem band veröffentlicht. jeder fragebogen umfasst 25 fragen, die sich meist einem schwerpunkt widmen. darunter befinden sich ehe, tod, eigentum, heimat oder auch kinder.

um es klar zu schreiben, die fragen von max frisch sind sehr gewitzt und nicht frei von politischen anwandlungen. sie haben eigentlich einen persönlichen charakter, beziehen aber auch gesellschaftliche fragen mit ein. so ist eine der schönsten fragen in meinen augen folgende: „Kennen Sie ein Land, wo die Reichen nicht in der Minderheit sind, und wie erklären Sie es sich, daß die Mehrheit in solchen Ländern glaubt, sie sei an der Macht?“ (seite 83) nun, welche antwort hat man darauf?

für manche antworten bietet frisch eine ganze palette an antwortmöglichkeiten an, die ein tiefes verständnis des „menschlichen“ und seiner kleinen fehler aufzeigen. oder max frisch lässt einen in die falle der einfachen antwort durch eine nachfrage tappen. so schleicht er sich mit der einfachen frage: „Lieben Sie jemand?“ an, um gleich als nächstes zu fragen: „Und woraus schließen Sie das?“ (seite 9/10).

alles in allem ein großartiges büchlein, das nicht nur der selbstbefragung dienen kann, sondern humorvoll und unbeschwert daher kommt. es macht lust darauf, eigene fragebögen zu entwerfen und andere beantworten zu lassen. wer es nutzen möchte, erhält es im suhrkamp taschenbuchverlag aus frankfurt am main. ISBN 978-3-518-39452-5

500 nutzlose spam-kommentare sind zu entschlüsseln

es gibt jubiläen, die einen nachdenklich stimmen. „akismet“ hat mir vor einem tag gemeldet, dass inzwischen der 500te spam-kommentar abgewehrt wurde. selten ist dem filter einer durchgerutscht, das ist der schöne aspekt dieser meldung. der unangenehme besteht darin, dass es technik gibt, die keine andere aufgabe hat, als schrott zu versenden. meist wird noch nicht einmal für potenzmittel oder armbanduhren geworben. es handelt sich nur um sinnlose buchstaben- und zeichenfolgen.

aus der landwirtschaft kennt man es, dass auch eine ganze menge scheiße produziert wird. doch die kommt auf den misthaufen und kann dann zu dünger verarbeitet werden. spam-kommentare sind nutzlos. es gibt wenig dinge, die ausschließlich nutzlos sind. denn spam-kommentare legen nur noch selten netzwerke lahm oder werden gelesen. sie werden rausgefiltert und entsorgt. weshalb werden sie dann produziert? es muss doch extra rechner für die produktion geben, die jemand installiert und auf denen programme installiert werden, die sinnlose zeichenfolgen produzieren. doch was will uns jemand damit sagen?

postwurfsendungen sind ähnlich lästig, aber sie haben zumindest den zweck, dass jemand doch einmal einen blick hineinwirft und dann auf die heizdecken-ein-tages-busfahrt geht, um den schweinebraten und den ausblick auf die landschaft mitzunehmen. inzwischen hat es dieses werbe-penetranz auch schwer, da auf vielen briefkasten steht, dass man nichts dergleichen darin finden möchte. die zahl des papiermülls reduziert sich also.

doch die spam-kommentare nehmen nicht ab, zumindest nicht bei diesem blog. das verleitet mich zu der spekulation, dass sie doch einen sinn haben, der sich mir noch nicht erschlossen hat. und dann fährt es mir wie ein blitz durch die denkschale, die buchstaben- und zeichenfolgen sind gar nicht sinnlos. ich verstehe die sprache nur nicht. wir alle verstehen die sprache nicht. es sind nachrichten der außerirdischen an uns, so wie wir bespielte cds und dvds ins weltall ballern, so senden sie von ihrem server botschaften an uns. und wir stoppen die interstellare kommunikation durch filter. schickt mir bitte noch mehr spam, vielleicht entschlüssel ich irgendwann den code!!! sudoku ist ein dreck dagegen 😆