Monatsarchiv: Februar 2009

marlies blersch – ein schreibgruppentipp

marlies blersch bietet diverse gruppen und beratungen zu lebensfragen in berlin an. die schreibpädagogin widmet sich auf ihrer homepage ausführlich der frage, für was die aufschlüsselung der eigenen erfahrungen hilfreich sein kann. dabei werden verschiedene möglichkeiten offeriert.

so finden sich diverse schreibgruppen im angebot. angefangen bei biografischem schreiben als rückblick im alter bis zu freizeitgruppen, die sich dem spaß am kreativen schreiben widmen möchten. oder es besteht die möglichkeit, an einem workshop zum wissenschaftlichen schreiben teilzunehmen.

daneben gibt es auch die möglichkeit einzelne termine bei marlies blersch, sowohl zu einer lebensberatung als auch zu einer schreibberatung zu vereinbaren. wen dieses angebot interessiert, der findet ausführliche informationen unter http://www.marlies-blersch.de .

schreibpädagogik und politik

 

kreative hobbys werden von vielen menschen gern als apolitische beschäftigungen angesehen. doch schon die möglichkeit, diesen hobbys nachgehen zu können (oder zu müssen), spiegelt ein gesellschaftliches konzept wieder. teilweise werden kreative tätigkeiten als kontrast zum arbeitsalltag gewählt, der keinen raum für kreativität lässt. somit wird teilweise das wohlbefinden aus der arbeit ausgeklammert. mensch sorgt für seinen eigenen ausgleich, um die existenzsicherung auszuhalten. hier sind wir mitten in der politik. oder die andere seite, es gehört zum guten ton, bestimmten hobbys nachzugehen. selbst in der freizeit bauen sich noch konkurrenzverhältnisse auf. schönstes beispiel hierfür ist zum beispiel „das perfekte dinner“ als wettbewerb zwischen menschen, die gern kochen und gäste haben.

abgesehen davon ist so gut wie kein text frei von persönlichen einflüssen. hinter diesem subjektiven anteil stecken aber lebenseinstellungen und persönliche werte. so spiegeln auch die einzelnen texte gesellschaftliche haltungen wieder, die ohne probleme als politisch betrachtet werden können. darüber wird selten diskutiert, so lang es sich nicht um ein politisches buch oder eine biografie handelt. das kreative schreiben erweckt den eindruck, es käme politikfrei daher. dabei können schon die bedingungen, unter denen texte entstanden sind, reflektiert werden.

bei der anleitung von schreibgruppen kann man oft feststellen, dass dies von den teilnehmerInnen ungern thematisiert wird. Weiterlesen

biografisches schreiben und lücken

man erinnert sich nicht an alles. beim versuch seine eigene lebensgeschichte aufzuschreiben, helfen zwar verschiedene vorgehensweisen, sich immer mehr ereignisse wieder ins gedächtnis zu rufen, doch es wird bei jedem menschen auch eine ganze menge lücken geben, an die man sich nicht mehr genau erinnern kann.

das fängt meist schon damit an, dass menschen sich an sehr verschiedene altersabschnitte in ihrer kindheit erinnern. manch einer kann sich bis ins früheste kindesalter zurückerinnern, manch andere nur an die schulzeit. bei den frühen erinnerungen ist sowieso vieles mit vorsicht zu genießen, da sich gern familienerzählungen mit eigenen erinnerungen vermischen.

auch andere erinnerungen können natürlich nicht mehr ganz der realität entsprechen, da das gehirn zwischenzeitlich gern die lücken, die vorhanden sind, mit fantasie oder erzähltem ausfüllt. anschließend wieder die trennung zu machen, was denn nun tatsächlich geschehen ist und was man sich „einbildet“ ist oft schwer, wenn zum beispiel keine tagebücher oder andere aufzeichnungen vorhanden sind. doch die umgangssprache bietet in diesem zusammenhang die lösung: „mut zur lücke„.

es wird sich mit großer wahrscheinlichkeit keine biografie lückenlos nachvollziehen lassen. es wird auch keine biografie ausschließlich „wahr“ sein. jede geschriebene lebensgeschichte wird auslassungen und zufügungen beinhalten. solang man sich nicht selber dazu antreibt, lügengeschichten wie münchhausen zu schreiben, tut dies dem ganzen werk keinen abbruch. denn das wichtigste ist sicherlich das gesamtbild. zumindest sollte man sich davor hüten, sich selbst dafür zu verurteilen, wenn man sich ob der informationen unsicher ist. das setzt nur unnötig unter druck. es ist eine idealisierung des menschen, zu glauben, man könne jede verdrängung auflösen und sich selber allem bewusst werden. verdrängung bedeutet auch selbstschutz. solang nicht geleugnet wird, zum beispiel in einer diktatur eine unrühmliche rolle eingenommen zu haben, ist alles nur menschlich.

nabelschau (06)

 

du sprichst mit menschen, plötzlich greifen sie in ihre hosentasche, wenden ihren blick von dir ab und schielen auf das display ihres handys, das sie gerade hervorgeholt haben. wenn man sie dann fragt, ob sie verstanden haben, was man gerade gesagt hat, erklären sie, natürlich hätten sie die ganze zeit zugehört. fragt man genauer nach, stellt sich heraus, dass sie nur die hälfte des zuletzt gesagten mitbekommen haben. „aber es war eine ganz wichtige sms, auf die ich schon die ganze zeit gewartet habe.“

du sitzt in einer sitzung, ein handy liegt auf dem tisch. ihr besprecht nicht ganz unwichtige dinge. es klingelt. ein teilnehmer der sitzung geht dran und meint: „du, kannst du noch einmal in einer stunde anrufen, dann bin ich hier fertig.“. kaum weitergemacht, klingelt es schon wieder, gleiche prozedur, gleiches gespräch. das ganze geschieht noch ein drittes mal, inzwischen verdrehen alle anderen teilnehmerInnen der sitzung die augen. die lapidare reaktion ist: „ich erwarte einen dringenden anruf!“, der dann auch irgendwann endlich kommt. die alternative, die festnetznummer des raumes durchzugeben oder beim klingeln des handys den raum zu verlassen, wird nicht in betracht gezogen. man ist wichtig, es ist wichtig.

du sprichst mit einem mitarbeiter. plötzlich ertönt ein metallisches piep-klingel-geräusch, das ein wenig an den kommunikator in „raumschiff enterprise“ errinnert. du fragst im raum nach, was das war. „nur eine sms.“ auch der mitarbeiter greift zu seinem handy, liest, tippt etwas nebenher ein. ihr sprecht weiter miteinander. abermals dieses geräusch. du sagst: „da ist schon wieder eine sms.“ er erklärt, dass es keine sms wäre, er chatte. toll!, denkst du, zwei gespräche gleichzeitig, ein virtuelles und ein reales. ab diesem moment bist du dir sicher, dass dir dein mitarbeiter die ganze zeit nicht richtig zugehört hat.

die selbstüberschätzung der besitzerInnen von handys ist außergewöhnlich groß. Weiterlesen

web 2.0 und transparenz

 

das internet wirkt inzwischen sehr offen und zugänglich. jeder mensch kann sich eine eigene plattform ohne größere anstrengung einrichten. jeder mensch kann bilder ins netz stellen, andere einträge oder texte kommentieren und sich über gott und die welt auslassen. daneben kann schnell miteinander kommuniziert werden und kontakt aufgebaut werden. das klingt nach einer anderen dimension der offenheit im umgang miteinander.

doch leider läuft im hintergrund des teile der welt umspannenden netzes eine gigantische maschinerie aus rechenmaschinen und vernetzungswerken ab. und diese sind allein von der codierung her den meisten nutzerInnen nicht transparent. allein an den jeweiligen geschäftsbedingungen, die oft mehrere seiten füllen, kann man sich orientieren. das lesen der nutzungsbedingungen ist schon eine wissenschaft für sich und am besten hätte man noch gleich juristInnen neben sich sitzen, um die fallstricke zu entdecken. das hinterlässt bei allen das gefühl, dass unklar ist, wer welchen nutzen aus welchen angeboten und möglichkeiten zieht. so wird bei der nutzung des web 2.0 immer ein gewisses misstrauen im hintergrund mitschwingen.

leider wird dieses misstrauen durch einzelne vorfälle immer wieder bestätigt, was bedeutet, dass man sich selber absichern muss. also verstecken viele nutzerInnen ihre eigentliche identität, um nicht einen nachteil aus dem besuch des netzes zu erfahren. das hat zur folge, dass das web allen noch weniger transparent erscheint. dieser kreislauf des „fakens“ wird schwer zu durchbrechen sein, ist aber eine hürde für authentische kommunikation.

einzige lösung scheint Weiterlesen

web 2.32 – triboox.de

vor längerer zeit habe ich hier schon die plattform für frische autorInnen „bookrix“ vorgestellt (http://www.bookrix.de). seit anfang dieses monats gibt es den versuch, eine weitere plattform für autorInnen einzurichten. schon die namensgebung zeigt manche parallele auf: die plattform heisst „triboox„. zu finden unter http://www.triboox.de .

wo liegen nun die unterschiede. vom äußeren anschein her ist „triboox“ ein wenig übersichtlicher. vom ziel her möchte „triboox“ anscheinend vermehrt verschiedene berufsgruppen rund um das schreiben zusammenbringen. also soll es eine rubrik geben, die stellen für lektorInnen und andere verlagsangestellte anbietet. diese ist kostenpflichtig. das hochladen eigener texte nicht. den autorInnen soll die plattform die möglichkeit geben, mit verlagen kontakte zu knüpfen und eventuell verlegerInnen zu finden. wieweit das funktioniert kann jetzt noch nicht gesagt werden.

generell ist es sinnvoll, sich die „allgemeinen geschäftsbedingungen (agb)“ bei beiden anbietern durchzulesen, damit das copyright an eigenen texten immer gewahrt bleibt. bei „bookrix“ gibt es die verpflichtung zu feedbacks, um eigene texte einstellen zu können. bei „triboox“ bis jetzt wohl nicht. generell sind beide angebote eine gute möglichkeit, seine eigenen texte zu veröffentlichen und darauf eine reaktion zu erhalten. hier kann sich ein vorteil des web 2.0 herausbilden, nicht gleich einen verlag zu benötigen, um eine leserInnenschaft zu finden. doch auch hier gilt, bis es zum erfolg kommt, kann es sehr lang dauern. durchhaltevermögen ist sicher eine wichtige voraussetzung. aber man spart sich erst einmal die kosten für den versand der eigenen manuskripte an verschiedene verlage.

selbstbefragung (04) – alltag

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. angefangen habe ich mit fragen zum „alltag“.

  • warum arbeiten sie so viel? gibt es gründe dafür?
  • denken sie beim lebensmitteleinkauf manchmal daran, dass in diesem moment menschen auf der welt verhungern?
  • was nervt sie beim einkaufen mehr: menschen, die sich vordrängeln oder verkäuferInnen, die ihnen noch etwas zusätzlich andrehen wollen? begründen sie bitte!
  • haben sie spaß an ihrem besitz?
  • was gefällt ihnen an ihrem wohnumfeld?
  • wo würden sie gern leben?
  • sind sie eine „lerche“ oder eine „nachtigall“, also stehen sie am tag früh oder spät auf? warum?
  • langweilen sie sich manchmal? wobei?
  • welche rituale begehen sie täglich?
  • wie wichtig ist ihnen tägliche arbeit, wenn sie damit nicht ihre existenz sichern müssten?

kreatives schreiben und sinnfreiheit

der vorteil des kreativen schreibens besteht darin, dass klassische regeln des schreibens außer acht gelassen werden können. das ist natürlich abhängig von der schreibanregung. aber es gibt beim schreiben kaum etwas, das nicht geht. dies hat zur folge, dass ohne probleme sinnfreie texte, also sinnlose geschichten entstehen dürfen. auch sinnlose worte, sinnfreie gedichte oder unsinnige sätze sind möglich.

folglich entstehen manchmal texte, die nicht weit vom dadaismus entfernt sind und vielen teilnehmerInnen in schreibgruppen einen unbändigen spaß machen. ob es nun lautmalerische lyrik ist oder der versuch zusammenhänge zwischen zwei ereignissen herzustellen, die es gar nicht geben kann. es sind der fantasie keine grenzen gesetzt und dies darf wörtlich genommen werden. außerdem ist das sinnfreie schreiben eine gute übung für das überwinden des inneren zensors. denn eines ist schwer vorstellbar, die regeln der sprache und des schreibens außen vor zu lassen.

viele haben gelernt, dass schreiben eine ernsthafte angelegenheit sei und damit nicht zu spaßen ist. da scheint es schon subversiv, wenn worte geschüttelt, jongliert und verändert werden. es entsteht eine form von klamauk, die in schreibgruppen erst einmal etwas befreiendes haben kann. widerspricht diese vorgehensweise doch oft den eigenen ansprüchen an das eigene schreiben. die ziele vieler teilnehmerInnen sind groß, sie setzen sich selbst unter druck. zum einen ist dies eine gute voraussetzung für schreibblockaden oder für schwierigkeiten beim produzieren von ideen.

ich möchte hier nicht der vorstellung folgen, dass das kreative schreiben nur eine spielerei sei. aber spiel fördert erst einmal die kreativität, um sich später wieder den regeln, vorgaben und eigenen ansprüchen zuzuwenden. abgesehen davon soll lachen ja gesund sein, auch schriftliches lachen macht da keine ausnahme.

schreibidee (99)

seit beinahe einem jahr stehen hier schreibideen. diese nähern sich einer markanten marke, die es lohnt ein wenig feierlich vorzubereiten, zumindest aus meiner sicht, da sich für mich dadurch selber in pool aus schreibideen gebildet hat, der grundlage mancher schreibgruppe sein kann und natürlich weiter wachsen wird. so landen wir heute bei der „neunundneunzig„, eine zahl, die raum für schreibanregungen gibt. es sollen also „neuner-geschichten“ verfasst werden. diese schreibidee lässt sich natürlich unter anderen aspekten für jede x-beliebige zahl wiederholen.

die neun hat deshalb eine bedeutung, da sie kurz vor der zehn kommt, im dezimalsystem die nächste stufe. so kann als erstes eine zählgeschichte geschrieben werden, die mit „9“ startet. zum beispiel: „neun nonnen gehen spazieren, da wird die eine vom windstoß erfasst und fliegt davon, das sind es nur noch acht.“. alle teilnehmerinnen sollten sich solche zahlengeschichten einfallen lassen. die werden kurz vorgetragen.

anschließend werden assoziationen zur neun oder zur neunundneunzig gesammelt. hier bietet sich viel an, ob neunmalklug, 1999, 2009 oder die frage nach den neuntöter.

anschließend werden geschichten verfasst, die die assoziationen, die vorher für alle sichtbar notiert wurden,  teils aufgreifen und auf alle fälle die zahl „9“ enthalten. die neuner-geschichten werden anschließend vorgelesen. als fortführung der aufgabe, soll die geschichte nun in eine zehner-geschichte verwandelt werden. was ändert sich dadurch, bekommt die geschichte einen ganz neuen sinn? da die neun gern eine grenzzahl ist und täglich für 2,99 zu haben ist, könnte jetzt plötzlich das schnäppchen verschwinden. die zehner-geschichen werden anschließend in der gruppe vorgelesen und ein feedback gegeben. als abschluss könnte noch kurz ein bericht von einer halben bis ganzen seite verfasst werden unter dem motto „mein leben mit 99“.

biografisches schreiben und strukturierung

bei schreibgruppen, die biografisches schreiben zum inhalt haben, sollte es mit der struktur der gruppe ganz anders aussehen, als im vorherigen post beschrieben. wichtigster aspekt ist meines erachtens, dass es eine sehr klare und transparente struktur gibt. die annäherung an die eigene lebensgeschichte in einer gruppe ist immer schützenwert, sowohl vor kritiken von außen als auch vor zu großen selbstzweifeln. ein unstrukturierter rahmen kann bei einer beinahe therapeutischen gruppe den einzelnen teilnehmerInnen den halt nehmen.

das mag jetzt dramatisch klingen, hat aber damit zu tun, dass eine schriftliche und kreative annäherung an die eigene lebensgeschichte erinnerungen zu tage fördern kann, die einem zu schaffen machen. das muss nicht sein, kann aber sein. in diesem moment ist es wichtig, dass entweder teilnehmerInnen, die leitung oder eben die struktur der veranstaltung einen halt bieten. wenn ich zum beispiel weiß, dass die umsetzung einer schreibanregung exakt eine gewisse zeit dauert und ich zum beispiel den raum so lang verlassen kann. oder wenn der veranstaltungsplan die thematiken für die jeweiligen treffen schon ausweist, um bei einem thema, das einem zu nahe geht oder einen zu sehr beschäftigt für die jeweilige veranstaltung abzumelden.

es sollte bei der durchführung eine biografischen schreibgruppe in regelmäßigen abständen darauf hingewiesen werden, dass die „sorge um sich selber“ im vordergrund zu stehen hat. Weiterlesen

schreibpädagogik und strukturierung

wie viel oder wie wenig struktur verträgt eine schreibgruppe? eine schwierige frage, ist sie doch nicht zu trennen von der frage, wie das ziel der gruppe aussieht. generell sollte kreativen gruppen ein möglichst weites korsett angelegt werden. es muss die möglichkeit bestehen, gedanken und ideen zu entwickeln und „fortzuschreiben“. auf der anderen seite sind die interessen der teilnehmerInnen oder auch die tagesformen der einzelnen sehr verschieden und subjektiv. dem sollte rechnung getragen werden.

um möglichst vielen interessen gerecht zu werden, könnte man sich bei einer regelmäßigen angeleiteten schreibgruppe zum beispiel überlegen, ob nicht in die planung zu jedem treffen auch das angebot aufgenommen wird, dass eine schreibanregung von teilnehmerInnen gegeben wird. entweder von denen, die lust dazu haben oder von allen teilnehmerInnen jeweils einmal.

findet eine schreibgruppe unter einem fortbildungsaspekt statt, sollte sie auf alle fälle eine klare struktur aufweisen, die darlegt, was grundwissen und grundvoraussetzung der jeweiligen thematik sind. dafür muss genug zeitraum eingeplant werden. die jeweilige anwendung des vermittelten bietet dann wieder mehr freiraum, damit alle ihr kreatives potential angemessen ausschöpfen können. bewährt hat sich in diesem zusammenhang, die eigentliche schreibzeit klar zu begrenzen, diese im vorfeld mitzuteilen und auch auf deren einhaltung zu achten. Weiterlesen

wortklauberei (27)

„wir werden das konjunkturtal überwinden“

liebe frau bundeskanzlerin, das mit den 50 milliarden ist ein ganz schönes ding, oder wie es in ihrer neusten ausgabe „deutschland aktuell“ dazu heißt: „arbeitsplätze sichern – wachtstumskräfte stärken“. im hintergrund ist ein autohandel zu sehen. wer dabei wem versucht ein auto zu verkaufen, ist nicht zu erkennen. das soll wohl alles vertrauen erwecken, damit meine zweifel an dem existierende wirtschaftssystem nicht zu groß werden. sind sie aber. vor allen dingen, wenn ich über ihrem beitrag sätze lese wie „wir werden das konjunkturtal überwinden„.

wir könnten das tal überbrücken, vielleicht auch durchschreiten, uns hineinstürzen, uns ins tal abseilen, dort am grund des tales die geldflüsse durchschwimmen, am tal entlang gehen oder nur talwärts blicken, aber wir werden schwierigkeiten haben das tal zu überwinden. sinnvoller wäre es dann doch den schuldenberg zu überwinden. wissen sie frau bundeskanzlerin, ich halte die macherInnen ihres blättchens nicht für naiv, sie wählen die worte überlegt. nicht ohne grund steht die überschrift „geldverschwendung lässt sich stoppen“ unter der rubrik „energie“ und nicht unter „50-milliarden-programm“. so wollen wir das tal, die widrigkeiten überwinden, obwohl kein mensch weiß wohin die reise geht, aber gebucht ist und teuer genug ist sie auch. „überwinden“ klingt einfach so schön danach, die probleme nur noch im rückspiegel des neuen staatlich geförderten autos zu sehen.

schnickschnack (60)

letzte nacht vielen dann die entscheidungen über den „oscar„. interessant dabei erscheint die mischung aus künstlerischer bewertung und politischer haltung. hollywood war schon immer ein ort des kulturellen gegenpols zum konservativen amerika.

bei der gestrigen verleihung konnte man dies beim oscar für „sean penn“ feststellen. es geht um die homo-ehe in kalifornien. der film über „harvey milk„, den schwulen bürgerrechtler in san francisco kam zur passenden zeit in die kinos. in den usa tobt der kulturkampf um die gleichberechtigung homosexueller lebensgemeinschaften eine stufe schärfer als in deutschland. der „weltspiegel“ in der ard berichtete darüber, es kann noch einmal unter http://www.weltspiegel.de angeschaut werden.

und so wurde die verleihung an sean penn also auch zu einem statement für die homo-ehe, das sean penn bei seiner dankesrede offen aussprach. wiederum der saal honorierte diese haltung mit viel applaus. denn man achte auch darauf, welcher schauspieler in hollywood offen schwul und welche schauspielerin offen lesbisch ist, so gut wie niemand. das erstaunt ein wenig, da auch dieses arbeitsfeld nicht wenige homosexuelle bindet. denn ein coming out in der dankesrede für den „oscar“, also der gruß an den lebenspartner oder die lebenspartnerin kann die gesamte karriere kosten, auch heute noch. offene diskriminierung darf es nicht geben, aber die besetzungslisten sprechen dann häufig eine klare sprache. so war zumindest der applaus erfrischend und man kann nur hoffen, dass sich auch in hollywood noch mehr ändert. alle ergebnisse der verleihung sind zu finden unter: http://www.oscar.com .

schreibidee (98)

verschwörungstheorien haben etwas attraktives. je unübersichtlicher die welt ist und seitdem gott tot ist, umso interessanter scheinen überlegungen, dass hinter allen unbilden des lebens ein großer plan steckt, ausgeheckt von bösartigen und machtbesessenen menschen. diese erklärungen erscheinen einfacher, als die antworten auf die frage, wieweit die menschen allesamt daran beteiligt sind, dass „unmenschliches“ geschieht. also geben wir uns diese mal ganz der verschwörung hin und schlagen als schreibanregung das verfassen von „geheimbotschaften“ vor, denn dabei darf die fantasie voll zum zuge kommen.

in einer schreibgruppe kann man sich zuerst gemeinsam auf die suche begeben, welche ereignisse im weltgeschehen eventuell auf einen geheimbund oder eine form der vertuschung hinweisen. die ideen werden auf einer tafel oder einem flipchart notiert. dann werden die teilnehmerInnen aufgefordert für sich noch einmal alltagssituationen zu sammeln, von denen man auch denken könnte, dass sie einem plan entspringen, zum beispiel die tatsache, dass die kasse im discounter an der man sich gerade angestellt hat, immer in diesem moment geschlossen hat oder die fußgängerampeln, die immer auf rot springen, wenn man sich ihnen nähert.

nun wird sollen die schreibgruppenteilnehmerInnen sich aus ihrer jeweiligen liste ein ereignis verschwörung auswählen und einen passenden geheimbund dazu erfinden. dieser ist auf ungefähr einer seite zu beschreiben. was sind die ziele des bundes? wer macht mit? wie verläuft die kommunikation im bund?

anschließend soll eine längere geheimbotschaft an die mitglieder des geheimbundes verfasst werden. was darin steht bleibt nicht ganz so geheim, denn sowohl der bund als auch die botschaft werden in der schreibgruppe vorgestellt. und falls dann noch zeit bleibt, kann ein kurzer paranoider text eines verschwörungstheoretikers verfasst werden, eventuell zur angestrebten weltherrschaft durch die zwanzigjährigen mit hilfe des etwas über zwanzig jahre alten besitzers von facebook, weshalb die daten der user vollständig in seinen besitz übergehen. 😮

literatur und geschmack

 

schon die literaturkritik zeigt, dass dasselbe buch, dieselbe geschichte sehr verschieden wahrgenommen werden kann. es gibt keine objektive literaturkritik, es kann sie gar nicht geben. selbst wenn germanistik und literaturwissenschaften versuchen hintergründe und stile aufzuschlüsseln und wenn behauptet wird, es gäbe einen kanon der wichtigen, „richtigen“ literatur, wird es sich nicht herumsprechen. wie bei allen medien und künsten sind die geschmäcker verschieden.

das muss aber kein nachteil sein. in einem gut ausgestatteten buchladen wird auch noch heute eine bandbreite an literatur angeboten, die reichhaltiger nicht sein kann. auch wenn die großen verlage den markt beherrschen, finden sich doch oft genug nischen, um kleine werke zu platzieren. das ist ein angebot, das nicht zu unterschätzen ist, zeigt es doch, dass der mensch sehr wohl wählt, was er mag. ob nun der unterhaltungsliteratur-krimi gern gelesen wird oder der abenteuerroman, wenige menschen beharren darauf nur ernste weltliteratur zu verköstigen.

hier kann man sicherlich parallelen zum fernsehkonsum oder zum surfen im internet ziehen. da zeigt sich nämlich, dass vor allen dingen auch das bildungsbürgertum, soweit es noch existent ist, gern einmal zur fernbedienung greift und genau das anschaut, das er marcel reich-ranicki so verteufelt hat.

unterhaltung muss nicht immer ein hohes niveau haben, um zu unterhalten. manchmal geht es auch um die sinnfreiere entspannung, die eine unterbrechung in einem verantwortungs“vollen“ leben darstellt.

so stellt sich die frage, inwieweit sich über geschmack streiten lässt? Weiterlesen

web 2.0 und soziale netzwerke

 

die menschen scheiden sich in zwei gruppen. die einen sagen zu netzwerken wie „facebook“, „studivz“ oder „xing“, dass sie iher kontakte lieber persönlich und real-kommunikativ pflegen. andere sagen, dass sie über die im web 2.0 existierenden netzwerke kontakt zu menschen bekommen, zu denen sie nie in ihrem leben kontakt bekommen hätten. vollständig vergleichbar sind reale und virtuelle netzwerke auf keinen fall. es sind unterschiedliche kommunikationsformen, die jeweils angewendet werden. und es wird deshalb eben auch verschieden kommuniziert.

beide formen haben ihre vor- und nachteile. die netzwerke im web sind sicherlich viel größer, als man sie im realen zusammensein überhaupt erleben kann. gleichzeitig besteht aber das problem im internet, dass sich die betreiber gerade stück für stück das vertrauen ihrer nutzer verspielen. gerade letzte woche änderte „facebook“ mal kurz seine nutzungsbedingungen und versuchte die hoheit über alle existierenden daten auf dauer zu sichern. unter protest wurde dies wieder zurückgenommen. „studivz“ hatte schon seine auseinandersetzung um werbemöglichkeiten und datenverwendung.

anscheinend sind datenansammlungen, die natürlich gehäuft in netzwerken vorkommen (oder bei großen arbeitgebern wie bahn und telekom), extrem verführerisch für jegliche nutzung. Weiterlesen

schreibaufgabe (23)

diese aufgabe kommt ganz schlicht daher. es gibt einen textanfang, der der auslöser für eine geschichte sein soll. was dann kommt bleibt den schreibenden überlassen. doch die geschichte sollte 900 worte nicht überschreiten. der textanfang lautet:

Sie lauschte der Musik, die sich für sie immer wie ein See um sie herum ausbreitete, in dem sie als Delfin schwimmt. In diesem Moment fiel der Strom aus.

mal sehen, was so ein abruptes stoppen der musik bei menschen auslösen kann 😉

nabelschau (05)

berlin schneit zu. ein seltenes ereignis, das vermerkt werden muss. die welt erscheint in solchen momenten angenehm gedämpft. langjährige „berliner“ sind schon genervt, zu viel winter, zu viel schnee. ab drei zentimeter neuschnee geben die räumdienste auf und lassen liegen, was nicht zu vollständig zu beherrschen ist. der einwurf, dass es viel ekliger wäre, wenn das alles als regen runterkäme, wird mit einem kurzen nicken toleriert. gleich darauf wird nachgeschoben, dass es dieses jahr reicht mit dem winter.

schade eigentlich, wird die stadt doch für ein paar tage ein wenig ruhiger. sonst brummt, schreit und poltert sie ungehörig durch den alltag. jetzt bremsen grippewelle und schneegestöber den tatendrang. doch auszeiten sind auszuhalten. wer konsequent auf hochtouren läuft, den überfällt gern in momenten des innehaltens die ganzen beiseite gelegten gedanken und bedenken. da scheint schnee plötzlich eine provokation zu sein, einen auf sich zurückzuwerfen. und wer hatte noch einmal die grippe erfunden?

diese form der dämpfung wünscht man sich manchmal fürs internet. einfach zehn zentimeter neuschnee, die das gelärme und die empörung ob aktueller entwicklungen und dem leben an sich zudecken. ein wenig abkühlen, zittern statt twittern. jeder muss sich seinen weg durch den belag bahnen, die gruppenwanderungen werden erschwert und der hype erschwert. mensch dreht sich schwerer um sich selbst, die gefahr auszurutschen ist zu groß. lieber eine schlittenfahrt durch eine landschaft, die in pastell daher kommt, keine brüllende werbung auf jeder seite, kein rennen, um die nase vorne zu haben. einfach schreiben bei dem sich die texte aufbauen, wie eine schneedecke und die worte leicht wie flocken fallen.

berlin scheint so hell wie selten, sand und rollsplitt, die bei einem zentimeter schnee tonnenweise aufs parkett geworfen wurden, sind verdeckt. die hundescheiße verschwindet unter weißen häubchen. eigentlich ein grund zur freude. und dann die bewegung gründen: „jedem haus seine schippe – hals- und beinbruch können kein lebensziel sein“. berlin schneit zu.

p.s.: jetzt ist dann alles wieder matsch 😦

kreatives schreiben und gelegenheiten

wie bei vielen anderen dingen, die einem eigentlich sehr viel spaß machen, findet der mensch gern hinderungsgründe, weshalb er sie gerade jetzt nicht machen kann. die am häufigsten gesuchte ausrede ist die zeitknappheit. man hat leider keine zeit gefunden, seinem hobby oder seinen interessen nachzugehen. da ist die tägliche arbeit, da sind die kinder oder da sind die erledigungen, die im alltag gemacht werden müssen. faszinierend daran ist, dass sich für tätigkeiten, die wenig spaß machen, die auch nicht notwendig sind, beständig zeit zur verfügung steht.

oftmals entsteht der eindruck, dass mensch angst davor hat, genau das zu tun, das ihm viel lust bereiten würde. könnte er doch feststellen, dass er bis jetzt die eigenen interessen zu sehr ignoriert hat und sich endlich einmal etwas ändern muss.

das kreative schreiben betreffend kann sich diese aufschiebende haltung entweder darin zeigen, dass man sich nie für eine schreibgruppe anmeldet, obwohl man große lust dazu hätte, oder dass man auch für sich nie die zeit findet, zu schreiben. beinahe alle menschen, die regelmäßig schreiben oder kreativ schreiben, haben irgendwann die erfahrung gemacht, dass sie einfach einmal damit anfangen mussten, dann aber schwerlich wieder aufhören konnten (abgesehen von den schreibblockaden).

wahrscheinlich ist es die überwindung, die notwendig ist, sich dem zu widmen, das einem spaß macht. so zum beispiel zu entscheiden, nach dem aufstehen gleich „morgenseiten“ zu schreiben, regelmäßig tagebuch zu führen, sich endlich für eine gruppe anzumelden, die nur einmal die woche an einem abend stattfindet oder auch nur in einer viertel stunde pause ein kleines schreibspiel für sich zu machen. denn schaut man genau hin, stellt man fest, dass es immer wieder pausen gibt, die zeit für ein zehnminütiges freewriting bieten. und ist der erste schritt einmal gemacht finden sich weitere möglichkeiten und gelegenheiten.

warum dies tun? weil meist festzustellen ist, was man sich bis jetzt versagt hat und es ein angenehmes gefühl ist, etwas eigenes geschaffen zu haben. warum nicht heute damit beginnen?

wortklauberei (26)

„cesar – zeig deine liebe“

manche entwicklungen lassen einen verzweifeln, da man sie nicht versteht, jedenfalls ich nicht. deshalb fange ich vielleicht einmal bei einer kurzen und knappen aussage an: ein tier ist ein tier und ein mensch ist ein mensch! was den menschen zum menschen macht, ist auch seine fähigkeit „liebe“ objekten gegenüber zu entwickeln und somit auch anderen lebewesen. eine schwierigkeit dabei bleibt aber weiterhin, dass die objekte die liebe nicht erwidern können.

hunde stellen da für viele menschen eine ausnahme dar. dies beruht aber nur auf einem irrtum des menschen. der hund ist ein rudeltier. und als rudeltier legt er bestimmte unterwürfige und reaktive verhaltensweisen an den tag. einem hund kann man ansehen, wenn er ein anderes rudeltier begrüßt, ein hund akzeptiert meist den menschen als alphatier. dies verführt viele dazu, hunde zu vermenschlichen.

und hier dockt die werbung für hundefutter an, vor allen dingen die von „cesar„. da fallen dann in der tv-werbung solche sätze, wie „es ist ein zeichen seiner liebe„, nur weil fifi auf frauchen zuläuft. dass fifi genauso freudig auf ein stück wurst zulaufen würde, zeigt die werbung natürlich nicht. und auf frauchen läuft er natürlich auch nur so zu, da sie im rudel die höhere position einnimmt. aber nein, das ist viel zu abgeklärt, es ist „liebe“. was macht da frauchen, sie erwidert dieses sehr menschliche gefühl des vierbeiners. sie greift zum goldenen döschen mit einer gelierten mahlzeit für den vierbeinigen freund. „zeige deine liebe„.

hilfe! das könnte auch werbung für „fleurop“ oder einen juwelier sein. wundert sich da noch jemand, dass so viele beziehungen in die brüche gehen? liebe beruht also darauf, dass männchen schwanzwedelnd ankommen und dann ein näpfchen mit nahrung vorgesetzt bekommen. man kann dies nun so oder so lesen. es ist doch nur ein hund!?! 😆