Tagesarchiv: 3. Februar 2009

schreibpädagogik und bloggen

 

manche dinge sind zu bedenken, wenn man in einer schreibgruppe das schreiben von hand kombinieren möchte mit dem schreiben in einem blog oder an anderer stelle des web 2.0.

es muss gewährleistet sein, dass alle teilnehmerInnen der schreibgruppe von anfang an wissen, dass bloggen mit zum angebot gehört. denn erst dadurch ist garaniert, dass sie einen zugang zum internet haben. zudem sollte sicher sein, dass der zugang zur bloggersoftware, als zum blog für alle relativ einfach ist.

außerdem ist es wichtig, dass es sowohl einen öffentlichen bereich als auch einen durch ein passwort geschützten abschnitt gibt, der eine zusätzliche möglichkeit des austausches gewährleistet. zumindest sollte ein mailverteiler eingerichtet werden.

wenn sie eine schreibgruppe anleiten ist das einrichten eines blogs eine leichte und schnelle sache. langwieriger gestaltet sich aber der prozess, bis alle teilnehmerInnen ihren zugang gefunden und sich mit den möglichkeiten des bloggens vertraut gemacht haben. hier ist damit zu rechnen, das der gebrauch des internets vorher sehr unterschiedlich war. sie können nicht voraussetzen, dass teilnehmerInnen formen des schreibens im web 2.0 vertraut sind. am sinnvollsten ist es, entweder eine kleine gebrauchsanweisung des blogs zu schreiben oder ein lehrfilmchen zu drehen. es gibt inzwischen recht einfache und preiswerte software, die aktivitäten auf der oberfläche ihres bildschirmes in einen film verwandelt, den sie noch mit ihren worten besprechen können.

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wortklauberei (23)

„ein herz für erzeuger“

so lästig diese werbeblättchen, die wie kleine zeitungen daher kommen, im briefkasten sind und diesen verstopfen, sie sind doch immer wieder für eine kleine überraschung gut. die handelskette „plus“ (modern ausgesprochen „plühh“) führt die ehemalige kampagne der bild-zeitung „ein herz für kinder“ konsequent weiter. wo kommen die kinder her? sie entspringen dem akt kopulierender erwachsener. der männliche part wird auch gern als „erzeuger“ bezeichnet. so war es nur eine frage der zeit, dass endlich die gesellschaft ihr herz für die väter entdeckt, die oft unterliegen, wenn sie sich ihren kindern genauso widmen möchten, wie die mütter.

oh pardon, das flugblatt „ein herz für erzeuger“ von „plus“ bezieht sich auf die milchindustrie, ist aber an doppeldeutiger sprache nicht zu überbieten. „ein herz für erzeuger – für einen fairen preis“, soll milchprodukte angemessen veräußern. denn: „deutschland ist schön, weil unsere bauern nicht nur ware produzieren und arbeitsplätze sichern, sondern auch das gesicht unserer landschaft prägen.“ ja, mit windkraftanlagen, großen strohrollen in plastiküberzügen, fabrikähnlichen hallen mitten auf dem feld, die dem vieh zur verfügung stehen, hühnerställen, die keine fenster haben aber beständig laufende ventilatoren und nicht zu vergessen die genmanipulierten maisfelder, die wie ein hochsicherheitstrakt bewacht werden. ja, der gestaltungswillen der erzeuger und ihres verbandes ist groß.

aber dies ist hier gar nicht gemeint. „ein herz für erzeuger“ meint den milchbauern. dabei sollte es heißen „ein herz für erzeugerinnen“, denn milch gibt die kuh und nicht der bauer. nachdem es in der künstlichen befruchtungsanstalt geschnackselt hat, wird der kuh das kalb sofort entrissen, wenn es denn auf die welt kam, um die erzeugte milch abpumpen zu können. diese verarbeitet der bauer, um das haltbarkeitsdatum verlängern zu können, damit „plus“ sie verkaufen kann.

doch „plus“ hat noch mehr vor: „deshalb werden wir im rahmen von „ein herz für erzeuger“ nicht nur milch verkaufen, sondern unser sortiment um butter, käse, kartoffeln, fleischprodukte u.v.m. erweitern.“ da habe ich wieder was verpasst. ging ich doch immer davon aus, dass „plus“ diese produkte schon immer in ihrem sortiment hatten. ein seltsamer laden ❓ und wo bleiben nur wieder die väter?