Tagesarchiv: 4. Februar 2009

schnickschnack (56)

ab morgen geht es richtig los mit den filmfestspielen in berlin, der „berlinale„. für ungefähr anderthalb wochen sind etliche kinos reserviert für ein tolles filmfestival, das vor allen dingen den normalsterblichen die möglichkeit gibt, die festivalfilme zu sehen. das ist nicht standard.

der autor dieser zeilen hatte in etlichen jahren extra urlaub genommen und sich eine dauerkarte angeschafft, um möglichst viele filme der „berlinale“ zu sehen. als er nun seit mehreren jahren mal wieder die homepage des festivals besuchte: http://www.berlinale.de , musste er voller entsetzen feststellen, dass es seit jahren keine dauerkarten mehr gibt. dabei war es immer ein außergewöhnliches erlebnis nach drei bis vier spielfilmen am tag auf das harte pflaster berlins zu treffen und nicht mehr so genau zu wissen, wo man sich befindet. die filme des wettbewerbs habe ich mir immer gespart, da diese sowieso irgendwann im kino oder im fernsehen zu sehen waren. interessanter waren die anderen rubriken wie „panorama“ oder „forum“. hier konnte man feststellen, was einem an grandiosen filmen vorenthalten wird, selbst von arte.

und nun? die berlinale entwickelte sich immer mehr zu einer „schickimicki“-veranstaltung, bei der der rote teppich wichtiger scheint, als die filme. jetzt kann man karten zu frühaufsteherzeiten im internet einzeln buchen und sie anschließend schlangestehend abholen. wenn man die bilder im fernsehen sieht, gewinnt man den eindruck, dass viele plätze inzwischen von den edelhotels der stadt im voraus gebucht werden, die zahl der akkreditierten journalistInnen ins unermessliche gestiegen ist und die cineasten irgendwie nicht unbedingt erwünscht sind. nun, der ganze zirkus wurde auch auf bundesebene gehievt und privatisiert. dabei findet sich in berlin bestimmt ein kino, das bereit wäre das programm der berlinale ausschließlich für dauerkartenbesitzer zu zeigen. durch den verkauf der karten wären die kosten gedeckt und wer lust hat, könnte seinen urlaub auf das filmschauen verwenden.

der größte vorteil bestünde aber darin, dass man unbehelligt wäre von den unglaublich wichtigen menschen des filmmarktes, die meinten während des films ans handy gehen zu müssen und gaaaannz dringende gespräche zu führen. aber das ist nur ein traum.

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schreibidee (93)

es gibt zusammenkünfte von menschen, die sich schon sehr lang kennen und immer wenn sie aufeinandertreffen nach der mitteilung neuester entwicklungen an dem punkt „erinnerst du dich noch…“ landen. dies kann in einer schreibgruppe der anlass für eine schreibanregung sein. es sollen „vor-20-jahren-geschichten“ geschrieben werden.

dabei geht es nicht automatisch um biografisches schreiben, sondern um die generelle erinnerung. so würde man erst einmal mit der frage „was hast du 1989 gemacht?“ starten. alle teilnehmerInnen notieren sich, an was sie sich von vor 20 jahren erinnern. die folgende frage „was war 1989 los?“ bezieht sich auf gesellschaftliche ereignisse, musik und moden. diese erinnerungen werden in der gruppe zusammengetragen. da würde zum beispiel der fall der mauer bei vielen eine rolle spielen. die letzte frage bezieht sich noch einmal auf die persönliche entwicklung: „was hast du vor 20 jahren für dich gelernt?“. es kann sein, dass man sich nicht mehr an alles erinnert. das tut der schreibanregung aber keinen abbruch. nach den fragen wird nun noch ein cluster zur zeit vor 20 jahren erstellt. und dann soll eine geschichte aufgrund der notizen und des clusters geschrieben. die texte werden in der gruppe vorgetragen. und zum abschluss können noch musikstücke und literatur aus dieser zeit vorgestellt werden. anschließend soll noch ein kurzes gedicht zu den eindrücken verfasst werden. diese anregung lässt sich natürlich mit allen zeitabständen durchführen. sie kann sowohl in einer biografiegruppe als auch beim kreativen schreiben eingesetzt werden.

web 2.0 und unübersichtlichkeit

 

das web 2.0 rauscht so an einem vorüber und man wird es nie schaffen, alle veränderungen wahrzunehmen. allein was an neuen fotografien ins netz gestellt wird, kann kein mensch registrieren, geschweige denn ansehen. die vom menschen geschaffene technik bringt dies aber zustande. doch sie archiviert nur, der mensch reflektiert auch zum gesehenen. das kostet ihn zeit, ist aber gleichzeitig sein großer vorteil.

so stellt sich inzwischen die frage, weshalb es viele menschen so unter druck setzt, dass das netz so vielfältig ist? im alltag bewältigt der mensch die gleiche anforderung ohne größere schwierigkeit und hat automatisch „mut zur lücke“. doch kaum sitzt er am computer, ist er der meinung, anders mit den eindrücken umgehen zu müssen. konkreter formuliert, ich nehme als mensch, wenn ich mich ganz normal durch die welt bewege, tausende von eindrücken auf, die, würde ich auf jeden eingehen, nicht zu bewältigen wären. so ergeht es zum beispiel häufig autisten, da sie die ihnen wichtige eindrücke kaum selektieren können.

werden menschen zu autisten wenn sie ins web 2.0 gehen? Weiterlesen