Tagesarchiv: 6. Februar 2009

wortklauberei (24)

 

„eine neue zeit beginnt. wir sind bereit.“

der glaube soll ja berge versetzen. diesen eindruck hinterlässt die heute gefundene anzeige in der zeitung. der leser erfährt zwar nicht genau, wie die „neue“ zeit so aussehen soll, oder warum sie überhaupt neu sein soll, aber die feststellung ist gedruckt. im hintergrund ist eine meeresküste in der morgen- oder abenddämmerung abgebildet. verheissungsvoll also dieser titel.

genauso geht der text weiter: „wir stehen am anfang einer neuen zeit. eine zeit, die erfahrung und entschlossenheit erfordert. gerade im umbruch sind wir unseren kunden und unserem anspruch an leistung verpflichtet. wir haben die stärke, weiter erfolgreich und nachhaltig zu wachsen.

nun, das kann wahrscheinlich jede firma behaupten, die auf dem markt bestand haben möchte. und das behauptet auch jede firma. „nachhaltigkeit“ ist heute ganz wichtig. der umbruch aber ergibt sich aus keiner zeile, aus keinem wort. vor welchem umbruch stehen wir denn? eventuell ist damit die wahl von obama gemeint oder die steigenden arbeitslosenzahlen, also die „krise“, die zu erwartende verstaatlichung von banken und industrien. all dies kann einem in den sinn kommen.

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schreibaufgabe (22)

da ich ein gewisses gefallen an den möglichkeiten der selbstbefragung finde. und es mir sinnvoller erscheint, für sich grundsätzliche fragen zu beantworten, anstatt der öffentlichkeit die eigene haltung zu unterbreiten, ergibt sich dieses mal eine außergewöhnliche schreibaufgabe. wie hier schon im blog geschehen, sollen „fragen zur selbstbefragung“ gesammelt werden, um vielleicht eine kleines archiv mit selbsterdachten fragen zu erstellen. deshalb sind für die schreibaufgabe, 10 fragen zu formulieren, deren beantwortung nicht nur ein „ja“ oder ein „nein“ ermöglichen. es darf direkt und hemmungslos gefragt werden.

die antworten sollten sich nicht hier wiederfinden. sie werden zuhause bei sich selber belassen und vielleicht in ein paar jahren noch einmal hervorgeholt, um zu sehen, ob sich an der eigenen haltung im laufe der zeit etwas geändert hat.

web 2.0 und das gehirn

die neurophysiologie und gehirnforschung setzen teilweise die geschwindigkeit des hirns in zusammenhang mit einer ständig vorherrschenden grundaktivität, einem „rauschen“, das tag und nacht stattfindet. wir können zum beispiel nicht aufhören zu denken, auch nicht im schlaf (siehe träume) oder bei meditationen. auch dann denke ich, dass ich nichts denke. bei entspannungsübungen wird das denken sicherlich fokussiert auf einen einzelnen gedanken, das rauschen also ein wenig reduziert, aber die gehirnaktivität endet nicht. wie hier schon erwähnt, besitzt der mensch vor allen dingen die fähigkeit, zu selektieren und nicht jedem gedanken zu folgen. viele denkprozesse verlaufen unbewusst, so denke ich nicht jedesmal bewusst darüber nach, dass ich beim gehen den rechten fuss jetzt anheben muss. doch der prozess an sich findet statt, da ich in diesem moment auch stehenbleiben könnte. ich treffe also eine entscheidung.

wozu dieser lange vorlauf? es erscheint mir immer einleuchtender, dass das web 2.0, da von menschen geschaffen, formen eines ausgelagerten gehirns annimmt. es gibt ein beständiges „rauschen“ im netz, es werden gedanken, texte und bilder produziert, die nicht wahrgenommen werden. für beständige abläufe werden netzwerke gegründet, die einen gedanken, eine idee oder eine handlung fokussieren. plötzlich können informationen, die lang verschüttet waren, wieder aufgerufen werden und von interesse sein. fängt jemand damit einmal an, folgen etliche andere. und doch bündeln sich interessen, selektieren, unterstützt von den suchmaschinen. der mensch fasst dies gern in ein ranking, sortiert also vorrangige gedanken gegenüber nebensächlichen aus. was nicht bedeutet, dass dies immer die sinnvollen und vernünftigen gedanken sind. aber auch dies ist im realen leben nicht unbedingt der fall. das eigene hirn kann einem einen haken schlagen, indem es dinge fokussiert, die man gerade gar nicht fokussiert haben will.

wichtig scheint es auch im web, dass eigentlich kein gedanke verloren geht, höchstens jemand löscht seinen eintrag, seine homepage oder seine bilder. es gibt unvollendete gedanken, es gibt chaos, das unüberschaubar scheint. und doch bilden sich immer wieder neue ordnungen heraus, gedanken, überlegungen, die vorausstürmen. ich finde jedenfalls den gedanken immer interessanter, dass der mensch, nicht unbedingt bewusst, mit dem web 2.0 ein abbild etlicher seiner hirnfunktionen geschaffen hat. spannend wird dann die frage, wo die hormone im web 2.0 ihre funktion haben 😉