Tagesarchiv: 7. Februar 2009

nabelschau (03) – doch noch mal zur GROSS- und kleinschreibung

bloggen ist kein spaß. schreiben ist auch kein spaß. wer dann noch über das schreiben schreibt und sich nicht an die regeln, also an die schreibregeln, hält, der macht was falsch. aber nur, wenn man den immer wieder abgegebenen kommentaren in diesem blog glauben mag.

denn über das schreiben macht man keine witze. man setzt sich nicht über regeln hinweg, weil man gerade mal so „freewriting“-mäßig ein paar gedanken, ideen und tipps in einem blog bündelt. die konsequenzen werden es einem schon zeigen. angefangen bei „augenkrebs“ über „ich habe nicht weitergelesen“ bis zur mahnung an das gewissen des „schreibpädagogen“ war manches vertreten. denn „das auge liest mit“. und das auge stört die verweigerung zwei tasten zu bedienen. oder stört es das auge nur, weil es diese form nicht gewöhnt ist? denn die bedeutung der geschriebenen aussagen (was nicht bedeuten soll, dass sie bedeutungsvoll sind) geht erst einmal durch die form nicht verloren. es gehen vielleicht manche leserInnen verloren, deren gesellschaftlich geformte sehgewohnheiten sich nicht an den hier verwendeten schreibstil gewöhnen können. das tut mir leid.

doch regeln sind ja nun auch einmal da, um gebrochen zu werden. oder steht unsere schreibkultur auf dem spiel? gerade hat irgendein befragungsinstitut verkündet, wir deutschen wären am beliebtesten auf der welt. ob es an unseren strengen schreibregeln liegt, die das land so konsequent in den augen anderer erscheinen lassen? tja, ein weites feld, das zu diskutieren wäre, habe ich hier auch schon gemacht. gibt es noch etwas, das ich hinzufügen möchte?

vielleicht die anmerkung, dass ich es erstaunlich finde, was eine andere schreibweise alles auslöst. und dass es an der zeit ist, das große geheimnis zu lüften: DIESER BLOG WIRD VON DER OPTIKERiNNEN-INNUNG GESPONSERT. DENN JE MEHR AUGENKREBS ES GIBT DESTO MEHR BRILLEN WERDEN GEKAUFT. schreiben ist wirklich kein spaß.

p.s.: nur beim „i“, da klappt das mit der taste für große buchstaben ganz gut 😆

schnickschnack (57)

wenn zeitungen sich zur zeit verändern, gewinnt man oft den eindruck, sie versuchen ihre artikel zu verkürzen, ihr format zu verkleinern und der begriff „synergie-effekt“ ist ein journalistischer grundbegriff geworden. da werden redaktionen zusammengelegt, journalistInnen bekommen nur noch jahresverträge oder bleiben auf immer freie autorInnen und die leserInnen werden vor allen dingen beraten aber weniger informiert.

doch es gibt ein paar ausnahmen, die einen anderen weg versuchen. so zum beispiel seit kurzem die „linke“ oder „linksliberale“ wochenzeitung „der freitag“ (zu finden unter: http://www.freitag.de ). es fand ein relaunch der zeitung statt, die leitung übernahm jemand aus der augstein-familie und es wird der versuch unternommen die leserInnen in einen diskurs einzubinden. das machen auch andere blätter könnte man nun einwenden, denn inzwischen bieten alle größeren zeitungen diverse blogs und internetauftritte mit eigenen redaktionen, die es den leserInnen ermöglichen, geschriebenes zu kommentieren.

doch „der freitag“ geht da noch einen schritt weiter. er bietet die möglichkeit, dass interessante beiträge aus den blogs, die wiederum von leserInnen und nicht nur redakteurInnen betrieben werden, in die druckausgabe kommen. also eine noch intensivere verschränkung von druck und virtualität. daneben gibt es eine kooperation mit „the guardian“ aus großbritannien (hat wohl auch irgendetwas mit synergie-effekten zu tun). der internetauftritt liegt jedenfalls als beta-version vor, lohnt einen blick und wirft die frage auf, ob man sich an der diskussion per blog beteiligen möchte. ist zumindest ein interessantes angebot.

suhrkamp geht nach berlin

keine neue meldung, steht ja schon in den ganzen tageszeitungen und blogs. aber immerhin ist dies eine meldung für die „tagesschau“ in ihrer freitagsausgabe. nun ist suhrkamp nicht einer der größten verlage, hat nicht wahnsinnig viele mitarbeiter und verlegt auch nicht einen bestseller nach dem anderen. doch die meldung klingt wie ein regierungsumzug. da geht es anscheinend um tradition beim bücher verlegen und um die verlegten autoren. hier hat suhrkamp sich nach 68 einen namen erarbeitet.

auch die meldungen in folge gleichen denen des regierungsumzugs. die meisten mitarbeiter wollen nicht mit umziehen heißt es im fernsehen. erinnert doch irgendwie an die shuttle-flüge aus dem rheinland. gut, von frankfurt aus kann man den ice-sprinter nehmen, so er denn fährt. doch die reaktion hat mit mehrerlei zu tun. zum einen haben sich viele menschen, deren arbeitgeber plötzlich abwandert, an ihrem arbeitsort eingerichtet, haben eine wohnung und sind das leben dort gewöhnt. zum anderen wirkt berlin auf viele aber auch erst einmal sehr bedrohlich. groß, unübersichtlich und recht unfreundlich. das ist eigentlich ein irrtum.

die welt teilt sich generell in zwei fraktionen. die einen waren einmal in berlin und fanden es ganz fürchterlich. die anderen waren einmal in berlin und sind nie wieder weggekommen. leider bringen dann manche so etwas wie karnevalsumzüge oder „kölsch“ mit, zwei recht überflüssige produkte. andere bringen nur ihre „wichtigkeit“ mit. das nervt zusehends in mitte und im prenzlauer berg. wer zwischenzeitlich mit der u-bahn in diese richtung fährt, glaubt sich in einer multimedialen hochburg zu befinden, wo allen handybesitzerInnen per zuzug eine flatrate geschenkt wird, die nur in der u-bahn gilt. ob der lautstärke ihrer gespräche ist nicht zu überhören, wie wichtig sie sind. das führt inzwischen zu einem kulturclash zwischen schon länger zugewanderten und den neuen. da wird es dann auch unfreundlich.

doch trotz allem (auch zu kaisers zeiten zog der hof viele lobbyisten und „wichtige“ an) finden sich in dieser stadt noch genug nischen, die hoffentlich nicht verloren gehen und beinahe jede denkrichtung bedienen. dass wichtigkeit meint, sich in der mitte breit machen zu müssen (siehe bundesregierung) macht nichts, der s-bahn-ring ist ja wieder in betrieb. vielleicht treibt sich suhrkamp ja auch ein wenig in den anderen bezirken rum. wäre zumindest zu wünschen, dass die spannenderen diskurse aus den kaschemmen kreuzbergs in der verlagswelt gehör finden.