Tagesarchiv: 14. Februar 2009

biografien als bestseller – eine fernsehsendung

gleich vorab der hinweis, dass die sendung leider schon vorüber ist und auch die wiederholung schon gelaufen ist. ich bin eher zufällig darauf gestoßen, finde aber die fragestellung nicht uninteressant. „bestseller biografie – schreibt das leben die besten geschichten?“ war das motto der talkrunde „im palais“ im rbb.

die frage lässt sich wahrscheinlich mit einem eindeutigen ja beschreiben. doch wer würde behaupten, dass die literatur nichs mit dem leben und dem alltag zu tun hat. die wenigsten schriftstellerInnen erfinden ihre geschichten vollständig frei. in jeden text fließt auch von den schreibenden etwas ein, mal mehr, mal weniger. und die ideen für die geschichten werden meist auf der straße gefunden.

eigentlich ist das meiste schreiben nur eine frage der genauen beobachtung. einmal damit angefangen, den alltag intensiver zu beobachten und einzelne ereignisse festzuhalten, können sich schnell ideen entwickeln. so ist die biografie eigentlich ein ausschnitt des lebens, meist die konzentration auf eine person oder mehrere personen und ihr umfeld. eine „leben“ umfassende geschichte ist wahrscheinlich gar nicht zu schreiben.

wer noch ein wenig über die sendung, die leider nicht im internet angesehen werden kann, erfahren möchte, findet die infos hier: http://blog.rbb-online.de/roller/impalais/entry/bestseller_biografie_schreibt_das_leben .

urs widmers frankfurter poetikvorlesungen – ein buchtipp

eigentlich heisst der titel des buchs „vom leben, vom tod und vom übrigen auch dies und das – frankfurter poetikvorlesungen„. doch das wäre zu lang gewesen als überschrift dieses posts. das büchlein an sich ist handlich und klein, aber darum auf keinen fall uninformativer. das gegenteil ist der fall.

in dem buch von urs widmer, dem schweizer schriftsteller, sind fünf vorlesungen abgedruckt, die er anfang des jahres 2007 in frankfurt gehalten hat. dabei beleuchtet er die situation in der sich schriftstellerInnen befinden, wenn sie versuchen zu schreiben. er zeigt auf, wie man nicht drumherum kommt, abweichend von der norm, leidend, sich mit leben und tod auseinandersetzend, ein wenig größenwahnsinnig mit fantasie, literatur zu schaffen. das buch liest sich beschwingt mit einer prise humor versehen und schlüsselt das besondere am schreiben auf. dabei bezieht sich urs widmer auf viele schriftstellerInnen, sieht diese in einer beinahe logischen abfolge einer entwicklung, die beeinflusst wird vom umfeld und der geschichte. es macht spaß, die detailreichen erklärungen nachzuvollziehen und in manchen momenten kann man eigene aspekte wiederfinden, auch wenn man nicht schriftstellerIn ist. eigentlich ein weiteres buch, in dem ein schriftsteller über seinen beruf (oder seine berufung) auskunft gibt. aber es reiht sich eher in die ganzen werke ein, als nur etwas zu wiederholen, das man woanders schon gelesen hat.

das buch iist im diogenes verlag in zürich 2007 erschienen. ISBN 978-3-257-06598-5

nabelschau (04)

liebe berliner s-bahn,

ich danke dir dafür, dass ich endlich wieder zum ausgiebigen bücherlesen komme. diesen winter hast du dir besonders viel mühe gegeben. denn der winter war kalt, zumindest teilweise, und wie winter das nunmal sind. dich liebe s-bahn hat das aber überrascht und du fuhrst einfach nicht. das verlängerte den aufenthalt auf deinen bahnhöfen für mich enorm und hatte den effekt, dass ich mehr seiten der bücher verschlingen konnte, die gerade mein interesse wecken.

besonders freut es mich aber, dass du jedesmal am s-bahnhof schöneberg eine 10-minütige zwangspause für mich arrangierst. du denktst  für deine fahrgäste mit. was soll dieses ewige gehetze, mach doch mal pause. für alle nichtkenner der s-bahn-szene: am s-bahnhof schöneberg kreuzt eine der wichtigsten nord-süd-verbindungen berlins von oranienburg bis potsdam den ring, eine der meistbefahrenen ost-west-verbindungen. es steigen also auch dementsprechend viele menschen um.

kenner wiederum bereiten sich bei der einfahrt einer der züge schon darauf vor die treppen, die die züge verbinden hoch oder runter zu sprinten, da die züge beinahe zeitgleich einfahren. wichtig ist dabei das wort „beinahe“. einer der züge ist immer eine halbe minute früher da. die mitarbeiter der s-bahn fertigen diesen besonders schnell ab, damit es nicht zu einer lästigen verzögerung durch umsteigende fahrgäste kommt. der nächste zug in die jeweilige richtung kommt in 10 minuten. wäre der takt auf diesen linien ein extrem enger, könnte man das ja verstehen, so kann man sich nur seinen büchern widmen. das umblättern fällt bei minusgraden leider ein wenig schwer. sitzplätze auf den bahnhöfen sind auch nicht gerade zahlreich. deshalb habe ich eine kleine wunschliste, liebe s-bahn:

anstatt verköstigungseinrichtungen auf den bahnhöfen zu installieren, wünsche ich mir einen kleinen aber feinen buchladen. zudem beheizte sitzbänke oder zumindest kissen, da die drahtgeflechte im laufe der zeit doch zu leichten erfrierungen am arsch führen können. und vielleicht ein paar ein-euro-jobber zum umblättern der seiten. und vor allen dingen einen störsender für handys. denn dann steigert sich nicht nur der bildungsstand der bürger, nein, es ständen auch nicht so viele schlechtgelaunte menschen auf deinen s-bahnhöfen rum 😆