Tagesarchiv: 16. Februar 2009

web 2.31 – eightmaps.com

die süddeutsche zeitung machte mal wieder darauf aufmerksam, welche absurditäten das netz hervorrufen kann. vorreiter in diesem zusammenhang sind abermals die usa. als obama gewählt wurde fand nebenher in kalifornien eine abstimmung zur homoehe statt. die gegner eine verpartnerung von schwulen und lesben starteten eine kampagne, gegen die möglichkeit sich verheiraten zu können. diese kampagne mündete in eine volksabstimmung mit der nummer „8“. es fand sich eine mehrheit und ab sofort dürfen keine homoehen mehr in kalifornien geschlossen werden.

das scheint skurril ob der großen schwulen- und lesbenszene in san francisco, erklärt sich aber wieder, wenn man den großen katholischen bevölkerungsanteil betrachtet. doch wer in den usa für kampagnen spendet, dessen namen, adresse, beruf und geldsumme müssen veröffentlicht werden. so ist es ein leichtes für „eightmaps.com„, landkarten mit googlemaps zu erstellen, in denen sichtbar wird, wer wieviel gespendet hat. dies wurde mit den gegnerInnen der homoehe gemacht. unter http://www.eightmaps.com öffnet sich eine landkarte, in der kleine rote tropfen verzeichnet sind. wenn man auf sie klickt werden name, beruf und spendensumme sichtbar.

soll man dies nun gutheißen oder schrecklich finden. eine spende ist ja eine unterstützung einer bestimmten politik, also ein öffentliches statement. es kann nicht schaden, zu wissen, wer in der eigenen nachbarschaft gegen die homoehe ist. doch auch als homosexueller kann man die homoehe ablehnen. so sind die beweggründe für die gegnerschaft mit der veröffentlichung der persönlichen daten nicht einsichtig. auf der anderen seite geht es um ein so hohes gut, wie die gleichberechtigung. warum nicht die gegnerInnen beim namen nennen? doch was sind die folgen, wenn man diese datensammlung weiterdenkt? es findet kein diskurs mehr statt, sondern nur noch anprangerungen. in deutschland ist dies zum glück noch nicht denkbar, obwohl man sich bei der spendenaffäre um helmut kohl so etwas gewünscht hätte. weiß man doch bis heute noch nicht, wer die größten spender waren.

zumindest wirft die seite fragen auf, was politik im netz kann und was nicht.

kreatives schreiben und schreibspiele

hier wird immer wieder betont, dass kreatives schreiben vor allen dingen spaß machen soll, doch dann werden teils recht ernsthafte schreibideen veröffentlicht. zum einen hat es damit zu tun, dass es sehr verschieden ist, was einzelnen beim schreiben spaß macht, zum anderen lassen sich viele schreibideen auch einzeln durchführen, etliche schreibspiele aber nicht.

womit schon angerissen wäre, worum es hier geht: beim schreiben zu spielen. nun spielt das kind ja, um seine welt zu entdecken und fähigkeiten zu trainieren. früher ging man davon aus, dass dies irgendwann endet. inzwischen ist man aber der meinung, dass spielen keine altersfrage ist und dass die fähigkeiten des einzelnen menschen auch noch bis ins hohe alter erweitert werden können.

also sind schreibspiele eine gute möglichkeit, um zugang zum eigenen schreiben zu finden. es gibt in diesem zusammenhang viele möglichkeiten. am bekanntesten und beliebtesten sind sicherlich die reihumtexte, die sich durch das umfalten bestimmter zeilen auszeichnen und somit unerwartete ergebnisse zu tage fördern. man kann aber auch kleine wettbewerbe beim erstellen von abc-darien, anagrammen, elfchen oder haikus veranstalten. man kann vorgaben zum inhalt oder zur wortwahl machen. es können texte erwürfelt oder konstruiert werden. „stadt, land, fluss“ ist eigentlich auch ein schreibspiel kombiniert mit einem wissensspiel. die suche nach metaphern für bestimmte begriffe und das anschließende erraten der begriffe kann spielerisch sein. bis zu biografischen übungen, die spielerisch durchgeführt werden.

es ist also nicht schwer, in schreibgruppen dem schreiben seinen allzu ernsthaften charakter zu nehmen. viele haben in der schule schreiben als etwas erstes erlernt, mit dem nicht zu spaßen ist. die korrekte schreibweise war wichtiger als eine spielerischer umgang mit sprache. dabei ist das erfinden neuer worte und deren erklärung oft so amüsant, dass man diese begriffe gern zukünftig verwenden möchte. beim kreativen schreiben ist bezüglich des spaßfaktors mal wieder der goldene mittelweg zu suchen. viele menschen, die sich dem kreativen schreiben nähern, haben schriftstellerische ambitionen oder möchten sich schriftlich ausdrücken. da kann es dann auch zu viel spielerei werden. mit kindern und jugendlichen kann das spielen mit sprache und schrift aber eine anregung sein, das schreiben als unterhaltung zu nutzen. denn lachen ist neben dem schreiben für die vielen widrigkeiten des lebens eine gute bewältigungsstrategie.