Tagesarchiv: 17. Februar 2009

das schreiben und der wandel der zeit

beim aussortieren diverser unterlagen, fiel mir auch ein propaganda-blättchen der bundesregierung aus dem sommer 2007 in die hand. weiß der geier, weshalb ich dies behalten habe. jedenfalls steht da in großen lettern unter „deutschland aktuell“ der titel „gemeinsam den aufschwung gestalten“. anderthalb jahre später würde sich schon die titel „gemeinsam den abschwung gestalten“ oder „gemeinsam die krise überstehen“ anbieten.

schreiben, ob literatur oder im internet, ob journalismus oder tagebuch, unterliegt dem zeitgeist, der sich rasant schnell ändern kann. beim journalismus gehört dies zum job, jeden tag eine neue wichtige meldung, die wochen später schon wieder vergessen ist. aber in der literatur kann dies zum problem werden. vor zwei tagen habe ich bei einer lesung eine geschichte gehört, in der ein handy und sein klingelton die hauptrolle spielten und auslöser vieler verwicklungen war. diese geschichte wird eine begrenzte halbwertszeit haben, da es in etlichen jahren vielleicht gar keine handys mehr gibt.

was geschieht mit geschichten, in denen die glühbirne ein warmes licht spendete. schreibt man nun, „die energiesparlampe spendete ein helles licht“? allein der begriff „energiesparlampe“ klingt extrem technisch und kalt. aber von glühbirnen zu schreiben, würde nicht mehr der realität entsprechen und die geschichte kann nur noch von zeiten vor 2010 handeln. oder storys, in denen saure milch eine große rolle spielt wird es in absehbarer zeit auch nicht mehr geben, da die milch inzwischen ewig haltbar ist. so kann der wandel der zeit die geschichten überholen und sie schnell auf das gebiet der „historie“ verschieben. vor allen dingen texte, die aktuelle techniken und entwicklungen einbeziehen, werden in etlichen jahren wahrscheinlich als geschichten der vergangenheit betrachtet werden, die ein bild davon liefern, wie man damals so lebte.

denn welche kutsche irrt heute noch durch den wald oder welcher autofahrer verfährt sich ohne gps. wer zeitlose literatur verfassen will, soltte nicht unbedingt technik eine rolle spielen lassen oder sie nur am rande erwähnen, denn sicher ist nichts, noch nicht einmal unser wirtschaftssystem.

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paul virilio auf arte – ein fernsehtipp

spät nachts kam gestern eine sehr interessante dokumentation auf „arte„: „paul virilio: denker der geschwindigkeit„. leider ist diese doku nicht im internet zu sehen, doch sie wird noch einmal wiederholt, am 24ten februar, noch ein wenig später, um 3.00 uhr nachts.

wen die gedanken zu unserem beschleunigten und virtualisierten leben des franzosen interessieren, der eigentlich mit architektur zu tun hat, der sollte diese dokumentation aufzeichnen. denn es kommen viele interessante menschen aus den verschiedensten arbeitsbereichen zu wort, vor allen dingen auch der medien, die sich mit den überlegungen von virilio auseinandersetzen. hier wird auch die „globalisierung der affekte“ angesprochen.

ansonsten finden sich noch zusätzliche infos zu virilio auf der homepage von arte. zu finden sind diese hier: http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/DOS__Paul-Virilio/2382838,CmC=2394340.html . und wen noch mehr von virilio oder über ihn interessiert, der klicke auf den externen link zur „bibliographie“. dort findet sich eine schlichte liste der veröffentlichungen, die sicherlich weiterhelfen kann.

web 2.0 und globalisierung der affekte

 

der affekt ist eine emotion oder ein gefühlsausbruch. da wundert es nicht, dass dieser durch das internet sowohl verbreitet als auch verstärkt werden kann. der französische philosoph paul virilio spricht in diesem zusammenhang von der „globalisierung der affekte in echtzeit“. dabei bezieht er sich nicht nur auf das internet, sondern vor allen dingen auch auf das fernsehen.

mir scheint da etwas dran zu sein. die weltengemeinschaft ist inzwischen so vernetzt, dass katastrophen, kriege oder andere emotionen auslösende ereignisse für jeden von zuhause aus abrufbar werden. selbst wenn im fernsehen gerade noch die faschingssendung gezeigt wird, habe ich die möglichkeit, mir über das internet die aktuellen ereignisse ins wohnzimmer zu holen. wer kabelfernsehen hat, schaltet noch „cnn“ dazu und schon ist man live dabei, wenn wirbelstürme über das land toben, bomben gerade explodiert sind oder ganze regionen abbrennen. unterfüttern kann man das ganze zusätzlich mit augenzeugenberichten, die „getwittert“ werden. so geschehen bei den terroristenanschlägen in bombay (mumbai).

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