Tagesarchiv: 18. Februar 2009

biografisches schreiben und schwerpunkte setzen

 

wer einmal angefangen hat, sich dem biografischen schreiben zu widmen und seine eigene lebensgeschichte aufzuschlüsseln, wird im laufe der zeit feststellen, wie reichhaltig das eigene leben war. das kann aber dazu führen, dass sich immer mehr erinnerungen und informationen zum eigenen leben anhäufen und die übersichtlichkeit, diese in einen text oder ein buch zu fassen, verloren geht.

also bleibt einem im laufe der zeit nichts anderes übrig, als schwerpunkte zum eigenen leben zu setzen. was möchte ich für mich erarbeiten und was möchte ich anderen mitteilen. dies spielt natürlich nur dann eine rollen, wenn man sich mit seiner lebensgeschichte an die öffentlichkeit oder an eine teilöffentlichkeit, wie zum beispiel einem nahestehende menschen richten möchte. schreibt man seine biografie einzig für sich selber, muss unübersichtlichkeit nicht stören, sondern kann eher den effekt haben, sich noch mehr details ins bewusstsein zurückzurufen.

bei einer schwerpunktsetzung ist es hilfreich, sich zu überlegen, an wen man sich wenden möchte. Weiterlesen

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schreibidee (97)

es gibt eine figur in allen zeiten, die den menschen auf die nerven geht aber gleichzeitig einen spiegel vorhält. eine figur, die sich nicht um die bewertungen der anderen schert. dadurch ist sie zum einen befremdlich, zum anderen bewundern viele ihren mut. es handelt sich dabei um den „narr„. in der schreibidee soll dieses mal ein „närrischer text“ geschrieben werden.

dafür wird in der schreibgruppe erst einmal dazu angeregt, alle dinge zu notieren, zu denen man den menschen um einen herum gern den spiegel vorhalten möchte. dabei kann es sich um aktuelle moden, die nerven, verhaltensweisen bestimmter menschengruppen, die einem unverständlich erscheinen oder auch gegenstände, deren sinn sich einem noch nicht erschlossen hat.

haben alle teilnehmerInnen eine kleine liste erstellt, wählen sie das stichwort aus, das ihnen im moment am interessantesten erscheint. nun werden zu diesem punkt alle negativen gedanken aufgelistet. was nervt einen denn so daran? warum ist das der fall? wie kann man diesen punkt lächerlich machen? nachdem diese stichworte notiert sind, wird damit begonnen, eine kleine glosse, satire oder einen kommentar zu verfassen. die formulierungen sollen möglichst bösartig und witzig gewählt werden. dabei ist der innere zensor streng in zaum zu halten.

anschließend werden die närrischen texte vorgelesen. um nicht persönlich dafür haftbar gemacht zu werden, werden die texte möglichst ohne namen den leiterInnen übergeben und diese verteilen sie wieder an die schreibgruppenteilnehmerInnen zum vorlesen per zufallsprinzip. anschließend wird nach dem vorlesen bewertet, ob der text einem hofnarren gerecht wird.

schreibpädagogik und störungen

in der pädagogik gibt es das konzept, dass „störungen“ vorrang haben sollten in einer veranstaltung. unter störungen sind situationen zu verstehen, in denen der geplante ablauf einer veranstaltung unterbrochen oder gestört wird. das klingt erst einmal sehr umgänglich und erweckt den anschein, dass den bedürfnissen der einzelnen subjekte aufmerksamkeit geschenkt wird. dem ist nicht zu widersprechen.

aber es gibt eine schwierigkeit dabei, die sich an der schreibpädagogik ganz gut aufzeigen lässt. in dem moment, in dem schreibgruppen angeleitet werden, kann es schwer zu kooperativen arbeitsverhältnissen kommen. den wissenvorsprung und die konzeption der gruppe hat eine person inne. dies wird von vielen teilnehmerInnen auch erwartet, da gruppen heute oft so konzipiert sind. man trifft sich nicht, gemeinsam an etwas zu arbeiten, sondern, um belehrt zu werden.

herrschen aber keine kooperativen arbeitsverhältnisse, bekommen störungen eine ganz andere bedeutung. Weiterlesen