schreibpädagogik und störungen

in der pädagogik gibt es das konzept, dass „störungen“ vorrang haben sollten in einer veranstaltung. unter störungen sind situationen zu verstehen, in denen der geplante ablauf einer veranstaltung unterbrochen oder gestört wird. das klingt erst einmal sehr umgänglich und erweckt den anschein, dass den bedürfnissen der einzelnen subjekte aufmerksamkeit geschenkt wird. dem ist nicht zu widersprechen.

aber es gibt eine schwierigkeit dabei, die sich an der schreibpädagogik ganz gut aufzeigen lässt. in dem moment, in dem schreibgruppen angeleitet werden, kann es schwer zu kooperativen arbeitsverhältnissen kommen. den wissenvorsprung und die konzeption der gruppe hat eine person inne. dies wird von vielen teilnehmerInnen auch erwartet, da gruppen heute oft so konzipiert sind. man trifft sich nicht, gemeinsam an etwas zu arbeiten, sondern, um belehrt zu werden.

herrschen aber keine kooperativen arbeitsverhältnisse, bekommen störungen eine ganz andere bedeutung. es zeigt sich, vor allen dingen in kreativen arbeitszusammenhängen, dass viele menschen aufmerksamkeit und anerkennung für ihre leistungen einfordern. in kooperativen zusammenhängen würde die gegenseitige wertschätzung der teilnehmerInnen genügen und der wissensvorsprung der anleitenden personen von geringerer bedeutung sein. in eher hierarchischen strukturen ist aber vor allen dingen die wertschätzung durch schreibgruppenleiterInnen wichtig.

der versuch unter realen bedingungen, kooperative strukturen zu schaffen, ist mit großer wahrscheinlichkeit zum scheitern verurteilt, da die leiterInnen von den teilnehmerInnen nicht aus ihrer rolle entlassen werden. da ist es auch nicht verwunderlich, dass störungen oft gekoppelt sind an den wunsch, persönliche aufmerksamkeit durch die schreibgruppenleitung zu erhalten. dies führt aber zu der frage, ob jede störung vorrang hat? denn es ist damit zu rechnen, dass es sich in vielen momenten um den bedarf nach zuwendung handelt. diese erhalten in solchen momenten aber nur die teilnehmerInnen, die sie einfordern.

es geht hier nicht darum, die bedürfnisse von schreibgruppenteilnehmerInnen zu ignorieren, sondern sich der widersprüchlichkeit der anleitung von schreibgruppen bewusst zu werden, um einen möglichst ausgewogenen umgang damit zu finden. oder man versucht die bedingungen der durchführung von grundauf kooperativ zu gestalten.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s