literatur und geschmack

 

schon die literaturkritik zeigt, dass dasselbe buch, dieselbe geschichte sehr verschieden wahrgenommen werden kann. es gibt keine objektive literaturkritik, es kann sie gar nicht geben. selbst wenn germanistik und literaturwissenschaften versuchen hintergründe und stile aufzuschlüsseln und wenn behauptet wird, es gäbe einen kanon der wichtigen, „richtigen“ literatur, wird es sich nicht herumsprechen. wie bei allen medien und künsten sind die geschmäcker verschieden.

das muss aber kein nachteil sein. in einem gut ausgestatteten buchladen wird auch noch heute eine bandbreite an literatur angeboten, die reichhaltiger nicht sein kann. auch wenn die großen verlage den markt beherrschen, finden sich doch oft genug nischen, um kleine werke zu platzieren. das ist ein angebot, das nicht zu unterschätzen ist, zeigt es doch, dass der mensch sehr wohl wählt, was er mag. ob nun der unterhaltungsliteratur-krimi gern gelesen wird oder der abenteuerroman, wenige menschen beharren darauf nur ernste weltliteratur zu verköstigen.

hier kann man sicherlich parallelen zum fernsehkonsum oder zum surfen im internet ziehen. da zeigt sich nämlich, dass vor allen dingen auch das bildungsbürgertum, soweit es noch existent ist, gern einmal zur fernbedienung greift und genau das anschaut, das er marcel reich-ranicki so verteufelt hat.

unterhaltung muss nicht immer ein hohes niveau haben, um zu unterhalten. manchmal geht es auch um die sinnfreiere entspannung, die eine unterbrechung in einem verantwortungs“vollen“ leben darstellt.

so stellt sich die frage, inwieweit sich über geschmack streiten lässt? natürlich nicht, wie alle wissen. wichtig scheint nur, dass alle literarischen erzeugnisse ihre berechtigung haben. leider wird dies oft in frage gestellt, vor allen dingen, wenn man versucht einen literarischen kanon zu formulieren. es gibt weltliteratur, die mich abgrundtief gelangweilt hat und es gab trivialromane, die ich vielfältiger fand, als die kritik ihnen zugestand. das maß der dinge kann mensch nur für sich selber finden. im laufe der zeit differenzieren sich die interessen automatisch aus, wenn man nicht daran gehindert wird, sie zu entwickeln. hier wäre auch wieder einmal die schule gefragt, die immer noch an einem gewissen qualitätsanspruch festhält und deshalb leider den spielraum für verschiedene geschmäcker sehr einschränkt.  schade, denn die analyse von trivialliteratur könnte auch etwas über den aufbau eines romans aufzeigen. und warum sollen nicht auch schülerInnen sich zwischendurch entspannen dürfen?

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