Tagesarchiv: 23. Februar 2009

wortklauberei (27)

„wir werden das konjunkturtal überwinden“

liebe frau bundeskanzlerin, das mit den 50 milliarden ist ein ganz schönes ding, oder wie es in ihrer neusten ausgabe „deutschland aktuell“ dazu heißt: „arbeitsplätze sichern – wachtstumskräfte stärken“. im hintergrund ist ein autohandel zu sehen. wer dabei wem versucht ein auto zu verkaufen, ist nicht zu erkennen. das soll wohl alles vertrauen erwecken, damit meine zweifel an dem existierende wirtschaftssystem nicht zu groß werden. sind sie aber. vor allen dingen, wenn ich über ihrem beitrag sätze lese wie „wir werden das konjunkturtal überwinden„.

wir könnten das tal überbrücken, vielleicht auch durchschreiten, uns hineinstürzen, uns ins tal abseilen, dort am grund des tales die geldflüsse durchschwimmen, am tal entlang gehen oder nur talwärts blicken, aber wir werden schwierigkeiten haben das tal zu überwinden. sinnvoller wäre es dann doch den schuldenberg zu überwinden. wissen sie frau bundeskanzlerin, ich halte die macherInnen ihres blättchens nicht für naiv, sie wählen die worte überlegt. nicht ohne grund steht die überschrift „geldverschwendung lässt sich stoppen“ unter der rubrik „energie“ und nicht unter „50-milliarden-programm“. so wollen wir das tal, die widrigkeiten überwinden, obwohl kein mensch weiß wohin die reise geht, aber gebucht ist und teuer genug ist sie auch. „überwinden“ klingt einfach so schön danach, die probleme nur noch im rückspiegel des neuen staatlich geförderten autos zu sehen.

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schnickschnack (60)

letzte nacht vielen dann die entscheidungen über den „oscar„. interessant dabei erscheint die mischung aus künstlerischer bewertung und politischer haltung. hollywood war schon immer ein ort des kulturellen gegenpols zum konservativen amerika.

bei der gestrigen verleihung konnte man dies beim oscar für „sean penn“ feststellen. es geht um die homo-ehe in kalifornien. der film über „harvey milk„, den schwulen bürgerrechtler in san francisco kam zur passenden zeit in die kinos. in den usa tobt der kulturkampf um die gleichberechtigung homosexueller lebensgemeinschaften eine stufe schärfer als in deutschland. der „weltspiegel“ in der ard berichtete darüber, es kann noch einmal unter http://www.weltspiegel.de angeschaut werden.

und so wurde die verleihung an sean penn also auch zu einem statement für die homo-ehe, das sean penn bei seiner dankesrede offen aussprach. wiederum der saal honorierte diese haltung mit viel applaus. denn man achte auch darauf, welcher schauspieler in hollywood offen schwul und welche schauspielerin offen lesbisch ist, so gut wie niemand. das erstaunt ein wenig, da auch dieses arbeitsfeld nicht wenige homosexuelle bindet. denn ein coming out in der dankesrede für den „oscar“, also der gruß an den lebenspartner oder die lebenspartnerin kann die gesamte karriere kosten, auch heute noch. offene diskriminierung darf es nicht geben, aber die besetzungslisten sprechen dann häufig eine klare sprache. so war zumindest der applaus erfrischend und man kann nur hoffen, dass sich auch in hollywood noch mehr ändert. alle ergebnisse der verleihung sind zu finden unter: http://www.oscar.com .