schreibpädagogik und politik

 

kreative hobbys werden von vielen menschen gern als apolitische beschäftigungen angesehen. doch schon die möglichkeit, diesen hobbys nachgehen zu können (oder zu müssen), spiegelt ein gesellschaftliches konzept wieder. teilweise werden kreative tätigkeiten als kontrast zum arbeitsalltag gewählt, der keinen raum für kreativität lässt. somit wird teilweise das wohlbefinden aus der arbeit ausgeklammert. mensch sorgt für seinen eigenen ausgleich, um die existenzsicherung auszuhalten. hier sind wir mitten in der politik. oder die andere seite, es gehört zum guten ton, bestimmten hobbys nachzugehen. selbst in der freizeit bauen sich noch konkurrenzverhältnisse auf. schönstes beispiel hierfür ist zum beispiel „das perfekte dinner“ als wettbewerb zwischen menschen, die gern kochen und gäste haben.

abgesehen davon ist so gut wie kein text frei von persönlichen einflüssen. hinter diesem subjektiven anteil stecken aber lebenseinstellungen und persönliche werte. so spiegeln auch die einzelnen texte gesellschaftliche haltungen wieder, die ohne probleme als politisch betrachtet werden können. darüber wird selten diskutiert, so lang es sich nicht um ein politisches buch oder eine biografie handelt. das kreative schreiben erweckt den eindruck, es käme politikfrei daher. dabei können schon die bedingungen, unter denen texte entstanden sind, reflektiert werden.

bei der anleitung von schreibgruppen kann man oft feststellen, dass dies von den teilnehmerInnen ungern thematisiert wird. hier scheint es bedrohlich oder anstrengend, seine freizeit auch noch mit gesellschaftlichen fragen zu füllen. diskussionen auf der „meta-ebene“ werden ungern geführt. der gedanke, dass mensch ein soziales wesen also auch von der gesellschaft beeinflusst ist, scheint in zeiten der selbstdarstellung megaout. das ist schade, da gerade im kreativen und biografischen schreiben gesellschaftliche zusammenhänge noch besser aufgeschlüsselt werden könnte. letztendlich wird auch häufig gegen missstände angeschrieben. und das internet zeigt, dass geschriebenes wirkung haben kann, nicht muss. diskurse in schreibgruppen könnten also auch politisch sein, zumindest sollte der versuch gemacht werden, dafür raum zu geben.

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