Monatsarchiv: März 2009

kreatives schreiben und digitale schreibwerkzeuge (1)

die zeiten ändern sich. immer weniger wird von hand geschrieben und immer mehr am computer, entweder getippt oder diktiert über eine spracherkennungssoftware. diese vorgehensweise wird sich noch stärker in richtung der digitalen schreibwerkzeuge verschieben. nun kann man in schreibgruppen einer nostalgie frönen, indem man darauf besteht, dass mit dem stift geschrieben wird, doch im laufe der zeit wird sich dies nicht aufrecht erhalten lassen.

wie sehen aber die konsequenzen in schreibgruppe aus, wenn alle teilnehmerInnen mit einem laptop kommen? eine tatsache wird sein, die texte werden länger. man kann also weniger zeit für die schreibaufgaben veranschlagen, denn wenn die teilnehmerInnen das zehn-finger-schreibsystem beherrschen, können sie mehr tippend denn handschriftlich notieren. eine weitere tatsache wird sein, dass sich die texte ein wenig verändern, denn tippen aktiviert andere gehirnregionen als von hand schreiben. hier kann kein maßstab besser oder schlechter angelegt werden. es geht darum, wieweit vor allen dingen kreative schreibanregungen sich umsetzen lassen. dabei sind manche dinge zu bedenken.

zum einen lassen sich reihum-texte oder schreibspiele schwerer umsetzen. die weitergabe eines laptops ist umständlicher als die eines blatt papiers. anstatt des umknickens können sätze weiß gefärbt werden und verschwinden somit im hintergrund.

zum anderen haben alle menschen ihren eigenen computer verschieden ausgestattet, Weiterlesen

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nabelschau (11)

ich will mein fahrrad abwracken. es gibt menschen in dieser gesellschaft, die ihre mobilität mit dem öpnv (öffentlicher personennahverkehr) und dem fahrrad erlangen. sie haben sich schon vor jahrzehnten überlegt, dass es in dieser gesellschaft zu viele autos gibt und dass sich der großteil der zurückzulegenden wege auch so bewerkstelligen lassen. diese menschen haben die arschkarte gezogen.

schon früher bei der pendlerpauschale konnten man sein fahrrad nicht berücksichtigen. das änderte sich zum glück vor geraumer zeit ein wenig. auch steuerlich lässt sich ein dienstfahrrad immer noch nicht geltend machen, war es doch die persönliche entscheidung auf ein auto zu verzichten. und jetzt wieder. die autoindustrie, die beständig daran gearbeitet hat, das sparsame auto nicht zu produzieren, obwohl dies technisch längst möglich ist, soll auf teufel komm raus gestützt werden.

die gesellschaft hat unsummen in den ausbau ihrer autobahnen und straßen gesteckt und behandelte den nahverkehr immer äußerst stiefmütterlich. die konsequenz: der nahverkehr erscheint für viele immer noch nicht attraktiv, da allein die anschlüsse einen gehörigen mehraufwand an zeit benötigen. ähnlich sieht es mit der bahn aus, die lieber nebenstrecken schloss, und den verkehr auf busse verlagerte, als ein attraktives angebot zu machen. dies fiel übrigens nicht vom himmel, sondern war politisch gewünscht. denn der aufsichtsrat der bahn ist von der bundespolitik getragen, wie man gerade feststellen konnte.

und so gibt es für ein neues auto geldgeschenke, also subventionen, die ich mit bezahle. doch wenn mein fahrrad durch häufigen gebrauch das zeitige segnet, dann muss ich dies vollständig selbst finanzieren. die ökobilanz des fahrrads wird nicht honoriert, die schlechte ökobilanz der einzelfahrerInnen wird noch unterstützt. skurril bei den zu erwartenden ökologischen folgen. aber versuchen sie mal, eine abwrackprämie für ihr fahrrad zu bekommen. obwohl diese industrie sicher auch unterstützung gebrauchen könnte.

schreibpädagogik und supervision

das leiten von schreibgruppen und schreibwerkstätten ist nicht ganz einfach. man ist, wie bei anderen gruppen, mit dynamiken und konflikten konfrontiert. daneben sind veranstaltungen, die sich mit kreativem ausdruck beschäftigen für alle teilnehmerInnen auch etwas sehr persönliches und emotionales. ebenso, wenn sie mitschreiben, für leiterInnen dieser gruppen. in den momenten, in denen ich im psychosozialen bereich persönlich in abläufe und diskurse involviert bin, empfiehlt sich eine supervision.

leider ist das nicht standard bei leiterInnen von schreibgruppen, dass sie sich im laufe der zeit professionelle unterstützung suchen, die ihnen eine möglichkeit der selbstreflexion bieten. da erscheinen die schreibgruppen immer noch „zu kreativ“ und zu wenig „therapeutisch“ oder „psychologisch“, um sich diese unterstützung zu suchen. nun, man kann zwar in seinen schreibveranstaltungen bei seinen teilnehmerInnen immer wieder darauf hinweisen, dass es sich um keine therapeutische veranstaltung handelt, doch emotionale ausbrüche oder krisen kann man beim schreiben nicht verhindern. und damit hat man einen umgang zu finden, wenn man sich für die gruppe verantwortlich fühlt.

viele schultern diese anforderungen allein, da eine anleitung zu zweit, niemanden ernähren geschweige denn unterhalten kann. Weiterlesen

biografisches schreiben und vorbilder

menschen suchen sich für ihre lebenskonzepte vorbilder. entweder handelt es sich dabei um menschen im näheren umfeld, die kennengelernt wurden und deren lebensweise bewundernswert erscheint. oder es handelt sich um bekannte persönlichkeiten, von denen man viel gehört hat, sich mit ihren positionen auseinandersetzte und deren ansichten einem einleuchteten. diese orientierung an anderen kann eine große hilfe sein, eigene ziele und erwartungen an das leben zu formulieren

doch es handelt sich dabei um ein zweischneidiges schwert. denn der hang unerreichbares als vorbild zu nehmen, kann das eigene selbstwertgefühl gehörig heruntersetzen. es werden dabei die eigenen qualitäten gern unter den tisch fallen gelassen, um einem ideal zu folgen, das in der eigenen lebenssituation schwer umsetzbar sein wird. und selbst wenn man dem ideal sehr nahe kommt, kann man noch einen drauf setzen und weiterhin der meinung sein, nie das zu erreichen, das man erreichen möchte.

bei der betrachtung der eigenen lebensgeschichte, schadet ein blick auf die persönlichen vorbilder nicht. hierfür kann entlang einer zeitleiste mit den eigenen lebensjahren eingetragen werden, welche ideale man wann verfolgte. die einfachste variante notiert die personen, die man bewundert hat und denen man ähnlich werden wollte. doch man kann noch einen schritt weiter gehen und notieren, welche ideale mit den personen verknüpft waren. dann vielleicht ein resümee ziehen, ob man manches von dem erreicht hat, das man einst anstrebte. und sich zum schluss einmal betrachten, wie realistisch die erwartungen an einen selber waren. wenn man diese betrachtung in die eigene biografie einfließen lässt, kann es leserInnen aufzeigen, dass positive oder negative vorbilder zu haben, sicherlich ein ansporn sein kann. dass aber das eigene leben nicht aus den augen verloren werden sollte. denn oft schaut man bei der idealisierung von personen nicht hinter die fassade und dort kann es ganz anders aussehen.

wortklauberei (31)

„karriere lounge“

geahnt hat man es ja schon immer. der streit um die bonus-zahlungen für bankmanager hat es nur noch einmal bestätigt: einmal in einer bestimmten position, karriere gemacht, fließt das geld automatisch zu den menschen. man kann nur noch die treppe rauffallen und nur sehr selten abstürzen.

da passt es ganz gut, dass ein großer bekleidungskonzern im rahmen seines „general management programm“ eine „karriere lounge“ anbietet. das kann man so oder so verstehen. laut deutscher definition handelt es sich bei einer „lounge“ um einen aufenthaltsraum, einen wartesaal oder ein wartezimmer. momentan kann man da eventuell ganz schön lange warten, bis man karriere im management machen kann. werden doch eine ganze menge manager zur zeit dem arbeitsmarkt wieder überantwortet, wie man es so schön formulieren kann.

man kann es aber auch anders übersetzen: das englische „to lounge“ heißt übersetzt „faulenzen“. mal karriere gemacht, ein sicherlich zeitaufwendiges unterfangen, kann man den rest seiner arbeitstage faulenzen. das hübscheste daran ist, und hier schweife ich von den banken ab, man kann den größten bockmist bauen, in den seltensten fällen wird man zur verantwortung gezogen. Weiterlesen

selbstbefragung (08) – krankheit

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „krankheit„.

  • konnten sie im lauf der jahre eine persönliche beziehung zu ihrem arzt oder ihrer ärztin aufbauen, da sie sie so oft aufsuchen? warum?
  • was löst es in ihnen aus, wenn gute freunde von ihrer krankheit erzählen?
  • leiden sie, wenn sie krank sind?
  • wie gehen sie damit um, dass schmerzen erst einmal unausweichlich sind?
  • der krankenstand ist in deutschland auf extrem niedrigem niveau. haben sie eine erklärung dafür bei dem stress, der überall herrscht?
  • „machen“ sie auch mal krank? warum nicht?
  • machen sie die „gesundheitsreformen“ auch krank? begründen sie.
  • welches war oder ist bis jetzt ihre unangenehmste krankheit?
  • denken sie bei krankheit viel an den tod?
  • wenn sie wieder gesund sind, führen sie ihr leben so weiter, wie sie es vorher gemacht haben? warum?

schreibidee (108)

diese schreibidee hat einen spielerischen aspekt, der gleichzeitig den umgang mit kritik an geschriebenem trainieren kann. wenn menschen sich mit eigenem an die öffentlichkeit begeben, fällt es oft schwer, kritik einzustecken. darum soll es in der schreibanregung zu einer „kommentar-orgie“ kommen. diese orgie hat beinahe etwas dialogisches.

zum einstieg sind zwei variationen denkbar. entweder alle teilnehmerInnen der schreibgruppe werden im vorfeld aufgefordert, einen kurzen text mitzubringen, den sie erst einmal vortragen. oder es besteht die freie wahl, einen text zu verfassen, der nicht länger als zwei seten sein sollte. die texte werden auf alle fälle an andere teilnehmerInnen weitergegeben.

und nun sind alle aufgefordert, den text, der ihnen vorliegt, zu kommentieren. dazu sollen sie satz für satz vorgehen und nach jedem satz einen kommentarsatz schreiben. steht da zum beispiel: „sie zog ihren moosgrünen mantel an.“ könnte kommentiert werden: „warum nicht einen roten?“ oder „mir gefällt lindgrün besser.“. die kommentare dürfen natürlich auch gehaltvoller sein. wichtig ist nur, dass nach jedem satz ein kommentar steht. die texte werden dann an die verfasserInnen zurückgegeben.

jetzt ist es an den verfasserInnen, die kommentare durchzulesen, und dort änderungen vorzunehmen, wo sie die anmerkungen sinnvoll finden. es geht nicht darum, den text noch einmal vollständig neu zu schreiben, sondern satz für satz den kommentaren zu folgen, also eigentlich den dialog zu lesen. im vorfeld sollte man bei dieser schreibidee auf alle fälle formulieren, dass bei den kommentierungen ruhig witz und sprachspiel zum zuge kommen dürfen. es geht nicht darum, lektorIn zu spielen. es geht darum, eigentlich im nachhinein, gemeinsam einen text zu verfassen, wobei die autorInnen die oberhand behalten. am schluss werden die entstandenen texte vorgelesen.

schreibaufgabe (25) – ergebnis – kurz-kurzgeschichten

das gummibärchen

du bist ja das letzte„, sagt sabine, als sie mit dem zeigefinger versucht das rote gummibärchen aus dem tütenzipfel zu puhlen. „ach so stehst du zu mir!“, rief uwe in diesem moment und verließ sabine für immer, nachdem er sich so mühe mit dem heiratsantrag gegeben hatte.

 

das schaf

„du bist ja das letzte!!“, murmelt paul verzweifelt im halbschlaf. ich ahnte, dass dieser tag kommen würde, dachte er. seit achtzig jahren zählte er abends im bett schafe, wie sein vater ihm das gezeigt hatte, um einschlafen zu können. nie waren ihm die schafe ausgegangen. doch nun spürte er nur noch den starken stechenden schmerz in der brust.

 

das rennen

„du bist ja das letzte kind“, rief hildegard zornig ihrer tochter zu, „das über die ziellinie gesprintet ist!“ und dachte dabei an die vielen männer, die sie als callgirl bedient hatte, damit anastasia am training für die landesauswahl der unter 10-jährigen mädchen teilnehmen konnte. die macht das nur, um mich zu ärgern, kam ihr in den sinn. seit sie vorletzte woche nachts aufwachte und ich nicht da war, versucht sie immer so lang wie möglich wach zu bleiben, damit ich nicht gehe.

 

das cremetörtchen

„du bischd ja dasch letschte“, ruft holger panisch mit dem letzten cremetörtchen im mund vor dem kühlschrank sitzend. es ist noch nicht genug. irgendwo müssen noch die schokoriegel sein. wo hat er sie nur hingelegt? es ist noch zu wenig, um sich den finger in den hals zu stecken.

 

die sparbüchse

„du bist ja das letzte!“, sagt edgar zu sich, als er im kinderzimmer auf dem boden sitzt und die sparbüchse von tom öffnet. „aber was soll ich machen, wenn kein schnaps mehr im haus ist?“ er kann auch nichts dafür, wenn helga alles weggeschüttet hat. ich lass sie erst wieder aus dem keller, wenn ich etwas wodka getrunken habe, denkt er bei sich, sonst halt ich das geschrei nicht aus.

 

das essen

„du bist ja das letzte!“, brüllt anna in ihr handy, „mich hier drei stunden mit dem fertigen essen sitzen zu lassen. du glaubst wohl, ich möchte keinen feierabend haben. ist ja nur hausarbeit. jeden tag der gleiche scheiß.“ „tschuldigung?“, murmelt es vom anderen ende. „wer ist denn da?“ „spreche ich mit frau ehrenbach?“ „ja“ „hier ist hauptkommissar bertram, ich wollte ihnen mitteilen, dass wir ihren mann aufgehängt im stadtpark gefunden haben.“

(mörz 2009)

datenschutz und rasterprogramme

erstaunlich ist es nicht, dass die bahn die mails ihrer mitarbeiterInnen gerastert hat, denn es gibt die programme dafür. es würde auch nicht erstaunen, wenn andere konzerne dies ebenso machen, es schaut nur keiner genau hin. die programme sind auch nicht so neu. und was da ist, wird auch angewendet werden. hier ist die diskussion sicherlich eine stufe früher zu führen. das soll nicht heißen, dass es keine konsequenzen haben muss, wenn arbeitgeber wissentlich gegen gesetze verstoßen.

aber es wäre überhaupt die frage, weshalb jemand programme schreibt, die den menschen immer besser erfassen, rastern und stichworte suchen. sicher, suchfunktionen können am einzelnen computer oder im firmennetzwerk hilfreich sein, doch dann sind sie für jeden nutzbar und sichtbar. aber man muss sie schon wissentlich verstecken, um die mitarbeiterInnen nichts merken zu lassen. wer schreibt so etwas? welche firma bietet diese dienstleistungen an?

der mensch ist noch zu viel mehr bereit. heute wirbt die telekom in der tageszeitung für das neue iphone und ist ganz stolz darauf, das programm „lokalisten“ anbieten zu können. es ist sozusagen ein ortungsprogramm für „freunde“. ich kann also auf meinem handy sehen, wo sich meine freunde gerade mit ihrem handy befinden, wenn diese das programm ebenso nutzen. wer möchte das? eltern, die ihre kinder auf schritt und tritt überwachen, beziehungspartner, die nicht vertrauen, arbeitgeber, die ihre mitarbeiter kontrollieren und viele andere grenzüberschreitende interessentInnen. hier wird der gläserne mensch als freizeitspaß angeboten.

so rastern und überwachen wir uns schritt für schritt gegenseitig und weiterhin stört sich niemand daran. eigentlich benötigt es jetzt nur noch die verknüpfung von kontodaten, mailverkehr, aufenthaltsort, kredit- und bankkartendaten und dem krankenkassenchip, dann haben wir die absolute kontrolle. man kann sicher sein, es arbeitet schon längst jemand daran, vielleicht wird es auch schon angewendet. anscheinend wollen wir alle die elektronische fussfessel 😦 so geht zumindest niemand mehr verloren.

web 2.36 – re:publica `09

im dritten jahr in folge gibt es ein treffen der deutschen bloggerInnen-szene in berlin. unter dem motto „shift happens“ (veränderung passiert) gibt es zahlreiche vorträge und diskussionsrunden zu allen aspekten rund ums bloggen. daran beteiligen sich sowohl profis, amateure als auch firmen und konzerne. die veranstaltung nennt sich „re:publica `09“ und findet vom 01ten bis 03ten april im friedrichstadtpalast und in der kalkscheune in berlin statt.

dass bloggen anscheinend in deutschland erst so langsam in die gänge kommt, zeigt sich daran, dass dies die einzige veranstaltung ihrer art in der bundesrepublik ist und dass sie beständig wächst. das kontingent der dauerkarten für die drei tage ist schon ausverkauft, der zugang für journalistInnen muss beschränkt werden, da die räumlichkeiten nicht mehr platz bieten. es können anscheinend nur noch karten für einzelne veranstaltungen und tage bezogen werden. ein wenig schade ist es, dass online keine übertragung zu sehen ist. zumindest kann ein rss-feed installiert werden, der die neuesten meldungen rund um die veranstaltung bündelt und natürlich kann der veranstaltungseigene blog besucht werden. zu finden ist dieser unter: http://www.re-publica.de/09/ . na ja, und nächste jahr muss wohl auf noch größere räume ausgewichen werden, denn shift happens.

web 2.0 und handarbeiten

in dem jahr, in dem die plaste- und elaste-figur „barbie“ 50 jahre alt wurde, gibt es einen zweiten gegenläufigen trend, der trend zur häkelpuppe. das scheint um so erstaunlicher, da ansonsten poitik und gesellschaft über ballerspiele und internetsucht diskutieren. die häkelpuppe war einmal der versuch, als die produktion von spielzeug noch nicht wieder am laufen war, kindern etwas zum spielen in die hand geben zu können.

heute finden sich diese „spielzeuge“ in der werbung und in der kunst wieder. so beendete gerade die sängerin francoise cactus von „stereo total“ eine ausstellung, in der sie auch ihre „häkeldiven“ vorstellte. wer glaubte, dass im zeitalter der digitalisierung die handarbeiten als hobby sich auf dem rückzug befänden, sieht sich getäuscht. das gegenteil ist der fall.

unter den top-blogs von wordpress.com finden sich zum beispiel in großer regelmäßigkeit häkel- und strick-blogs. es hat sich eine community rund um die handarbeiten herausgebildet, die sich gegenseitig ihre erzeugnisse und ideen präsentiert. und dies inzwischen in professioneller virtueller form. so werden fotografien der ergebnisse eines kreativen strick- und häkelprozesses ins netz gestellt und von anderen handarbeiterInnen kommentiert. übrigens ist das große „I“ in diesem zusammenhang mit bedacht gewählt, da sich längst auch männer an den blogs zum handarbeiten beteiligen. natürlich sind sie noch in der minderheit, aber das verarbeiten von wolle und garn ist schon länger nicht auf ein geschlecht beschränkt.

und wem die bloggerei an informationen noch nicht genügt, der hat die möglichkeit bei „youtube“ einfach mal die begriffe „stricken“ oder „häkeln“ einzugeben. hier werden anleitungsfilme zu diversen maschen- und schlaufenkunststücken präsentiert. also, sollte die finanzkrise doch alle spielzeug-produktionen lahmlegen, neben dem kreativen schreiben gäbe es noch viel spielzeug aus der maschen-manufaktur.

biografisches schreiben und kinder

 

was bisher in diesem blog zum biografischen schreiben überhaupt noch nicht berücksichtigt wurde ist, dass sich etliche menschen dafür entscheiden gemeinsam kinder zu bekommen oder zu adoptieren. dazu kommt noch, dass manche diese entscheidung gar nicht treffen, sich dies aber ergibt. diese veränderung, nämlich verantwortung für junge menschen zu übernehmen, verändert vieles im leben.

natürlich ist es interessant einmal zurückzublicken, wie zum beispiel die beweggründe aussahen, für nachwuchs zu sorgen. ist es möglich, jahrzehnte später eine kritische distanz zur eigenen entscheidung einzunehmen? von außen betrachtet gibt es zum beispiel eine ganze menge eltern, die anscheinend durch ihre kinder etwas leben wollen, was sie sich selbst versagt haben oder mussten. oder inwieweit hat sich das leben durch kinder so entwickelt, wie man sich das vorgestellt hat? wie groß war die angst, fehler bei der erziehung zu machen? ist der nachwuchs so geraten, wie man ihm dies wünscht oder ergaben sich eher dramen, die eine distanzierung von den eigenen kindern verursachten?

kinder haben wahrscheinlich mindestens einen so großen einfluss auf die eigene entwicklung wie beziehungspartner. Weiterlesen

schreibaufgabe (25)

ich blogge jetzt beinahe genau ein jahr lang, habe in dieser zeit 25 schreibaufgaben gestellt, doch die resonanz war sehr gering. zwischendurch hatte ich eine abstimmung durchgeführt, die mir zu verstehen gab, doch weiter schreibaufgaben zu stellen. die resonanz blieb weiterhin gering. so habe ich nun beschlossen, die schreibaufgaben erst einmal einzustellen. die letzte bietet noch einmal die möglichkeit, sich schreibend zu veröffentlichen. und dieses mal dem anlass angemessen mit einem satz. der text oder die geschichte soll vor allen dingen einen gesprochenen satz enthalten: „du bist ja das letzte!„.

ansonsten sollten nicht mehr als 500 wörter verwendet werden. ich freu mich erst einmal über „die letzten“ texte von anderen menschen in diesem blog.

schreibspiel (02) – falt- und knicktexte (2)

 

erste varianten, falt- und knicktexte als spielerischen umgang mit der sprache zu verwenden, wurden hier im blog (https://schreibschrift.wordpress.com/2009/03/21/schreibspiel-01-falt-und-knicktexte-1/) schon vorgestellt. nun möchte ich noch ein paar weitere varianten vorstellen.

variante 5: hier wird es ein wenig schwer in der beschreibung. es geht um versetztes schreiben, das beständig lücken im text für die nächsten schreiberInnen lässt. und zwar wird von der ersten person der erste und der dritte satz notiert, von der nächsten der zweite und fünfte, dann der vierte und siebte satz und so weiter. das bedeutet, die nächsten schreibenden haben die aufgabe einen satz in eine lücke zu setzen und eine neue lücke zu schaffen. hier ist die anpassung an die vorgaben der anderen noch stärker gefordert, damit der text ansatzweise einen sinn ergibt.

variante 6: bei dieser variante wird mit der menge des zu schreibenden variiert. so kann gesagt werden, dass jede person einen absatz formuliert, bezogen auf den letzten absatz, der sichtbar ist. so können aus den federn einer schreibgruppe diverse geschichten entstehen. für dieses spiel ist einige zeit notwendig und sicherlich auch mehr als ein blatt papier.

variante 7: nun wird das genre gewechselt, es geht darum mit knicken und falten gemeinsam lyrik oder ähnliches zu verfassen. so kann man zum beispiel elfchen verfassen, wobei man nur die letzte zeile kennt (also erst ein wort, dann zwei, drei, vier und wieder eins). oder es wird ein schneeball geschrieben, also erst eins, dann zwei, drei, vier, drei, zwei, ein wort. es kann auch vorgegeben sich reimende vierzeiler entstehen zu lassen. diese vorgehensweisen können beinahe unendlich variiert werden.

variante 8: als letzte idee soll hier der versuch, zu vielen dialoge zu verfassen, vorgeschlagen werden. es bleibt also während des schreibens beständig die reihenfolge „person a“ sagt etwas, dann „person b“, dann wieder „person a“. als schreibende(r) sieht man immer nur die letzte aussage im gespräch und reagiert darauf, dann wird wieder umgeknickt und weitergegeben. hier kann auch vorgegeben werden, über was gesprochen werden soll, wieviel gesagt wird oder in welchem tonfall usw..

alle spielvarianten können sowohl zu sehr amüsanten zufallstexten führen als auch manchmal zu erstaunlich lyrischen oder zusammenhängenden werken. das kann nie vorhergesagt werden, macht aber am schluss bei der auflösung der texte meist viel spaß.

web 2.35 – literaturkritik.tv

das web 2.0 und die aktuelle computertechnik erleichtern die produktion von filmen und deren verbreitung. und wenn die öffentlich-rechtlichen fernsehsender die literaturkritik verstärkt in den hintergrund oder in die nachtschiene rücken, dann bietet das internet inzwischen gute voraussetzungen, um interessierten wieder ein angebot zu machen.

hier im blog wurde über einen kleinen kommentar auf eine homepage hingewiesen, die ich bis dahin nicht kannte, auf die ich aber gern noch einmal hinweisen möchte, nachdem ich sie mir angesehen habe. eine beinahe „ein-frauen-produktion“ von bettina koller bietet den surferInnen im netz die möglichkeit, sich sowohl literaturkritiken in filmischer version anzuschauen als auch interviews mit autorInnen.

das ist eine schöne idee und sie wurde ausgiebig auf der leipziger buchmesse verwirklicht. es ist etwas ganz anderes, die menschen hinter den büchern noch einmal zu sehen, und sie zu wort kommen zu lassen. da die seite anscheinend gerade mal ein dreiviertel jahr existiert, ist noch nicht mit einem riesigen angebot zu rechnen, aber man mit dem angebotenen auf alle fälle etliche zeit verbringen. besonders gut gefällt mir die verschränkung von modernen medien mit dem versuch, das lesen von büchern zu fördern. hier wird das web 2.0 als ergänzung genutzt, die einen auf interessante leseideen bringen kann.

also, falls man gerade nicht weiß, was man lesen soll, einfach mal hier vorbeischauen: http://www.literaturkritik.tv .

kreatives schreiben und depression

depression ist eine psychologische diagnose, die zum einen zunimmt in dieser stressigen und hektischen welt, die aber zum anderen auch gern sehr schnell ausgesprochen wird, obwohl es sich nur um eine depressive verstimmung handelt, die sich nicht groß von schlechter laune oder traurigkeit unterscheidet. jemand, der unter depressionen leidet, befindet sich in einem ganz anderen zustand, der es ihm oder ihr beinahe unmöglich macht, den alltag überhaupt noch zu bewältigen. hier ist professionelle hilfe auf alle fälle angesagt und oft auch hilfreich.

nun sollte man meinen, dass menschen, die antriebsschwach, grüblerisch und pessimistisch sind, nicht unbedingt etwas mit kreativem schreiben anfangen können. doch bei depressionen sind es auch die kleinen erfolgserlebnisse, die neben einer psychiatrischen oder psychotherapeutischen behandlung hilfreich sein können. so gibt es nicht selten die anregung, einen kreativen ausdruck zu suchen, auch für die beschreibung der eigenen situation.

der versuch, sich in eine gruppe zu setzen, kurze kleine texte mit hilfe von schreibspielen oder angeregt durch verschiedene assoziationstechniken zu verfassen, kann schon viel auslösen. Weiterlesen

schnickschnack (66) – mannkann.com

der besuch von toiletten ist heutzutage nicht mehr nur der versuch, körperflüssigkeiten loszuwerden. viele menschen bringen nach dem gang für kleine königstiger bunte postkarten und lesematerial mit. doch nicht genug damit, in den letzten jahren etablierte sich die augenfällige werbung direkt über dem pissbecken, die männern zusätzliche informationen zur verfügung stellen. die toilette als litfasssäule für die sinnlich vitalen bedürfnisse oder probleme.

wer in den letzten monaten mit einem ice durch die deutschen lande rauschte, konnte vor den toiletten, wenn er sie verließ direkt auf ein plakat mit einem mann darauf schauen, auf dem stand: „harndrang unter kontrolle“. darunter bot sich ein produkt an, das dem mann eine große hilfe sein sollte.

doch der schönste hinweis fiel mir vor kurzem beim laufen lassen ins auge. der hinweis, dass auch der mann zu multi-orgasmen fähig ist. natürlich wurde sofort das passende buch, mit alten geheimnisvollen techniken angeboten, um dem mann die freude zu verlängern. da anscheinend der mann ein problembesetztes wesen ist, was seinen sex angeht. zum buch gibt es auch eine homepage: http://www.mannkann.com .

dort ist nachzulesen, dass man seinen sex „unter kontrolle“ bringen kann, also nicht nur den harndrang. schön, immer wieder zu erfahren, wenn man sich erleichtert, also loslässt, dass eigentlich alles unter kontrolle sein sollte. vielleicht sollte man generell die toiletten für männer abschaffen, wäre ein gute training 😛

schreibidee (107)

große schwierigkeiten bereiten oft textanfänge. wie den einstieg in die geschichte oder das buch schaffen? deshalb soll der frühlingsanfang dieses mal vorbild sein für die Schreibanregung. es werden „textknospen“ erstellt, die ein anfang sein können.

einstieg in dieses thema könnte es sein, dass die leiterInnen der schreibgruppen einen packen weltliteratur mitbringt und sich vorher die ersten zwei sätze der jeweiligen bücher notiert hat. diese sätze werden zu beginn vorgelesen und die teilnehmerInnen raten, zu welchem buch die sätze gehören. anschließend werden die bücher zu den anfängen präsentiert.

dann werden in der gruppe verschiedene anfangssätze für geschichten notiert. dazu wird reihum gearbeitet. alle teilnehmerInnen notieren das erste wort auf einem zettel, geben diesen weiter, die nächsten schreiben das zweite wort. so geht es immer weiter, bis zwei sätze auf jedem blatt stehen. diese sätze sollen den anfang zu geschichten oder texten bilden.

nun werden die anfänge verlost und die teilnehmerInnen der gruppe schreiben die ersten zwei seiten dazu. wenn dies geschehen ist werden die jeweiligen Einstiege in einen längeren text vorgelesen. wer möchte, kann bis zum nächsten mal seinen text oder ihre geschichte vollenden. nach der leserunde formulieren alle teilnehmerInnen für sich fünf verschiedene anfänge von maximal drei sätzen. diese textanfänge werden anschließend vorgestellt. sie können gern ausgetauscht oder anderen geschenkt werden, wenn interesse daran besteht. ob die knospen zur blüte werden, liegt nun an allen schreibgruppenteilnehmerInnen selber.

wortklauberei (30)

„zwei leben. eine liebe. sheba“

früher stürzte sich die werbebranche noch auf nackte tatsachen und erotische anspielungen, da sie dem motto „sex sells“ folgten. heute hat sich dies gewandelt, die gesellschaft kehrt zu den alten werten zurück. „liebe“ steht hoch im kurs, denn liebe hüllt einen in einen kokon aus zuversicht und vertrauen ein. und steht kein liebender mensch zur verfügung, dann muss eben das haustier herhalten. in der wortklauberei fand schon einmal die liebe zu hunden aus der „cesar“-werbung platz. auch sie argumentierte für das produkt mit liebe.

ein weiteres sehr beliebtes haustier sind katze oder kater. so verwundert es nicht, dass auch „sheba“ mit der großen liebe des lebens wirbt. „zwei leben. eine liebe.“ kann man nun auch missverstehen. denn katzen sind, wie allgemein bekannt sein dürfte, nicht ganz so unterwürfig wie der hund. sie bestimmen selbstständig wann sie zuwendung wollen und wann nicht. so kann der werbespruch eben auch bedeuten, da gibt es zwei wesen, aber die liebe ist einseitig, nämlich mensch liebt katze. katze ist da pragmatischer und holt sich ihr futter ab.

das wäre natürlich enttäuschend für den menschen. Weiterlesen

„17. open mike“ ist ausgeschrieben

einmal im jahr gibt es in berlin für jüngere schreibende, die bis jetzt keine veröffentlichungen haben, die möglichkeit, sich in die öffentlichkeit zu begeben. bei dem wettbewerb handelt es sich um „open mike„, eine formulierung, die als „offenes mikrofon“ verstanden werden kann. daran teilnehmen können menschen bis 35 jahre. ausgeschrieben wird der wettbewerb von der „literaturwerkstatt“ in berlin. es gibt preisgelder, es gibt eine jury, es gibt reportagen über die preisträgerInnen, es gibt eine lesereise und einen workshop im anschluss.

deshalb ist die teilnehme an dem wettbewerb jungen schreibenden, die am anfang ihrer literarischen laufbahn stehen wollen zu empfehlen. die bewerbungsmodalitäten (es darf nur ein text eingesandt werden, preise gibt es für prosa und lyrik) sind hier zu finden: http://www.literaturwerkstatt.org/index.php?id=707 . bis mitte juli haben mann und frau zeit ihre besten werke einzusenden, dann trifft eine jury eine vorauswahl. im november diesen jahres tragen die in die entausscheidung gekommenen schriftstellerInnen ihre werke vor publikum vor und die preise werden verliehen.

also, es ist noch genug zeit, sich an den besten aller guten texte zu setzen. viel spaß dabei.