Tagesarchiv: 16. März 2009

biografisches schreiben und tristesse

 

menschen gehen in der öffentlichkeit gern davon aus, dass sie wichtig sind, dass sie beachtung verdienen und dass sie tolle leistungen erbringen. davon gehen sie zumindest (oft in strategischem verhalten) anderen gegenüber aus. doch kaum werden sie dazu eingeladen, über sich selbst zu schreiben, etwas aus ihrem leben zu erzählen, da formulieren sie, dass sie nichts besonderes erleben, dass ihr alltag langweilig sei und alles ein wenig trist.

dann kommt man mit diesen menschen langsam ins gespräch und es zeigt sich, sie haben wahnsinnig viel im laufe ihres lebens erlebt. sie sind voller geschichten, die, einmal angezapft, nur so aus ihnen hervorsprudeln. doch auch im verlauf des gesprächs gehen sie davon aus, dass ihre geschichten niemanden interessieren wird. nun kann man niemanden zwingen, seine geschichte zu veröffentlichen oder für sich selbst zu notieren. aber man kann eindeutig interesse zeigen, das nicht gespielt werden muss.

und man kann etwas anderes vermitteln, vor allen dingen auch durch das biografische schreiben, den blick auf das eigene leben und den eigenen alltag zu verändern. genauer hinzusehen, was stündlich passiert, was man erlebt, was sich auf der straße zuträgt. es wird nicht lang dauern, bis menschen erkennen, wie randvoll die welt von geschichten ist. Weiterlesen

kreatives schreiben und selbstdisziplin

 

gerade habe ich wieder in einem blog gelesen, dass jemand wahnsinnig gerne an einer geschichte schreiben würde und überhaupt schreiben wolle, aber nie so richtig zeit dafür habe. es wären soviele andere dinge vorrangig zu erledigen, dass man einfach nicht zum schreiben komme.

der psychologe würde jetzt sagen, dann ist man noch nicht so weit, die richtige zeit wird kommen. aber der psychologe könnte auch sagen, und hier würde der pädagoge wahrscheinlich zustimmen, dass die richtige motivation geschaffen werden müsse, um zur handlung des schreibens zu gelangen. leichter gesagt, als getan, denn die fenster sollten auch seit monaten schon geputzt werden. und wenn ich schreibe, bleiben die fenster dreckig.

in solchen momenten kann das lustprinzip recht hilfreich sein. auf was habe ich lust? auf schreiben. habe ich auf das fensterputzen ebenso viel lust? nein. warum putze ich dann lieber die fenster, anstatt zu schreiben? könnte mir ein nachteil beim schreiben daraus entstehen, wenn die fenster weiter ungeputzt sind? nein. höchstens ein paar nachbarn machen sich gedanken darüber. aber über die kann ich ja schreiben.

und hier greift für mich der begriff „selbstdisziplin“, den ich nicht so negativ verwenden möchte, wie er im deutschen oft gebraucht wird. selbstdisziplin ist nicht per se lustfeindlich. selbstdisziplin kann ich auch als disziplin für sich selbst einzutreten verstehen. Weiterlesen