Tagesarchiv: 24. März 2009

wortklauberei (30)

„zwei leben. eine liebe. sheba“

früher stürzte sich die werbebranche noch auf nackte tatsachen und erotische anspielungen, da sie dem motto „sex sells“ folgten. heute hat sich dies gewandelt, die gesellschaft kehrt zu den alten werten zurück. „liebe“ steht hoch im kurs, denn liebe hüllt einen in einen kokon aus zuversicht und vertrauen ein. und steht kein liebender mensch zur verfügung, dann muss eben das haustier herhalten. in der wortklauberei fand schon einmal die liebe zu hunden aus der „cesar“-werbung platz. auch sie argumentierte für das produkt mit liebe.

ein weiteres sehr beliebtes haustier sind katze oder kater. so verwundert es nicht, dass auch „sheba“ mit der großen liebe des lebens wirbt. „zwei leben. eine liebe.“ kann man nun auch missverstehen. denn katzen sind, wie allgemein bekannt sein dürfte, nicht ganz so unterwürfig wie der hund. sie bestimmen selbstständig wann sie zuwendung wollen und wann nicht. so kann der werbespruch eben auch bedeuten, da gibt es zwei wesen, aber die liebe ist einseitig, nämlich mensch liebt katze. katze ist da pragmatischer und holt sich ihr futter ab.

das wäre natürlich enttäuschend für den menschen. Weiterlesen

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„17. open mike“ ist ausgeschrieben

einmal im jahr gibt es in berlin für jüngere schreibende, die bis jetzt keine veröffentlichungen haben, die möglichkeit, sich in die öffentlichkeit zu begeben. bei dem wettbewerb handelt es sich um „open mike„, eine formulierung, die als „offenes mikrofon“ verstanden werden kann. daran teilnehmen können menschen bis 35 jahre. ausgeschrieben wird der wettbewerb von der „literaturwerkstatt“ in berlin. es gibt preisgelder, es gibt eine jury, es gibt reportagen über die preisträgerInnen, es gibt eine lesereise und einen workshop im anschluss.

deshalb ist die teilnehme an dem wettbewerb jungen schreibenden, die am anfang ihrer literarischen laufbahn stehen wollen zu empfehlen. die bewerbungsmodalitäten (es darf nur ein text eingesandt werden, preise gibt es für prosa und lyrik) sind hier zu finden: http://www.literaturwerkstatt.org/index.php?id=707 . bis mitte juli haben mann und frau zeit ihre besten werke einzusenden, dann trifft eine jury eine vorauswahl. im november diesen jahres tragen die in die entausscheidung gekommenen schriftstellerInnen ihre werke vor publikum vor und die preise werden verliehen.

also, es ist noch genug zeit, sich an den besten aller guten texte zu setzen. viel spaß dabei.

nabelschau (10)

heimwerkerInnen-exzesse. ein gericht in spanien hatte vor ein paar tagen entschieden, dass dauerhafter lärm der folter gleich kommt, da ihm schwer auszuweichen ist, und eine hohe haftstrafe gegen eine kneipenbesitzerin verhängt, die die strasse mit popmusik beschallte. in deutschland sind die regelungen, was lärm angeht, eher schwach und es gibt berechtigungen andere konstant damit zu belästigen. nur bei der nachtruhe versteht dieses land keinen spaß.

dabei liegt das übel an ganz anderen orten. die dichte der baumärkte steigt konstant, denn „selbst ist der mann“, inzwischen auch die frau, beim verschönern des eigenen lebensumfeldes. von der kloschüssel bis zum parkettboden kann alles selbst installiert, verlegt, geschraubt und gehämmert werden. der feine unterschied zu professionellen anbietern des wohnungsverschönerungsgewerbes, bei heimwerkerInnen dauert die veränderung eine ewigkeit.

besonders menschen mit dem hang zum perfektionismus machen sich gern selbst ans werk, weiß man doch nie genau, ob die meisterbetriebe gründlich genug sind, wenn man ihnen nicht über die schulter schaut. so werden das eigenheim oder die ferienbutze mit großer liebe und sorgfalt im laufe der jahre in ein kleines paradies verwandelt. doch bis es so weit ist, nutzen die heimwerkerInnen jeden freien moment, meist momente, an denen andere menschen auch nicht der beschaffung des lebensunterhaltes nachgehen müssen, um zu basteln. dieses basteln setzt inzwischen alle möglichkeiten an brummenden, surrenden und ratternden geräten ein, die ein baumarkt gegen einen kleinen obulus zur verfügung stellt.

daneben soll es natürlich perfekt werden, soll heißen, kaum ist man am einen ende des häuschens oder der wohnung angelangt, kann man am anderen schon wieder anfangen. Weiterlesen