Tagesarchiv: 29. März 2009

selbstbefragung (08) – krankheit

die fragebögen zur selbstbefragung versuche ich ab nun ein wenig unter rubriken zu bündeln. dieses mal geht es um „krankheit„.

  • konnten sie im lauf der jahre eine persönliche beziehung zu ihrem arzt oder ihrer ärztin aufbauen, da sie sie so oft aufsuchen? warum?
  • was löst es in ihnen aus, wenn gute freunde von ihrer krankheit erzählen?
  • leiden sie, wenn sie krank sind?
  • wie gehen sie damit um, dass schmerzen erst einmal unausweichlich sind?
  • der krankenstand ist in deutschland auf extrem niedrigem niveau. haben sie eine erklärung dafür bei dem stress, der überall herrscht?
  • „machen“ sie auch mal krank? warum nicht?
  • machen sie die „gesundheitsreformen“ auch krank? begründen sie.
  • welches war oder ist bis jetzt ihre unangenehmste krankheit?
  • denken sie bei krankheit viel an den tod?
  • wenn sie wieder gesund sind, führen sie ihr leben so weiter, wie sie es vorher gemacht haben? warum?

schreibidee (108)

diese schreibidee hat einen spielerischen aspekt, der gleichzeitig den umgang mit kritik an geschriebenem trainieren kann. wenn menschen sich mit eigenem an die öffentlichkeit begeben, fällt es oft schwer, kritik einzustecken. darum soll es in der schreibanregung zu einer „kommentar-orgie“ kommen. diese orgie hat beinahe etwas dialogisches.

zum einstieg sind zwei variationen denkbar. entweder alle teilnehmerInnen der schreibgruppe werden im vorfeld aufgefordert, einen kurzen text mitzubringen, den sie erst einmal vortragen. oder es besteht die freie wahl, einen text zu verfassen, der nicht länger als zwei seten sein sollte. die texte werden auf alle fälle an andere teilnehmerInnen weitergegeben.

und nun sind alle aufgefordert, den text, der ihnen vorliegt, zu kommentieren. dazu sollen sie satz für satz vorgehen und nach jedem satz einen kommentarsatz schreiben. steht da zum beispiel: „sie zog ihren moosgrünen mantel an.“ könnte kommentiert werden: „warum nicht einen roten?“ oder „mir gefällt lindgrün besser.“. die kommentare dürfen natürlich auch gehaltvoller sein. wichtig ist nur, dass nach jedem satz ein kommentar steht. die texte werden dann an die verfasserInnen zurückgegeben.

jetzt ist es an den verfasserInnen, die kommentare durchzulesen, und dort änderungen vorzunehmen, wo sie die anmerkungen sinnvoll finden. es geht nicht darum, den text noch einmal vollständig neu zu schreiben, sondern satz für satz den kommentaren zu folgen, also eigentlich den dialog zu lesen. im vorfeld sollte man bei dieser schreibidee auf alle fälle formulieren, dass bei den kommentierungen ruhig witz und sprachspiel zum zuge kommen dürfen. es geht nicht darum, lektorIn zu spielen. es geht darum, eigentlich im nachhinein, gemeinsam einen text zu verfassen, wobei die autorInnen die oberhand behalten. am schluss werden die entstandenen texte vorgelesen.

schreibaufgabe (25) – ergebnis – kurz-kurzgeschichten

das gummibärchen

du bist ja das letzte„, sagt sabine, als sie mit dem zeigefinger versucht das rote gummibärchen aus dem tütenzipfel zu puhlen. „ach so stehst du zu mir!“, rief uwe in diesem moment und verließ sabine für immer, nachdem er sich so mühe mit dem heiratsantrag gegeben hatte.

 

das schaf

„du bist ja das letzte!!“, murmelt paul verzweifelt im halbschlaf. ich ahnte, dass dieser tag kommen würde, dachte er. seit achtzig jahren zählte er abends im bett schafe, wie sein vater ihm das gezeigt hatte, um einschlafen zu können. nie waren ihm die schafe ausgegangen. doch nun spürte er nur noch den starken stechenden schmerz in der brust.

 

das rennen

„du bist ja das letzte kind“, rief hildegard zornig ihrer tochter zu, „das über die ziellinie gesprintet ist!“ und dachte dabei an die vielen männer, die sie als callgirl bedient hatte, damit anastasia am training für die landesauswahl der unter 10-jährigen mädchen teilnehmen konnte. die macht das nur, um mich zu ärgern, kam ihr in den sinn. seit sie vorletzte woche nachts aufwachte und ich nicht da war, versucht sie immer so lang wie möglich wach zu bleiben, damit ich nicht gehe.

 

das cremetörtchen

„du bischd ja dasch letschte“, ruft holger panisch mit dem letzten cremetörtchen im mund vor dem kühlschrank sitzend. es ist noch nicht genug. irgendwo müssen noch die schokoriegel sein. wo hat er sie nur hingelegt? es ist noch zu wenig, um sich den finger in den hals zu stecken.

 

die sparbüchse

„du bist ja das letzte!“, sagt edgar zu sich, als er im kinderzimmer auf dem boden sitzt und die sparbüchse von tom öffnet. „aber was soll ich machen, wenn kein schnaps mehr im haus ist?“ er kann auch nichts dafür, wenn helga alles weggeschüttet hat. ich lass sie erst wieder aus dem keller, wenn ich etwas wodka getrunken habe, denkt er bei sich, sonst halt ich das geschrei nicht aus.

 

das essen

„du bist ja das letzte!“, brüllt anna in ihr handy, „mich hier drei stunden mit dem fertigen essen sitzen zu lassen. du glaubst wohl, ich möchte keinen feierabend haben. ist ja nur hausarbeit. jeden tag der gleiche scheiß.“ „tschuldigung?“, murmelt es vom anderen ende. „wer ist denn da?“ „spreche ich mit frau ehrenbach?“ „ja“ „hier ist hauptkommissar bertram, ich wollte ihnen mitteilen, dass wir ihren mann aufgehängt im stadtpark gefunden haben.“

(mörz 2009)