wortklauberei (31)

„karriere lounge“

geahnt hat man es ja schon immer. der streit um die bonus-zahlungen für bankmanager hat es nur noch einmal bestätigt: einmal in einer bestimmten position, karriere gemacht, fließt das geld automatisch zu den menschen. man kann nur noch die treppe rauffallen und nur sehr selten abstürzen.

da passt es ganz gut, dass ein großer bekleidungskonzern im rahmen seines „general management programm“ eine „karriere lounge“ anbietet. das kann man so oder so verstehen. laut deutscher definition handelt es sich bei einer „lounge“ um einen aufenthaltsraum, einen wartesaal oder ein wartezimmer. momentan kann man da eventuell ganz schön lange warten, bis man karriere im management machen kann. werden doch eine ganze menge manager zur zeit dem arbeitsmarkt wieder überantwortet, wie man es so schön formulieren kann.

man kann es aber auch anders übersetzen: das englische „to lounge“ heißt übersetzt „faulenzen“. mal karriere gemacht, ein sicherlich zeitaufwendiges unterfangen, kann man den rest seiner arbeitstage faulenzen. das hübscheste daran ist, und hier schweife ich von den banken ab, man kann den größten bockmist bauen, in den seltensten fällen wird man zur verantwortung gezogen. erinnern sie sich noch an die ganzen skandale, firmenschließungen und pleiten. haben sie in letzter zeit bei den aktiengesellschaften davon gehört, dass das management für sein verhalten haftet? oder die im aufsichtsrat ihren hut nehmen müssen, da sie ihrer aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind. nein, sie loungen in diversen vereinigungen herum und pflichten dem glaubenssatz, dass die krise eine chance sei, zu.

wie zynisch das rüberkommt, konnte man gestern im „weltspiegel“ der ard sehen. da berichteten reporterInnen aus den usa, wo durch die krise arbeitslos gewordene sich nun geballt ehrenamtlichen tätigkeiten zuwenden. sie unterstützen projekte, die das möglichst kostenfrei auffangen, was der staat an sozialen absicherungen versaubeutelt hat. und ein organisator ließ sich zu der äußerung herab, dass die krise ein gutes hätte, die „menschlichkeit“ würde wieder in den vordergrund rücken. seltsam, dass im gesellschaftsraum, in der stube (auch eine übersetzung für lounge) niemand wütend wird, während die anderen ständig von chancen faseln.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s