Tagesarchiv: 15. April 2009

schreibidee (113)

wenn die befindlichkeit des modernen menschen zu wünschen übrig lässt, dann nimmt er eine pille. zu wenig muskeln, eine pille, verspannungen, eine pille, verhütung, eine pille, zu viel aufregung, eine pille, schlafstörung, eine pille. nur wenn er unglücklich ist, der mensch, dann hat er noch nicht die passende pille. auch wenn manche droge vorgaukelt glücklich zu machen, ist der effekt danach ein anderer. die schreibanregung soll märchenhaft real „glückpillen-geschichten“ entstehen lassen.

in der schreibgruppe wird am flipchart gesammelt, was unglücklich machen kann und was ein unglück sein kann. die teilnehmerInnen können auch für sich selbst beispiele sammeln. nun wird der unglückliche moment ausgewählt, der einen am meisten bewegt. zu dieser situation wird eine längere geschichte geschrieben, in der irgendwann eine glückspille zum einsatz kommt und den verlauf der geschichte vollständig zum „guten“ hin verändert. diese geschichten werden in der schreibgruppe vorgelesen.

im anschluss wird die märchenhafte stimmung verlassen und zur harten realität zurückgekehrt. es gibt die glückspille nicht mehr. darum wird die ganze unglückliche geschichte noch einmal geschrieben, wie sie verlaufen wäre, wenn keine glückspille zum einsatz kommt. der ausgang der geschichte wird den schreiberInnen überlassen. es kann für die unglückliche situation eine positive lösung gefunden werden oder das leben kann in seiner ganzen härte zuschlagen. auch diese geschichten werden vorgelesen. und wenn dann das stimmungstief in der schreibgruppe erreicht ist, werfen die leiterInnen eine runde glücksperlen (man erinnere sich an diese bunten zuckerperlen, die es im süßwarengeschäft gibt.

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biografisches schreiben und filme

ein abend im kino oder vor dem fernseher (inzwischen häufig vor dem computer) kann eine abwechslungsreiche unterhaltung sein. doch ebenso gibt es filme, die einen tief berühren und zum nachdenken bringen. der film ist ein medium, das lebensgeschichten wunderbar zuspitzen, dramatisieren oder erzählen kann. und es lässt sich ein unterschied feststellen zwischen filmen, die allein der unterhaltung dienten und denen, die lange zeit hängen blieben.

dabei spielt es keine rolle, ob andere den für einen persönlich wichtigen film als reine unterhaltung verstanden haben. es geht darum, was der film in einem auslöste. beim biografischen schreiben kann man zum beispiel eine liste erstellen, an welche filme man sich noch erinnert. manchmal fällt einem der titel nicht mehr ein, aber das spielt auch keine rolle. denn der zweite schritt schein wichtiger für die eigene lebensgeschichte und die äußeren einflüsse darauf. nämlich die erinnerung daran, was einen bewegte an dem film, was einen danach beschäftigte. dies sollte man sich in der liste hinter die jeweiligen filme schreiben, in kurzen stichworten.

denn dann kann man in der folge für sich auswählen, ob beim verfassen der eigenen biografie eine erwähnung mancher filme einem wichtig erscheint. so gibt es zum beispiel filmereignisse, die ganze generationen beschäftigt haben. oder bestimmte filmrichtungen, die einen selbst immer wieder fasziniert haben, da sie nach dem eigenen verständnis das leben gut abbildeten oder die kritik an der gesellschaft direkt formulierten. natürlich kann man für sich auch zu dem schluss kommen, dass es zwar filme gab, die einen sehr bewegten, die aber weiter keinen einfluss auf die eigenen entwicklung hatten, sie also auch nicht erwähnenwert erscheinen. das formulieren der eigenen entwicklung kann nicht von außen geregelt werden. hier werden nur anregungen verschiedener betrachtungsmöglichkeiten gegeben.