Tagesarchiv: 16. April 2009

nabelschau (13)

sie sollten sich zeit für gefühle nehmen. wie gestern die süddeutsche zeitung auf ihrer seite „wissen“ (s.16) mitteilte, gibt es eine untersuchung der universität san diego, die belegen soll, dass das entwickeln von mitgefühl für menschen, die seelische verletzungen erfahren haben, ungefähr sech bis acht sekunden dauert. anscheinend etliches länger, wie wenn körperlicher schmerz bei anderen beobachtet wird. ähnlich lang dauert das entwickeln von bewunderung für eine leistung.

in einer zeit, in der die kommunikation immer schneller und kürzer von statten geht, stimmt dies nachdenklich. kein wunder, dass in vielen arbeitsverhältnissen so wenig lob ausgesprochen wird. mal kurz etwas angeschaut oder mitbekommen und schon konnte wieder keine bewunderung entwickelt werden. oder jemand berichtet von seinen problemen, aber gleichzeitig klingelt schon das handy, wen erstaunt es da, dass kein mitgefühl entwickelt werden konnte. vor kurzem war auf der straße ein kleines mädchen zu beobachten, das brüllend da stand und der vater versuchte sie zu beruhigen. dann meinte ihr vater „jetzt kannst du aber mal aufhören.“ sie antwortete: „nein. das kann ich erst, wenn du mich getröstet hast.“

wahrscheinlich sollte dies unsere zukünftige kommunikation sein: „hast du mal acht sekunden zeit, um mitgefühl für meine schwierigkeiten zu entwickeln?“ oder „bleib mal stehen, warte ein paar sekunden, vielleicht kannst du dann mit mir fühlen oder mich bewundern“. auch bei filmen im fernsehen, die von seelischen problemen handeln, sollte mindestens eine achtsekündige pause nach emotionalen höhepunkten geschaltet werden, um ein gefühl für die protagonisten zu entwickeln. kein wunder, dass die krimis mit den sichtbaren körperlichen verletzungen immer viel besser ankommen, kann man dort doch sofort mitfühlen.

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